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StartseiteForschung aktuellAuftakt zu mehrteiliger Mars-Mission29.07.2020

Rover PerseveranceAuftakt zu mehrteiliger Mars-Mission

Fast 50 Raumsonden sind seit den 1960er-Jahren zum Mars aufgebrochen. Noch nie ist eine zurückgekehrt. Das soll sich jetzt mit dem mehrteiligen Projekt "Mars Sample Return Mission" ändern. Es soll auf dem Mars Proben entnehmen und zur Erde bringen. Den Anfang macht der Rover Perseverance.

Von Guido Meyer

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Ein Modell des Mars-Rovers "Perseverance" im Kennedy Space Center, in Florida, USA am 29. Juli 2020. (imago / Joe Marino)
Perseverance heißt "Ausdauer": Bis zu 40 Mal soll der Rover seinen Bohrer ausfahren und Proben auf dem Mars entnehmen (imago / Joe Marino)
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Zum Mars fliegen – Proben sammeln – und damit zurückfliegen zur Erde. Klingt gut – wäre aber viel zu teuer, zu kompliziert und zu unsicher. Scott Hubbard ist der ehemalige Chef des Mars-Programms der US-Raumfahrtbehörde NASA. Er lehrt heute an der Stanford University. Und er erklärt, wie es stattdessen gehen könnte:

"Zuerst starten wir einen Rover. Er wird auf dem Mars Proben nehmen. Dann geht eine weitere Sonde auf die Reise, die wir in der Mars-Umlaufbahn parken. Der dritte Bestandteil ist ein weiterer Rover. Er wird das Gesteinsmaterial einsammeln. Er deponiert es in einer kleinen Rakete. Sie startet mit den Bodenproben vom Mars in Richtung Umlaufbahn. Dort übergibt sie sie an die wartende Sonde. Diese Sonde fliegt dann mit dem Mars-Material zurück zur Erde."

Ehrgeiziges Projekt in kleinen Einzelschritten

Eine derart komplexe Mission lässt sich nur international umsetzen, schon aus Kostengründen. Aber bevor Europa ins Spiel kommt, muss erst einmal der US-Rover Perseverance den Mars erreichen. Nach seiner Landung soll er damit beginnen, an bestimmten Stellen Bodenproben einzusammeln, erklärt Jim Watzin, der heutige Chef des Mars-Explorationsprogramms der NASA.

"Wir wissen mittlerweile, wo der Mars früher bewohnbar war. Unser Rover soll genau dorthin fahren – zu einstigen hydrothermalen Quellen und zu ausgetrockneten Flussbetten. Dort wird er bohren. Denn wir wollen unbedingt Proben von unterhalb der Oberfläche bekommen."

In tieferen Schichten könnten die Überreste fossilen Lebens konserviert sein. Deswegen soll Perseverance nicht nur einmal sein Glück versuchen. Vielmehr wird er seinem Namen – "Ausdauer" – Ehre machen. Bis zu 40 Mal soll der Rover seinen Bohrer ausfahren und Proben entnehmen.

"Wenn wir die Proben haben, müssen wir sie irgendwie verstauen und aufbewahren. Wir lassen sie nicht einfach in ein Körbchen fallen. Vielmehr isolieren wir sie in kleinen Röhrchen aus Titan. Sie sind etwa so groß wie eine Zigarre. Und diese Röhrchen versiegeln wir dann."

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Warten auf den nächsten Schritt

Und dann heißt es Warten. Solange, bis die Europäer – in ein paar Jahren - ihren Rover zum Mars schicken. Das wird nur passieren, wenn der US-amerikanische Rover – und damit der erste Teil der Mars Sample Return Mission – mit seiner Sammelaktion erfolgreich war. Dann lägen die Proben auf dem Mars – als nächstes müssten sie aufgelesen werden, ergänzt Ken Williford, Projektwissenschaftler für Perseverance am kalifornischen Jet Propulsion Laboratory (JPL).

"Eine weitere Mission muss in der Nähe der Probenröhrchen landen. Diese Sonde hat dann einen kleinen Rover dabei, der alle Proben einsammeln wird."

Das mit dem Weltraumteleskop "Hubble" am 17.12.2007 aufgenommene Bild zeigt den Mars. (Nasa)Hochaufgelöste Bilder des Geländes sind wichtig für die Marsforschung (Nasa)

Ein Rover mit vielfältigen Aufgaben

Doch die Entnahme von Marsgestein wird nicht die einzige Aufgabe von Perseverance werden. Unter ihm, auf seinem Bauch, trägt der Rover noch eine ganz besondere Nutzlast zum roten Planeten: einen unbemannten Hubschrauber für den Mars. MiMi Aung hat diesen ersten Marshubschrauber beim JPL mit entwickelt – und dort auch getestet.

"Sobald Menschen den Mars erforschen werden, wird es wichtig, im voraus hochaufgelöste Bilder des Geländes zu bekommen; über viele Kilometer hinweg, bevor die Astronauten es betreten. Ein Hubschrauber kann Gesteinsformationen untersuchen, zu denen wir ansonsten keinen Zugang bekämen, wie steile Felswände oder das Innere von Vulkanen. Was Rover oder Menschen nicht schaffen, könnten künftig Helikopter übernehmen."

Verläuft der Start nach Plan, sollen Rover und Helikopter im Februar auf dem Mars landen.

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