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StartseiteVerbrauchertippWenn Banken sich zulasten der Kunden absichern wollen17.10.2018

RestschuldversicherungWenn Banken sich zulasten der Kunden absichern wollen

Auf den ersten Blick erscheint es sinnvoll, Darlehensraten gegen das Risiko von Arbeitslosigkeit oder Arbeitsunfähigkeit abzusichern. Dazu bieten die Banken Restschuldversicherungen an. Doch die sind kaum zu empfehlen.

Von Brigitte Scholtes

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Familie kauft ein neues Haus (imago / BAEFO)
Restschuldversicherungen sind optional, auch wenn Banken vor allem bei schwächeren Kreditnehmern gerne den gegenteiligen Eindruck erwecken (imago / BAEFO)
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Restschuldversicherungen haben viele Vorteile und bieten Sicherheit – vor allem für den Kreditgeber. Deswegen bieten Banken sie gern an, wenn sie ein Darlehen vergeben. Denn damit sinkt für sie das Ausfallrisiko des Kredits. Außerdem kassieren sie für den Abschluss auch noch eine Provision. Für den Kunden lohnt es sich aber praktisch nie, eine solche Versicherung abzuschließen. Bei größeren Darlehen sollte man da besser zum Beispiel seine Lebensversicherung abtreten, und auch für kleinere ist eine solche Versicherung nicht zu empfehlen, sagt Eva Raabe von der Verbraucherzentrale Hessen. Denn die seien zum einen recht kompliziert:

"Es gibt viele Klauseln, Ausnahmeregelungen, so dass sie tatsächlich im Versicherungsfall, wo sie dann vielleicht sinnvoll sein könnte, in der Regel gar nicht greifen werden. Das nächste Problem ist: Die Versicherungsprämien sind einfach viel zu teuer. Wenn man das Ganze vergleicht mit einer Risikolebensversicherung beispielsweise, dann kann ich die für einen wesentlich günstigeren Preis einkaufen als diese Restschuldversicherung, weil dort haben wir zum Teil Prämien, die sind bis 40 bis 50 Prozent der Versicherungssumme, also des Nettokreditbetrages, der abgesichert sein soll."

Wer schon eine Risikolebensversicherung oder eine Berufsunfähigkeitsversicherung abgeschlossen hat, sollte auf keinen Fall eine Restschuldversicherung wählen – er wäre dann doppelt abgesichert und das eben noch sehr teuer. Wie teuer das ist, das aber kann der Versicherungsnehmer nicht unbedingt erkennen, denn die Banken rechnen die Prämien, die der Versicherungsnehmer zahlt, häufig gar nicht in den Effektivzins ein. Der könne aber tatsächlich bei 20 bis 25 Prozent liegen, sagen Experten.

Restschuldversicherungen immer optional

Viele Verbraucher haben allerdings den Eindruck, dass sie ihren Kredit nur bekommen, wenn sie auch die Restschuldversicherung abschließen. Die aber sei grundsätzlich immer freiwillig, sagt Steffen Gurtler, Experte Privatkundengeschäft beim Deutschen Sparkassen- und Giroverband:

"Das ist natürlich kein Muss. Der Kunde hat immer die Wahl. Sie ist auch keine Bedingung oder Voraussetzung für den Abschluss eines Kreditvertrags. Das wird aber normalerweise auch von allen Banken und Sparkassen klar kommuniziert."

Gerade bei Kunden mit geringer Bonität werde aber trotzdem häufig dieser Eindruck erweckt, hat auch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht schon festgestellt. Die aber rutschten dann noch leichter in die Schuldenfalle, hat Eva Raabe von der Verbraucherzentrale Hessen beobachtet – mit der Folge, dass die Bank dem Kunden dann einen neuen Kredit verkaufe und den mit einer neuen Restschuldpolice mit noch höheren Konditionen absichere:

"Dann haben wir ja das Problem, wenn schon der alte Kredit nicht zurückbezahlt werden konnte, wie soll das jemand bei dem neuen schaffen, der noch höher ist, noch mit einer größeren Restschuldversicherungsprämie belastet wird und folglich natürlich auch die Raten noch höher werden?"

Wer schon eine Restschuldversicherung abgeschlossen hat, sollte schnell handeln, sagt die Verbraucherschützerin. Denn widerrufen kann man eine solche Versicherung nur innerhalb der ersten 30 Tage. Allerdings müssen die Versicherungen seit Ende Februar ein zweites Mal separat, eine Woche nach Abschluss des Vertrags über das Widerrufsrecht belehren. Man kann die Restschuldversicherung zwar auch später kündigen, allerdings muss der Kredit dann auch in einer Summe zurückgezahlt werden.

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