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StartseiteVerbrauchertippAnlageberatung per Roboter10.05.2019

Robo-AdvisorAnlageberatung per Roboter

Bankberater war gestern, Roboterberater ist heute: Wer Hilfe bei der Geldanlage benötigt, kann einen sogenannten Robo-Advisor zurate ziehen. Für solche Roboterberater kommen vor allem Anleger in Frage, die mit der Börse noch nicht so viel Erfahrung haben. Aber sie haben auch ihre Tücken.

Von Brigitte Scholtes

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Ein Spielzeugroboter hält eine Kette mit einem Dollarzeichen-Anhaenger in den Händen (gestellte Szene) (dpa / Andrea Warneck)
Robo-Advisor setzten verstärkt auf Einzelaktien statt auf sogenannte Indexfonds (dpa / Andrea Warneck)
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Robo-Advisor Vermögensanlagen per Algorithmus

Hilfe bei der Geldanlage versprechen Robo-Advisor, die junge, findige Unternehmen anbieten - oft in Kooperation mit Banken. Das funktioniert so: Der Anleger füllt online einen Fragebogen aus, in dem er die Höhe der Anlagesumme, die Dauer und das Risiko angibt, das er bereit ist einzugehen. Danach rechnet der Roboter aus, wie er das Geld verteilt, in welche Produkte er das Geld investiert. Für solche Roboterberater kommen vor allem Anleger in Frage, die mit der Börse noch nicht so viel Erfahrung haben, meint Sara Zinnecker vom Verbraucherportal Finanztip:

"Wir sagen, die eignen sich für Sparer, die vielleicht selber nicht so genau wissen, wie viel Risiko sie tatsächlich tragen können, wie viel Verlust sie tragen könnten, dass sie noch ruhig schlafen könnten. Dann könnte das auch etwas sein für Anleger, die eben sagen, ich habe gar nicht so viel Zeit mich drum zu kümmern. Ich bin eher bequem, vielleicht "faul", und möchte das eigentlich wirklich abgeben, möchte jemanden, der mich an die Hand nimmt und der das einfach für mich macht, und da bin ich auch bereit, einen bestimmten Aufpreis dafür dann zu bezahlen."

Je höher die Gebühr, desto geringer die Rendite

Denn ganz kostenlos werden auch die Robo-Advisor nicht aktiv. Deshalb ist da Vorsicht geboten: Denn je höher die Gebühr, die eine solche Anlage kostet, desto geringer die Rendite, die dem Anleger zugutekommt, warnt Sara Zinnecker:

"Dieser Service kostet Geld, aber die Gebührenspanne, die reicht von einem knappen halben Prozent der Anlagesumme bis weit über ein Prozent der Anlagesumme. Wir bei Finanztipp haben alle 30 analysiert und sind zu dem Schluss gekommen, es soll nicht so viel mehr kosten, d.h. alles, was unter 1 Prozent pro Jahr ist, ist noch ok, aber grundsätzlich gilt, je günstiger umso besser."

Und da sollte auch ein Roboter für den Anleger breit diversifizieren. Das gehe am besten mit Indexfonds, die breit gestreut in viele verschiedene Aktien investieren, raten Verbraucherschützer. So groß sei der Unterschied zu einer persönlichen Beratung in der Bank eigentlich ohnehin nicht, meint Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg:

"Wenn Sie zu einer Bank gehen dort sich beraten lassen, dann hat der Berater auch eine Software, und dort trägt er dann die Anliegen des Verbrauchers ein, und dann spuckt die Software des Beraters heute schon eine Verkaufsempfehlung aus. Und das kann dann sozusagen eine sein, die im Interesse des Kunden ist, oder vielleicht auch nicht im Interesse des Kunden ist. Und so ähnlich arbeiten diese Robo-Advisor auch, nur mit dem Unterschied, dass eben kein Berater die Software bedient, sondern dass der Verbraucher die Software selbst bedient."

Portfolio wird oft umgeschichtet

Einige Programme sind auch so konstruiert, dass sie nicht in breit gemischte Fonds investieren, möglichst Indexfonds, wie Verbraucherschützer das anraten. Sie wollen vielmehr das Geld der Sparer in einzelnen Aktien anlegen, sagt Nauhauser. Und er warnt auch:

"Es gibt Robo-Advisor, die sehr oft das Portfolio umschichten. Das verursacht natürlich auch Kosten, die sind teilweise in dem Depotmodell inklusive, aber man darf auch nicht vergessen, dass so ein häufiges Umschichten ansonsten auch gar keinen Vorteil für den Anleger bringt, denn die Märkte sind ja nicht prognostizierbar. Nur: ein Robo-Advisor muss natürlich auch seine Existenz irgendwie rechtfertigen. Deswegen gibt es eben auch solche Modelle, die solche Portfolios häufig umschichten, was wir allerdings nicht empfehlen."

Ein Anleger sollte also auch einem Robo-Advisor nicht blind vertrauen, sondern den Anlageansatz kritisch hinterfragen.

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