Kommentare und Themen der Woche 06.05.2020

Restart der BundesligaDie Lobbyarbeit hat funktioniertVon Matthias Friebe

Beitrag hören GEISTERSPIEL ohne Zuschauer DFL Fussball Bundesliga Saison 2019 - 2020 Spiel Borussia Moenchengladbach - 1. FC Koeln am11. 03. 2020 in Moenchengladbach (dpa/ Laci Perenyi)DFL Fussball Bundesliga Saison 2019-2020 Spiel Borussia Moenchengladbach- 1.FC Koeln (dpa/ Laci Perenyi)

Trotz positiver Corona-Tests in der Bundesliga hat die Politik grünes Licht für Geisterspiele ab der zweiten Mai-Hälfte gegeben. Damit setzten die politischen Entscheider viel von dem entgegengebrachten Vertrauen aus der Bevölkerung in den vergangenen Wochen aufs Spiel, meint Matthias Friebe.

Vertrauen ist, sagt der Duden, das Überzeugtsein von der Verlässlichkeit einer Person oder Sache. In diesen Corona-Zeiten komme es viel auf Vertrauen an, sagte heute Bundeskanzlerin Angela Merkel. Sie weiß, die Bevölkerung musste und muss viel Vertrauen in die Politik setzen, um die Beschränkungen des alltäglichen Lebens akzeptieren zu können.

Einen großen Vertrauensbeweis gab es heute aus der Politik für den Profifußball. Seit Wochen eines der umkämpftesten Debattenthemen. Als Großmeisterin der feinen rhetorischen Klinge verwies Merkel die Bundesliga heute aber auf ihren Platz, als sie die Entscheidung zur Freigabe des Spielbetriebs in einem Halbsatz einer längeren Liste quasi nebenbei verkündete.

Wie viele Fans das wirklich begeistern wird, ist fraglich

Einstimmig war zuvor in den Bund-Länder-Beratungen die Entscheidung gefallen. Noch in diesem Monat werden wir Geisterspiele in der 1. und 2. Fußball-Bundesliga am Fernseher miterleben können. Wie viele Fans das wirklich begeistern wird, fraglich. Denn Spiele ohne Fans und ohne Stimmung wirken mindestens so seelenlos, wie es der Profifußball von seinen ärgsten Kritikern längst vorgeworfen bekommt.

33D-Modell des Coronavirus SARS-CoV2 (Imago/Rob Engelaar/Hollandse Hoogte) (Imago/Rob Engelaar/Hollandse Hoogte)

Das steht aber auf einem anderen Blatt, für die Vereine geht es zunächst ums Überleben und die Rettung der rund 50.000 Arbeitsplätze. Schon vor Wochen hatte die DFL dazu ein Konzept vorgelegt, über das seitdem leidenschaftlich, mitunter populistisch diskutiert wird. Dieses Konzept hat die Politik am Ende überzeugt. Vorbildlich – auch so ein wichtiges Wort in den Debatten dieser Tage – sei es für andere Branchen, war zu hören. Die Bundesliga als Musterschüler – die intensive Lobbyarbeit der Liga hat funktioniert.
Doch Zweifel sind angebracht. Kann man Vertrauen haben, also überzeugt sein von der Verlässlichkeit der Vereine? Das Facebook-Video des schnell abgestempelten und suspendierten Hertha-Profis Salomon Kalou zeigt doch, dass man es offenbar überhaupt nicht ernst nimmt. Es geht nicht um die Dummheit des Spielers, so ein Live-Video zu erstellen, es geht um die mangelnde Umsetzung des DFL-Konzepts durch den Verein, wie dieser Blick hinter die Kulissen beweist. Warum sollte das woanders besser sein?

Spielbetrieb lässt sich nicht verlässlich organisieren

Ein weiterer Knackpunkt ist der Umgang mit positiven Corona-Tests. Müssen nach einem solchen Testergebnis ganze Mannschaften in Quarantäne oder nicht? Allein in den vergangenen fünf Tagen waren verschiedenste Entscheidungen zu beobachten. So lässt sich kein Spielbetrieb verlässlich organisieren. Von heute auf morgen könnte eine Mannschaft komplett aus dem Verkehr gezogen sein. Union Berlin teilt heute mit, bei einem Spieler gebe es inzwischen mehrere negative, positive und unklare Befunde. Mehr muss man in Sachen Corona-Tests in der Bundesliga nicht wissen.
Vertrauen hat die Politik trotzdem, dafür dankt Liga-Boss Christian Seifert übrigens ausdrücklich. Mit dieser Entscheidung setzen die politischen Entscheider aber viel vom entgegengebrachten Vertrauen aus der Bevölkerung in den vergangenen Wochen aufs Spiel. Hoffentlich müssen sie dafür am Ende nicht bitter bezahlen.

Matthias Friebe (Deutschlandfunk – Aktuelles, freier Mitarbeiter)  (Deutschlandradio / Bettina Fürst-Fastré )Matthias Friebe (Deutschlandradio / Bettina Fürst-Fastré )Matthias Friebe, Jahrgang 1987, Journalist, studierte Neuere und Neueste Geschichte, Politikwissenschaft und Katholische Theologie in Münster und Duisburg-Essen. Volontariat bei domradio.de und Ausbildung an der Journalistenschule ifp in München. Danach arbeitete er als Moderator und Redakteur für WDR, Deutschlandfunk und domradio.de. Heute ist er Redakteur in der Sportredaktion des Deutschlandfunks.

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