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StartseiteKommentare und Themen der WocheDer Markt für Emissionsrechte funktioniert07.01.2020

Rückgang beim CO2-AusstoßDer Markt für Emissionsrechte funktioniert

Klimaschutz sei machbar, wenn die Anreize stimmen, meint Georg Ehring: In der EU seien die Preise für das Recht, Treibhausgase in die Luft zu blasen, kräftig gestiegen und der CO2-Ausstoß daraufhin gesunken. In Deutschland müsse die Bundesregierung beim CO2-Zertifikatehandel aber nachbessern.

Von Georg Ehring

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Eschweiler: Die Windkraftanlage vor dem Braunkohlengroßkraftwerk Weisweiler im Rheinland. (imago / Sepp Spiegl)
Vor allem Windkraft ist dafür verantwortlich, dass die CO2-Emissionen in Deutschland zurückgegangen sind (imago / Sepp Spiegl)
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Na bitte, es geht doch. In die deutsche Klimabilanz ist Bewegung gekommen und das sogar in die richtige Richtung. Der deutliche Rückgang des CO2-Ausstoßes ist eine gute Nachricht in einer Zeit, in der die Welt insgesamt bisher vergeblich auf eine Wende wartet. Die Ursache für den positiven Trend ist klar: in der Stromerzeugung gibt es einen Schwenk weg von der Kohle hin zu erneuerbaren Energiequellen wie Wind und Sonne und zum Gas.

Emissionsrechtehandel funktioniert

Die Eltern des Erfolges sitzen in Brüssel – nicht etwa in Berlin. Der Grund für die guten Zahlen liegt im europäischen Emissionshandel. Dort sind die Preise für das Recht, Treibhausgase in die Luft zu blasen, kräftig gestiegen. Stand heute kostet das Emissionsrecht für eine Tonne CO2 gut 24 Euro. Noch vor zwei Jahren lagen die Preise deutlich unter zehn Euro. Dann entschloss sich die EU endlich, solche Rechte zu verknappen. Der Markt funktioniert also: Wenn die Preissignale deutlich genug sind, drosseln die Energieversorger ihre Kohlekraftwerke, schalten um auf Gas – und erneuerbare Energiequellen können ihren Vorteil voll ausspielen.

Das lässt hoffen auch für die Bereiche, in denen die Emissionen bisher noch kaum oder überhaupt nicht sinken – und das sind die, für die die Bundesregierung in Berlin zuständig ist. Im Straßenverkehr sieht es besonders düster aus – hier sorgt der Boom durstiger SUVs mit viel PS dafür, dass sogar noch mehr Treibhausgase in die Luft geblasen werden. Und auch bei Hausheizungen gibt es kaum Fortschritte.

Ausbau erneuerbarer Energie beschleunigen

Ab dem nächsten Jahr können auch hier Preissignale wirken. Dann greift für diese Bereiche der deutschlandweite CO2-Zertifikatehandel, zunächst mit dem Festpreis von 25 Euro pro Tonne. Gut, dass die Bundesregierung hier auf Druck der Grünen noch einmal nachgebessert hat. Vor allem, wenn die Preise im Laufe der Zeit wie geplant weiter steigen, entstehen Anreize für sparsamere Autos sowie energieeffiziente Häuser und Fabriken. Vermutlich wird es aber nicht reichen, um die Klimaziele Deutschlands und der EU zu schaffen – nachbessern ist also angesagt.

Das gilt auch für die Energieversorgung. Fast die Hälfte des Stroms kommt inzwischen aus erneuerbaren Quellen. Das ist mehr als früher erwartet. Doch in 30 Jahren sollen es 100 Prozent sein. Um das zu schaffen, muss der Ausbau von Wind- und Solaranlagen noch einmal drastisch beschleunigt werden anstatt auf der Bremse zu stehen – zumal wir künftig mehr Strom brauchen werden, um damit auch Autos anzutreiben und Häuser zu heizen.

Klimaschutz ist machbar, wenn die Anreize stimmen. Die vorläufigen Zahlen, die die Denkfabrik Agora Energiewende heute veröffentlicht hat, sind Grund zur Freude – doch sie zeigen auch, wo besonders nachgebessert werden muss.

Georg Ehring  (Deutschlandradio / Bettina Fürst-Fastré)Georg Ehring (Deutschlandradio / Bettina Fürst-Fastré)Georg Ehring, Jahrgang 1959, hat in Dortmund Journalistik und Politikwissenschaften studiert, später an der Fernuniversität Hagen Volkswirtschaft. Er arbeitet beim Deutschlandfunk als Redaktionsleiter Wirtschaft und Umwelt. Berufliche Stationen zuvor waren die zentrale Wirtschaftsredaktion der Nachrichtenagentur Reuters in Bonn und zuvor in den 1980er Jahren freiberufliche Tätigkeit überwiegend für den WDR in Dortmund.

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