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StartseiteKommentare und Themen der WocheDie eigentliche Arbeit beginnt erst jetzt25.06.2020

Rettungspaket für LufthansaDie eigentliche Arbeit beginnt erst jetzt

Die Lufthansa kann mit Staatshilfe weiterfliegen. Eine gute Nachricht für Aktionäre, Mitarbeiter und Kunden – doch die Fluglinie muss nun den Kurs ändern, kommentiert Brigitte Scholtes. Um im Markt Maßstäbe setzen zu können, brauche es soziale Arbeitsstandards und Erfolge beim nachhaltigeren Fliegen.

Von Brigitte Scholtes

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Eine Passagiermaschine der Lufthansa fliegt kurz vor Frankfurt. (picture alliance/dpa/Boris Roessler)
Eine Passagiermaschine der Lufthansa fliegt kurz vor Frankfurt (picture alliance/dpa/Boris Roessler)
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Es waren lange und zähe Verhandlungen, bis klar war, unter welchen Bedingungen der Staat bereit war, die Lufthansa zu retten. Und in den letzten zehn Tagen wurde es noch einmal richtig spannend, als Großaktionär Heinz Hermann Thiele am liebsten das Rettungspaket noch einmal aufgeschnürt hätte. Doch die Alternative einer Insolvenz wollte er auch nicht riskieren, und so stimmte er zähneknirschend wie auch einige andere Investoren der staatlichen Rettung zu.

Das ist eine gute Nachricht für die Lufthansa, nicht nur für die Aktionäre, die zwar jetzt wegen des Staatseinstiegs geringere Anteile an der Kranichlinie halten. Es sind auch gute Nachrichten für die Mitarbeiter, die bei einer drohenden Insolvenz wahrscheinlich stärker um ihre Arbeitsplätze hätten bangen müssen. Und auch für die Kunden, die über schon bezahlte Tickets dem Konzern einen unfreiwilligen Kredit gegeben haben. Es sind gute Nachrichten, weil die Fluggesellschaft wegen der Coronapandemie unverschuldet in die Krise gerutscht war und deshalb nach deren Überwindung auch gute Aussichten hat, weiter eine gute Stellung im Wettbewerb zu erlangen.

Lufthansa muss den Kurs korrigieren

Doch die eigentliche Arbeit beginnt erst jetzt. Denn die Lufthansa wird nach der Krise nicht mehr dieselbe sein. Und das sollte sie auch nicht. Denn trotz ihres geschäftlichen Erfolgs hat die Kranichlinie einige Themen, die sie nun dringend angehen muss. Dazu gehört zum einen die Größe: die Zahl der Flugzeuge ist, das weiß auch das Management, viel zu hoch. Einen solchen Boom, wie wir ihn noch vor ein, zwei Jahren erlebt haben, den wird die Luftfahrt so schnell nicht mehr sehen. Aus ökologischen Gründen kann man das nur begrüßen. Dennoch bleibt es wichtig, dass eine große Fluggesellschaft, zumal eine eines so großen Exportlandes wie Deutschland, mit der Welt verbunden ist.

Flugzeuge der Lufthansa stehen am Flughafen in München am Boden. Bei der Airline sind nach der Coronakrise 22.000 Arbeitsplätze bedroht. (imago) (imago)Ziegler (Ökonomin) - "Lufthansa ist für die aktuelle Krise viel zu groß dimensioniert"
Das Neun-Milliarden-Rettungspaket sei wichtig, sagte die Ökonomin Yvonne Ziegler im Dlf. Das Unternehmen sei damit aber nicht langfristig gesichert.

Es ist auch von großer Bedeutung, dass eine nationale Fluggesellschaft wie Lufthansa sich ihrer Verantwortung bewusst ist und danach handelt – das betrifft sozialverträgliche Arbeitsstandards, aber auch das Bemühen, mehr noch die Umsetzung eines nachhaltigeren Fliegens. Es wird zwar noch einige Jahre dauern, bis mehr alternative Energien das Kerosin in den Flugzeugen ablösen. Aber die Umsetzung solcher Ziele sollte der Staat, auch wenn er nicht zu starken Einfluss aufs operative Geschäft nehmen will, immer im Auge behalten. Nachhaltigkeit wird sich auszahlen. Die Methoden, mit denen Billigflieger ohne Rücksicht auf Mitarbeiter oder Kunden agieren, die darf Lufthansa sich auch im harten Wettbewerb nicht zu eigen machen.

Es wird interessant zu sehen, ob der neue Großaktionär Thiele eine solche Unternehmenspolitik mitträgt. Oder ob er als gnadenloser Kapitalist agiert und damit solche Ziele unterminieren könnte. Ihm ist an einer starken Lufthansa gelegen, sagt er. Stark aber ist ein Unternehmen, das im Markt Maßstäbe setzt. Vielleicht auch in anderer Weise als bisher. Das möge der Lufthansa gelingen.

Brigitte Scholtes (©Deutschlandradio / Bettina Straub)Brigitte Scholtes (©Deutschlandradio / Bettina Straub)Brigitte Scholtes, Jahrgang 1958, studierte Wirtschaftsgeschichte und Anglistik in Aachen und Bonn mit dem Abschluss Lehramt für Gymnasien. Sie arbeitete zunächst für die "Frankfurter Allgemeine Zeitung", die damals auch Hörfunksendungen für das Privatradio RPR produzierte, wechselte dann zur Nachrichtenagentur Bloomberg Business News. Seit 1992 Partnerin im Redaktionsbüro Business Report, das 1998 die Wirtschaftskorrespondenz aus Frankfurt für Deutschlandradio übernommen hat. 

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