Revisited Forum neuer Musik 2012Seligpreisung

Jörg Herchets Komponieren ist nicht nur Gegenstand mystischer Versenkung und religiöser Erfahrung, sondern ebenso auch rationaler Erkenntnis. Allerdings ist dieses nicht mit Worten, sondern in Tönen ausformuliert. Sein großes Orgelstück beim Kölner Forum neuer Musik überraschte das Publikum.

Am Mikrofon: Frank Kämpfer | 26.12.2020

Ein Mann sitzt an einem Holztisch und arbeitet an einer neuen Komposition.
Jörg Herchet in seinem Arbeitszimmer in Weinböhla (Sachsen). (Susanne Roitzsch)
"Durch den Geist ist Gott in jedem Menschen gegenwärtig", sagt der Komponist und bedauert, dass er in der Kirche keine Heimat fand. Auf seinem schwierigen, von wechselnden Hindernissen gezeichneten Weg gelangte der 1943 in Dresden geborene Künstler zu musikalischen Großformen – etwa dem 1978 begonnenen, überkonventionell angelegten Kantatenzyklus "Das geistliche Jahr".
Auch sein beim Forum neuer Musik 2012 aufgeführtes 43-minütiges Werk gehört zu einem Zyklus. Es handelt sich um ein großräumiges, achtteiliges Opus für sein Lieblingsinstrument, die Orgel, das zwischen 1973 und 1985 entstand. In der DDR übrigens, die für Herchet – abgesehen von seinem Meisterstudium bei Paul Dessau – wenig Förderliches bereithielt.
Das Forum neuere Musik 2012 stand unter dem Motto "Komponieren als Dialog mit Gott". Organist Dominik Susteck und die Kölner Kirche Sankt Peter waren mit diesem Beitrag erstmals beim Forum dabei.
Jörg Herchet
"komposition 1 für orgel", Stück VIII
Dominik Susteck, Orgel
Aufnahme vom 22. April 2012 in der Kunst-Station Sankt Peter, Köln