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StartseiteInformationen am MorgenJunge Union spricht sich für Urwahl des Kanzlerkandidaten aus12.10.2019

Rückschlag für AKKJunge Union spricht sich für Urwahl des Kanzlerkandidaten aus

Die Junge Union hat sich auf ihrem Deutschlandtag in Saarbrücken dafür ausgesprochen, den künftigen Kanzlerkandidaten der Union in einer Urwahl zu bestimmen. Damit stellt sie sich gegen die Bundesvorsitzende ihrer Partei - Annegret Kramp-Karrenbauer lehnt dieses Verfahren ab.

Von Tonia Koch

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Delegierte jubeln beim Deutschlandtag der Jungen Union. (picture alliance / dpa / Harald Tittel)
61 Prozent der Delegierten beim "Deutschlandtag" der Jungen Union stimmten für eine Urwahl des CDU-Kanzlerkandidaten (picture alliance / dpa / Harald Tittel)
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Die Antragskommission, in der alle Bundesländer vertreten sind, hatte sich im Vorfeld gegen eine Urwahl ausgesprochen. Doch 61 Prozent der Delegierten stimmten für den Antrag. Philipp Bürkle, der Landesvorsitzende der Jungen Union in Baden-Württemberg, hat das nicht gewundert. "Es war die Stimmung im Saal, vom dem her hat mich das jetzt wenig überrascht", sagte er. 

Nicht alle waren von dieser Entscheidung begeistert, der Berliner Gregor Nägeli hatte sich beispielsweise dagegen ausgesprochen: "Also wahrscheinlich überwiegt bei mir das Argument, dass ich ein großer Anhänger der repräsentativen Demokratie bin und ich glaube, dass ein Delegiertenverfahren, das wir seit vielen Jahren praktizieren, wahrscheinlich zu einem Kandidaten führt, der mehrheitstauglicher ist." Auch der Saarländer Michael Molitor konnte sich nicht freuen: "Als Saarländer natürlich nicht, wir wissen ja, worum es geht."

Gegen den Willen der Bundesvorsitzenden

Es geht um die Saarländerin und Bundesvorsitzende der CDU, um Annegret Kramp Karrenbauer. Sie hatte sich im Vorfeld des Deutschlandtages der Jungen Union klar gegen ein Urwahlverfahren zur Bestimmung eines Kanzlerkandidaten ausgesprochen und argumentierte, dass es der CDU nicht guttue, sich zu sehr mit sich selbst zu beschäftigen und Personalfragen in den Vordergrund zu rücken. Bei anderen, wie etwa der SPD, könne man sehen, wohin das führe. Dieses Argument war in Saarbrücken oft zu hören.

Letztendlich überwog aber bei den Delegierten der Wunsch, ein Zeichen zu setzen für mehr Basisdemokratie. Die Union brauche wieder einen Aufbruch, begründete Alexander Rulitschka, der Vertreter des Kreisverbandes München Nord den entscheidenden Antrag: "Schaut euch die Umfragen an, wir stehen historisch schlecht da, einfach da zu sagen, wir machen so weiter wie bisher, wie es gute Praxis war im Hinterzimmer das auszuklügeln, das kann doch nicht die Antwort sein."

Gegenstimmen wie die des Bundesvorsitzenden der Schülerunion Finn Wandhoff verfingen nicht mehr: "Wir dürfen jetzt nicht aus einer temporären Lage heraus und der Frage, wer wird es am Ende, den unbedachten Schluss ziehen, am Ende einen Zerfalls-Zirkus à la SPD zu beginnen."

Befördert wurde die Stimmung zugunsten eines Wandels im Verfahren auch durch die kurzfristige Einladung, die der Unionsnachwuchs gegenüber Friedrich Merz ausgesprochen hatte. Dass er den Tag eröffnete, rief bei einer Reihe von Delegierten Begeisterung hervor. So bei Markus Schuster, Delegierter aus Heilbronn: "Die JU Baden-Württemberg stand damals fast einstimmig hinter Friedrich Merz und wir hoffen, dass wir damit ein starkes Signal senden können in Richtung Bundesparteitag und dass man die Stimme der Jungen Union hier nicht so ignorieren kann."

Friedrich Merz (CDU), Vizepräsident des Wirtschaftsrats, spricht beim Deutschlandtag der Jungen Union. (dpa-news / Harald Tittel)Friedrich Merz spricht beim Deutschlandtag der Jungen Union. (dpa-news / Harald Tittel)

Friedrich Merz wurde vom Unionsnachwuchs frenetisch gefeiert, nach seiner Rede gab es minutenlangen Applaus gemischt mit Freudengesängen: "Oh wie ist da schön, oh wie ist das schön, so was hat man lange nicht gesehen", sangen die Delegierten.

Merz bekräftigt Unterstützung für AKK

Merz selbst gab sich demütig, Er sicherte der amtierenden Parteivorsitzenden der CDU, Annegret Kramp Karrenbauer, die nach der bisherigen Lesart der Partei als Parteivorsitzende das Erstzugriffsrecht auf den Kanzlerkandidaten hat, seine Unterstützung zu: "Und ich habe aus wirklich fester und tiefer Überzeugung Annegret Kramp- Karrenbauer zugesagt, ihr bei dieser schwierigen Aufgabe, die sie angenommen hat am 7. Dezember in Hamburg, zu helfen und sie zu unterstützen, und zu dieser Zusage stehe ich uneingeschränkt."

Kramp-Karrenbauer fügte Merz hinzu, habe Fehler gemacht, aber das hätte auch ihm passieren können, wäre er Bundesvorsitzender der CDU geworden. Zur Frage ob Urwahl ja oder nein im Hinblick auf die Kanzlerkandidatur hielt sich Merz zurück. Ein klares Verfahren müsse es geben, war seine Empfehlung und es wird nun darauf ankommen, wie der Bundesparteitag der CDU im November in Leipzig mit dem Antrag der Jungen Union umgehen wird, ob dort Mehrheiten dafür zustande kommen. Heute werden sich die Delegierten in Saarbrücken mit dem Leitantrag zum Klima beschäftigen, darin gibt die Parteijugend ein klares Bekenntnis zu den Klimazielen von Paris ab und macht konkrete Vorschläge dazu, was zu tun ist.

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