Kommentare und Themen der Woche 06.08.2020

Rückkehr aus RisikoländernDie Testpflicht bleibt letztlich auch nur eine IllusionVon Volker Finthammer

Beitrag hören Ein Mann in Schutzkleidung nimmt eine Speichelprobe von einer Frau im Corona-Testcenter für Reiserückkehrer am Flughafen Stuttgart  (imago / Lichtgut)An Flughäfen ist die Testpflicht vergleichsweise leicht durchzusetzen (imago / Lichtgut)

Die Testpflicht könne nicht vollständig greifen, weil man Auto- und Zugreisende nur stichprobenhaft überprüfen werde, kommentiert Volker Finthammer. COVID-19-Leugner aber würden sich jetzt in ihrer Angst vor staatlicher Bevormundung bestätigt sehen. Dies sie der Kollateralschaden der Tests.

Auch wenn sich Gesundheitsminister Jens Spahn heute eigens bemüht hat, noch einmal explizit auf die ab dem kommenden Samstag geltende Testpflicht für Reiserückkehrer aus Risikogebieten hinzuweisen, bleiben viele Fragen offen und eine Garantie, dass die Tests tatsächlich in dem gewünschten Maße stattfinden gibt es nicht.

Wir können einmal mehr nur hoffen, dass die meisten Reisenden der Vernunft folgen und sich testen lassen, wenn sie aus den entsprechenden Urlausregionen zurückkommen.

An den Flughäfen mag das alles noch überschaubar sein. Da ist klar woher die Maschine kommt, die gerade gelandet ist. Da müssen die Fluggäste auch entsprechende Ausstiegskarten ausfüllen, die dann mühsam - jetzt auch von Soldaten der Bundeswehr - registriert und an die zuständigen örtlichen Gesundheitsämter weitergeleitet werden, die für eine Nachkontrolle oder eine mögliche Infektionsverfolgung zuständig wären.

33D-Modell des Coronavirus SARS-CoV2 (imago / Rob Engelaar / Hollandse Hoogte) (imago / Rob Engelaar / Hollandse Hoogte)

Autofahrer werden kaum erfasst

Auch geschieht das noch weitgehend analog, obwohl bei den Fluggesellschaften eigentlich alle notwendigen Informationen digital vorliegen sollten, um einen weiteren Umstand zu erwähnen, der die Abwicklung erschwert.

Aber die drastisch eingebrochenen Fluggastzahlen sagen uns auch, dass da letztlich nur ein geringer Teil der Reisenden erfasst wird, der in diesen Tagen überwiegend aus dem nicht europäischen Ausland und den Risikogebieten dort zurückkehrt.

Bei Reisenden mit dem Pkw oder dem Zug sieht das gleich ganz anders aus. Die werden allenfalls stichprobenartig erfasst, obwohl auch sie aus Risikogebieten und da reicht ja heute schon Luxemburg oder die Provinz Antwerpen und Nordspanien zurückkommen.

Frank Ulrich Montgomery (Vorsitzender des Aufsichtsrates der Deutschen Apotheker- und Ärztebank eG, Präsident des Ständigen Ausschusses der Ärzte der Europäischen Union (CPME), Vorsitzender des Vorstandes des Weltärztebundes (World Medical Association, WMA) gestikuliert im Februar 2017 bei einem Interview in Berlin. (imago / Thomas Truschel) (imago / Thomas Truschel)Weltärztebund: "Wir sind in einer Dauer-Welle"
"Wir werden uns darauf einrichten müssen, dass wir auf lange Zeit mit diesem Virus leben", sagte Frank Ulrich Montgomery vom Weltärztebund im Dlf. Man könne aber dafür sorgen, dass die Gesundheitssysteme nicht überlastet werden.

Auch sie müssten sich testen lassen oder gemäß den gesetzlichen Vorgaben für zwei Wochen in Quarantäne gehen, wenn sie keinen negativen Test vorlegen können.

Nur weiß das eben keiner, außer den Betroffenen selbst. Und wenn die es nicht freiwillig tun, dann gibt es auch keinen Test.

COVID-19-Leugner werden nicht erreicht

Deshalb bleibt die Testpflicht letztlich auch nur eine Illusion, weil man ohnehin nur jene erreicht, die heute schon verantwortungsbewusst gegenüber ihren Mitmenschen durchs Leben gehen und deshalb auch an einer angemessenen Risikoabschätzung interessiert sind.

Vielleicht mag bei einigen Zweiflern eine Testpflicht mit den möglichen Bußgeldern noch das erhoffte Verhalten auslösen. Aber bei einem Großteil der COVID-19-Leugner wird das gern genutzte Bild der um sich greifenden staatlichen Bevormundung weiter abgerundet. Das ist der Kollateralschaden der Testpflicht, der die notwendige Auseinandersetzung über Vernunft und Unvernunft in der Pandemie erschwert.

Volker Finthammer (Deutschlandradio / Bettina Fürst-Fastré)Volker Finthammer (Deutschlandradio / Bettina Fürst-Fastré)Volker Finthammer, Jahrgang 1963, studierte Politik in Marburg und in Berlin. Nach der Wende erste Radioerfahrungen beim Deutschlandsender Kultur in Ostberlin. Seit 1994 beim Deutschlandradio. Redakteur im Ressort Politik und Hintergrund. Korrespondent im Hauptstadtstudio in Berlin und in Brüssel. CvD in der Chefredaktion von Deutschlandradio Kultur. Seit September 2016 wieder im Hauptstadtstudio in Berlin mit dem Schwerpunkt Wirtschafts- und Sozialpolitik.

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