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StartseiteMarkt und MedienRettung in letzter Minute26.01.2008

Rettung in letzter Minute

Journalist bei seiner Recherche in Kasachstan schwer verletzt aufgefunden

Für den WDR war Marcus Bensmann viel in Zentralasien unterwegs. Usbekistan, Kirgisien und Kasachstan. Bei seinem Aufenthalt in der kasachischen Haupstadt Astana erlitt er nach einem Raubüberfall schwere Verletzungen und Erfrierungen. Der WDR veranlasste umgehend einen Transport nach Deutschland.

Von Dieter Wulf

Marcus Bensmann  gehört der Journalistenvereinigung Weltreporter an. (Stock.XCHNG / Helle Bro)
Marcus Bensmann gehört der Journalistenvereinigung Weltreporter an. (Stock.XCHNG / Helle Bro)

"Marcus Bensmann ist einer derjenigen unter den Journalisten, die helfen den eigenen Blick zu schärfen."

So Martin Jäger, der Sprecher des Auswärtigen Amtes, bezüglich des freien Journalisten Marcus Bensmann, der seit etwa zehn Jahren für unterschiedliche deutschsprachige Medien aus Zentralasien berichtet hat. Nicht selten kritisierte er dabei auch die Rolle der deutschen Außenpolitik, so Martin Jäger.

"Aber gerade deswegen haben wir uns sehr oft und sehr intensiv mit ihm auseinander gesetzt und haben immer erfahren, dass er sehr gut informiert ist. Er zählt mit großer Gewissheit zu den besten Kennern Zentralasiens, die wir in Deutschland haben."

Bis vor zwei Jahren lebte Marcus Bensmann in Usbekistan und war einer der ganz wenigen ausländischen Augenzeugen der dortigen Massaker im Jahr 2005 mit Hunderten von Toten. Damals floh der Journalist aus Usbekistan und berichtete seitdem aus Kirgisien immer wieder auch über Menschenrechtsverstöße in der Region. Am vergangen Wochenende recherchierte er für den WDR in der kasachischen Hauptstadt Astana, erklärt Arnd Henze der stellvertretende Auslandschef des WDR.

"Markus Bensmann hat ja für uns für eine Geschichte für den Weltspiegel recherchiert. Er war in engem Kontakt mit Stefan Stuchlich, unserem Korrespondenten in Moskau. Und dann irgendwann am Sonntagvormittag hat unser Büro in Moskau den Hinweis bekommen, dass er eben schwer verletzt aufgefunden wurde, in ein Krankenhaus gebracht wurde."

Ausgeraubt und schwer misshandelt war er früh morgens am Stadtrand mit einem Schädelbruch gefunden worden, nachdem er offenbar stundenlang ohne Schuhe und Jacke bei Minustemperaturen von um die 30 Grad gelegen hatte. Ein schnell vom WDR und der Botschaft organisierter Transport brachte den Journalisten am Dienstag in eine deutsche Spezialklinik, erklärt Arnd Henze.

"Es geht jetzt vor allem darum die schweren Schädelverletzungen zu behandeln, er wird operiert und gleichzeitig geht es darum die enormen Erfrierungen, die ganz ganz schweren Erfrierungen so zu behandeln, dass die Körperteile erhalten bleiben."

Alles deute derzeit auf einen rein kriminellen Raubüberfall und kein politisches Motiv. Trotzdem dürfe das natürlich als Möglichkeit nicht ausgeschlossen werden, betont auch das Auswärtige Amt. Im Vordergrund stehe jetzt jedoch die bestmögliche medizinische Versorgung. Und da Marcus Bensmann in dieser Nacht für seinen Sender unterwegs war, sehe man sich natürlich auch in der Verantwortung, erklärt And Henze.

"Er war für uns als Mitarbeiter des WDR in Astana tätig. Das heißt wir haben uns voll in der Verantwortung gesehen. Und das wird jetzt über die unmittelbare akute Behandlung hinaus, wird das sicher eine schwerwiegende und langwierige Genesungs- und Heilungsphase sein. Also das ist eine Diensttätigkeit gewesen und dafür ist der Arbeitgeber verantwortlich."

Diese schnelle und unbürokratische Hilfe sei dem WDR wirklich hoch anzurechnen, meint Kai Schächtele, von der Journalistenvereinigung Weltreporter, zu der auch Marcus Bensmann gehört. Trotzdem, so meint er, werden an diesem Fall auch die großen Gefahren deutlich, die besonders freien Journalisten in Krisenregionen drohen.

"Man könnte natürlich sagen, seine Auftraggeber haben ja eine Verantwortung für ihn und das ist dann nicht nur der WDR, sondern das sind auch die Zeitungen für die er gearbeitet hat und arbeitet."

Denn Marcus Bensmann arbeitete bei weitem nicht nur für den finanzstarken WDR, sondern auch für kleinere Zeitungen. Hätten auch die in gleicher Weise für die jetzt anstehenden immensen Kosten aufkommen können, fragen sich jetzt die Journalisten der Weltreporter, von denen einige regelmäßig aus Krisengebieten berichten.

"Aber natürlich braucht man dafür eine grundsätzlichere Handhabe als diese. aber es gibt natürlich keine. Was natürlich auch daran liegt, dass dieser ganze Betrieb sich in einer Weise verändert hat, dass immer mehr Leute für die Verlage als Korrespondenten auftreten. Und da gibt es, weil das ein Prozess ist der schon seit Jahren im Fluss ist, und es einfach so läuft, gibt es aber keine grundsätzliche Handhabe."

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