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StartseiteVerbrauchertippDie Brille in Coronazeiten sauber halten14.05.2020

Richtige ReinigungDie Brille in Coronazeiten sauber halten

Abstand halten, Hände waschen, sonstige Hygieneregeln beachten. Das sollte für alle in Zeiten der Pandemie zum Alltagsprogramm gehören. Warum auch die Brille unbedingt viel Aufmerksamkeit verdient - und wieso Spüli besser ist als Anhauchen.

Von Stefan Michel

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Ein junger Mann putzt seine Brille mit einem Brillenputztuch (Unsplash /  Hal Gatewood)
Die Brille ist so etwas wie ein Nahverkehrsmittel für Krankheitskeime (Unsplash / Hal Gatewood)
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Die Sicht ist nicht mehr ganz klar, die Brille muss geputzt werden. Nach Altväter-Art geht das so: Die Gläser werden auf beiden Seiten angehaucht und dann mit dem Taschentuch poliert. Von dieser Methode rät Optiker Wolfgang Rödinger allerdings ab.

"Wir können Gläser verkratzen, je nachdem was für Fremdstoffe ich auf dem Brillenglas habe oder welche Fremdstoffe in dem Tuch habe im Sinne von Sandkörnern, kann ich das Glas natürlich damit verkratzen."

Über 5.000 Bakterienarten gefunden

Und noch eines kommt hinzu: Die Brille ist so etwas wie ein Nahverkehrsmittel für Krankheitskeime. Und gegen die richten das Anhauchen und Polieren mit dem Taschentuch rein gar nichts aus. Mikrobiologen der Hochschule Furtwangen haben die blinden Passagiere auf dreizehn Brillen untersucht.

Das Ergebnis: "Wir haben über 5.200 verschiedene Arten von Bakterien gefunden in 665 Gattungen. Das war also schon eine gigantische Vielfalt. Viren sind nicht mitgerechnet. Viren sind wahrscheinlich auch viele verschiedene drauf", erklärt Studienleiter Markus Egert. Brillenträger fassen sich häufig an den Nasenbügel, um die Brille zurecht zu rücken. Dort müssten sich also besonders viele Mikroorganismen finden.

"In einer vorherigen Studie hatten wir gezeigt, dass tatsächlich die Menge der Bakterien auf den Nasenpolstern am höchsten ist. Die Vielfalt, also die Verschiedenartigkeit der Bakterien, die man so findet, die ist auf den Gläsern am höchsten."

Gefahr für immungeschwächte Menschen

Auf den Gläsern sammelt der Brillenträger also an, was ihm im Laufe des Tages an Mikroorganismen begegnet. Nur der kleinere Teil der von Egerts Team entdecken Brillenbakterien sind absolut harmlos. "Da waren 80 Prozent potentiell pathogen. Das heißt: Die können Menschen schon krank machen."

Für gesunde Menschen stellt das keine Gefahr dar, aber für Immungeschwächte womöglich schon. Das gilt erst recht für Coronaviren, die wahrscheinlich ebenfalls auf der Brille mitreisen. Und ausgerechnet die Schutzmaske könnte dafür sorgen, dass sich besonders viele von ihnen auf den Gläsern ansammeln.

"Wenn ich eine Maske trage, die nicht richtig sitzt, sodass dann der Luftstrom tatsächlich hoch geht, meine Brille stärker beschlägt. Wenn ich natürlich den ganzen Tag mit der Maske rumgelaufen bin, ohne sie vielleicht zwischendurch mal zu reinigen, durchtrocken zu lassen, könnte es sein, dass auch diese Bakterien oder Keime, die meine Maske eingesammelt hat, dann wiederum auf der Brille landen, was bedeuten würde, dass ich am Abend nicht nur die Maske, sondern auch meine Brille mal reinigen sollte."

Spülmittel statt Taschentuch-Politur

Und nicht nur am Abend, sondern viele Male am Tag sollten das die Brille tragenden Mitarbeiter von Altenheimen und Kliniken tun, meint Mikrobiologe Egert. Denn es sei anzunehmen, wenn auch noch nicht untersucht, "ob nicht auch Brillen Keime von einem Patienten zum anderen mit dem klinischen Personal übertragen können. Das heißt, dass man dort auch stärker auf Brillenhygiene achten müsste, als man es vielleicht bisher gemacht hat."

Für uns alle jedenfalls gilt: Wir sollten täglich nicht nur Hände und Maske gründlich reinigen, sondern auch die Brille. Aber nicht mit Desinfektionsmittel, denn deren aggressive Inhaltsstoffe könnten Gläser und Gestell beschädigen. Sondern, so Optiker Rödinger:

"Die empfehlenswerte Methode ist mit Wasser und Spüli. Gerade wenn es um die Reinigung geht von Fetten, wenn‘s um die Viren geht, dann ist Spüli sicherlich die bessere Variante als anhauchen" - oder mit dem Taschentuch polieren. Mit Wasser und Spülmittel lassen sich immerhin 95 Prozent der Mikroorganismen auf der Brille entfernen.

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