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StartseiteEuropa heuteAlbanien hilft, wo es kann29.08.2018

Rettungsschiff "Diciotti"Albanien hilft, wo es kann

20 Flüchtlinge von dem italienischen Rettungsschiff "Diciotti" will Albanien aufnehmen. Aber das Land ist bisher kein EU-Mitglied und hat erst vor einigen Wochen EU-Asylzentren eine Absage erteilt. Die Hilfsbereitschaft in Albanien ist trotzdem groß.

Von Andrea Beer

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Edi Rama, Ministerpräsident der Republik Albanien in Tirana am 14.06.2016. (imago/Thomas Trutschel)
Edi Rama, Ministerpräsident Albaniens, betrachtet die Aufnahme der "Diciotti"-Flüchtlinge als Geste der Menschlichkeit (imago/Thomas Trutschel)
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Die ersten der Bootsflüchtlinge haben die Diciotti verlassen, doch wann 20 von ihnen in Albanien ankommen sollen, das ist zur Zeit noch unklar. Die albanischen Medien berichten ausführlich darüber. Wir Albaner erinnern uns an die Zeit, als wir vor Kommunismus und Unterdrückung fliehen mussten, erklärt der albanische Europa- und Außenminister Ditmir Bushati in der BBC.

Das seien dramatische Zeiten gewesen, in denen gerade Italien viele Albaner aufgenommen habe. Die albanische Opposition sieht das ähnlich, und nur einzelne bemängeln, die Regierung würde aus der Diciotti politisches Kapital für den EU-Beitritt schlagen wollen. Diese beiden Passanten aus Tirana denken das nicht.

"Ich bin der Meinung, dass es sehr gut ist, wenn wir anderen Menschen helfen."

"Damit bin ich sehr einverstanden. Wir selbst leben seit 15 Jahren in Italien. Wenn Italien so viele Menschen aufgenommen hat, warum sollten wir das nicht tun."

Viele Albaner haben Fluchterfahrungen

Das eigene Land aus Not verlassen müssen. Viele Albanerinnen und Albaner haben seit Beginn der 90er Jahre diese Erfahrung gemacht, allein in Italien leben rund 450.000 Menschen aus Albanien. In Griechenland sind es schätzungsweise 500.000, und andere sind in die USA, nach Kanada oder Australien gezogen. Trotz ihrer Abwesenheit: albanische Arbeitsmigranten sind mehr als präsent.

Denn mit ihren monatlichen Überweisungen zu ihren Familien in Durrës, Tirana oder Gjirokastra heben sie den Standard eines ganzen Landes. Es ist zwar weit weniger als früher, doch im Schnitt fließen immer noch knapp 700 Millionen Euro im Jahr nach Albanien. Trotz aller Armut im Land, auch dieser Mann aus Tirana möchte die Diciotti Flüchtlinge aufnehmen.

"Ja, das sollten wir, denn uns hat man früher doch genauso empfangen, in Italien und überall anderswo. Diese Menschen verlassen ihr Land ja nicht, weil es ihnen gut geht dort, sondern aufgrund von Schwierigkeiten."

Unklar, ob Flüchtlinge in Albanien bleiben wollen

Ob die Menschen dann auch in Albanien bleiben wollen, das ist allerdings mehr als fraglich. Offiziell liegt die Arbeitslosenrate in Albanien bei knapp 13,5 Prozent. Doch laut Experten spiegelt das die Realität bei weitem nicht wider. Die Flüchtlinge der Diciotti, sie kommen in ein armes Land, in dem auch Korruption und Vetternwirtschaft ein Dauerthema sind. Dieser Albaner möchte deswegen niemanden aufnehmen.

"Unser Land ist doch gar nicht in der Lage, Flüchtlinge aufzunehmen, solange wir nicht genügend Geld haben, um die Probleme der Jugend zu lösen. Das ist meine Meinung."

Auch Pro Asyl sieht die Aufnahme der 20 Flüchtlinge in Albanien kritisch, wenn auch aus einem anderen Grund. Es sei ein Armutszeugnis der Europäischen Union, dass Flüchtlinge von einem EU-Land in einen Drittstaat gebracht würden - so die Flüchtlingsorganisation. Und italienische Juristen werfen die Frage auf, welche 20 Flüchtlinge denn nach Albanien gebracht werden sollten. Gegen deren Willen ginge das nicht.

Albaniens Hilfe habe nichts mit EU-Beitritt zu tun

Eine schwierige Gemengelage, mit der auch Albaniens Regierungschef Edi Rama umgehen muss. Das geplante Aufnehmen der 20 Flüchtlinge betrachtet der Sozialist als Geste der Menschlichkeit.

"Ich möchte betonen, dass das eine ganz natürliche Geste für uns ist, als Albaner, als Europäer, aber auch als Menschen, die wir gestern die Eritrea-Flüchtlinge von heute waren und Italien hat uns damals nicht mitten im Meer gelassen."

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