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StartseiteUmwelt und VerbraucherRückenwind für Gegner des Castor-Transports22.11.2011

Rückenwind für Gegner des Castor-Transports

Wissenschaftsdienst des Bundestages bestärkt Zweifel an Rechtmäßigkeit

Der für das kommende Wochenende geplante Atommülltransport von Frankreich ins niedersächsische Gorleben hätte womöglich gar nicht genehmigt werden dürfen, heißt es in einer Untersuchung des Wissenschaftlichen Dienstes des Bundestages.

Von Susanne Schrammar

Transportbehälterlager in Gorleben - der nächste Castor-Transport startet voraussichtlich am 23. November.  (AP)
Transportbehälterlager in Gorleben - der nächste Castor-Transport startet voraussichtlich am 23. November. (AP)

Nach Informationen der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung heißt es in einem internen Vermerk der Gesellschaft für Reaktorsicherheit, die Messungen der Gamma-Strahlung auf dem Gelände des Transportbehälterlagers seien mit hohen Unsicherheiten verbunden. Diese würden vom niedersächsischen Umweltministerium Zitat "relativ unwissenschaftlich" behandelt. Ins gleiche Horn stößt der Wissenschaftliche Dienst des Bundestages. Die Grünen hatte dort eine Beurteilung der umstrittenen Strahlenmessungen am Zwischenlager Gorleben in Auftrag gegeben. Das Ergebnis der 23-seitigen Bewertung bestärkt die Kritik der Castor-Gegner. Stefan Wenzel, Fraktionsvorsitzender der Grünen im niedersächsischen Landtag:

"Die Auswertung der Landesregierung in Niedersachsen sei wenig überzeugend und unwissenschaftlich, so fehle etwa eine kritische Auseinandersetzung mit Unsicherheiten und Fehlergrenzen."

Der niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft und Küstenschutz hatte nach Messungen im ersten Halbjahr vor einem Überschreiten der Jahresgrenze von 0,3 Millisievert gewarnt. Das Umweltministerium hatte daraufhin im August die Physikalisch-Technische Bundesanstalt im mit neuen Messungen beauftragt. Diese Behörde war von einer höheren Hintergrund- und einer geringeren Gammastrahlung ausgegangen, sodass das Umweltministerium auch nach Eintreffen der weiteren elf Castorbehälter annimmt, dass nur eine Jahresdosis von 0,235 Millisievert erreicht wird.

Die Grünen werfen den Behörden vor, nach Bekanntwerden einer möglichen Überschreitung der Grenzwerte, Messstellen verlagert zu haben. Damit habe man die Rechtsgrundlage verlassen, heißt es. Es sei unredlich, die Spielregeln einfach zu verändern, wenn einem das Ergebnis nicht passe. so Wenzel. Das niedersächsische Umweltministerium verteidigt hingegen die neuen Messpunkte. Dadurch habe die Hintergrundstrahlung genauer bestimmt werden können, sagte Sprecherin Jutta Kremer-Heye.

"Wir haben überhaupt keinen Zweifel an unseren Messwerten. Wäre das nämlich so gewesen, hätten wir der Einlagerung ins Transportbehälterlager Gorleben nicht zustimmen dürfen."

Castorgegner fordern einen Stopp des Atommüll-Transportes, der voraussichtlich morgen Nachmittag in Frankreich startet.

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