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StartseiteKommentare und Themen der WocheBeruhigungspillen für das Volk07.08.2018

Rohani zu US-SanktionenBeruhigungspillen für das Volk

Entspannt hat der iranische Präsident Hassan Rohani auf die erneuten US-Sanktionen reagiert. Er versprach, die durch die Handelssperre auftretenden Probleme zu lösen. Offen bleibe aber, wie dies geschehen soll und ob er begriffen habe, worum es den Menschen im Iran gehe, kommentiert Karin Senz.

Von Karin Senz

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Hassan Rohani in der Hofburg im Rahmen eines Staatsbesuchs des iranischen Präsidenten in Österreich. (dpa/ picture alliance/Geisler-Fotopress)
Präsident Hassan Rohani hat sich im iranischen Staatsfernsehen zu den erneut verhängten US-Sanktionen gegen sein Land geäußert (dpa/ picture alliance/Geisler-Fotopress)
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Er ist ein Fuchs, sagen sie im Iran – Präsident Hassan Ruhani. Sonst hätte er sich wahrscheinlich auch nicht so lange gehalten. In einer Seelenruhe erklärt er gestern Abend im iranischen Staatsfernsehen, wie sein Land mit dem enormen Druck aus den USA umgehen will. Der Tonfall entspannt, fast wie der eines Märchenonkels, der einem Kind eine Geschichte erzählt. Zwischendrin blitzen die Augen des Mannes mit dem weißen Vollbart. Und wenn er von US-Präsident Trump spricht, lächelt er fast mitleidig.

Wie ein Märchen

Für viele Iraner muss es aber auch wie ein Märchen geklungen haben, was Rohani da erzählt hat. Die Führung des Landes wird die Probleme lösen, verspricht er. Das Wie bleibt er schuldig. Die USA werden ihre Sanktionen nicht durchhalten, sagt er. Warum, erklärt er nicht. Die anderen Unterzeichner des Atomabkommens halten daran fest, betont er, nach dem Motto, wer braucht schon die USA dabei. Und China und Russland würden helfen, iranisches Öl auch weiter zu verkaufen. Eine weitere Beruhigungspille fürs Volk. Die Probleme, die ausländische Unternehmen bei Geschäften mit dem Iran erwarten, spricht er nur kurz an.

Volk Irans soll zusammenhalten

Und schließlich ruft er die Iraner immer wieder dazu auf zusammenzuhalten – klingt, als wolle er die US-Sanktionen einfach aussitzen. Tatsächlich haben die Iraner, was Krisen angeht, einen langen Atem. Aber wie soll das Volk zusammenhalten, wenn es noch nicht mal die Führung in diesen Zeiten schafft.  In die, so fordert Rohani weiter, sollen die Menschen Vertrauen haben. Aber woher sollen sie das nehmen. Was sie bis jetzt unternommen hat, um die US-Sanktionen abzufedern, hat nicht funktioniert. Rohani scheint nicht wirklich mitbekommen zu haben, worum es den Menschen geht, die in diesen Tagen auf die Straße gehen. Sie demonstrieren nicht gegen den Erzfeind USA, der ihnen das alles angetan haben soll, sondern gegen das wirtschaftliche Chaos und gegen die eigene Regierung.

Rohanis Alptraum

Denn das Vertrauen ist weg. Und das kam auch nicht durch Rohanis Märchenstunde gestern zurück. Da kann er noch so ruhig und besonnen gesprochen haben. Das Gesprächsangebot von US-Präsident Trump hat er nicht komplett vom Tisch gewischt, aber Bedingungen gestellt. Die USA sollen zum alten Atomabkommen zurückkehren. Wohl kaum! Den einen oder anderen im Iran mag diese vermeintlich starke Haltung blenden. Vor allem junge Menschen sagen aber, es gibt keinen anderen Ausweg, als sich mit den USA an einen Tisch zu setzten. Mit Trumps Vorgänger Obama hat man das nie gemacht. Dabei wäre das Rohani sicher noch leichter gefallen. Trump muss für ihn ein Alptraum sein.

Aber der iranische Präsident kann sein Volk nicht so lange leiden lassen, bis der abgewählt ist. Er muss verhandeln und hoffen, dass sich der sprunghafte US-Präsident dann an ein neues Abkommen hält. Für die stolze iranische Führung eine bittere Niederlage. Aber Rohani kann dann zeigen, ob er wirklich ein Fuchs ist. Er wird aus den Verhandlungen wohl kaum als klarer Sieger rausgehen. Aber es wäre doch schon viel gewonnen, wenn es seinem Volk dadurch wieder besser geht. Das muss es ihm wert sein.

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