Mittwoch, 20.02.2019
 
Seit 21:05 Uhr Querköpfe
StartseiteNachrichten vertieftGenervt vom Pokémon-Hype - Städte schreiten zunehmend ein12.08.2016

Rücksichtslose JägerGenervt vom Pokémon-Hype - Städte schreiten zunehmend ein

Das Smartphone-Spiel "Pokémon Go" ist ein internationaler Erfolg. Aber weil die Spieler auf ihrer Jagd nach virtuellen Monstern keine Grenzen kennen, schreiten vermehrt Städte ein: Düsseldorf will "Pokéstops" auf der Kö löschen lassen und in Taiwan gibt es Strafen für Verkehrsmissachtung. In Fürth sollen Friedhofswächter Pokemon-Spieler fangen.

Ein Pokémon kurz vor dem Fang - im Smartphone-Spiel "Pokémon Go". (imago stock&people)
Ein Pokémon kurz vor dem Fang - im Smartphone-Spiel "Pokémon Go". (imago stock&people)
Mehr zum Thema

Bosnien Pokémon-Hype bis an den Rand der Minenfelder

Monsterjagd im öffentlichen Raum Die ethischen Grenzen des "Pokémon Go"- Fiebers

Kritik an der App "Pokémon Go" "Es sind nicht die besten Datenschützer"

Hype um Pokemon Go Mit dem Smartphone auf Monsterjagd

Seit einem Monat ist in Deutschland eine neue Spezies der Spaziergänger unterwegs - die Pokémon-Go-Spieler. Mit der App von Nintendo, die mit Karten von Google arbeitet, können Spieler in einer Mixtur aus realer und virtueller Welt "Monster" sammeln, diese dann gegeneinander kämpfen lassen und sich so Level um Level nach oben arbeiten. Dazu müssen sie sich mit ihrem Smartphone durch die Gegend bewegen. Und das führt vielerorts zu Störungen im Regelbetrieb.

Düsseldorf: erst hofiert, dann unerwünscht

Dutzende Pokémon-Go-Spieler treffen sich jeden Tag in der Düsseldorfer Innenstadt auf einer Brücke und blockieren den Verkehr. Zu Beginn der Ferienzeit waren sie noch wohlgelitten - ihnen wurden gar Toiletten und Mülleimer zur Seite gestellt und die Brücke wurde für sie abgesperrt.

Nun, wo der Berufsverkehr bald wieder einsetzt, soll aber Schluss damit sein. Die Stadt hat beim Spielehersteller beantragt, mehrere "Pokéstops" auf der Flaniermeile Kö zu löschen. "Pokéstops" sind Orte, zu denen Spieler real gehen müssen, um unter anderem ihren für den Spielerfolg notwendigen Vorrat an virutellen Bällen aufzufüllen.

Fürth: Pokémon-Jäger stört Trauergesellschaft

Auf Würde und Pietät dringt in Mittelfranken die Fürther Friedhofsverwaltung. Auf dem Friedhof seien Spieler "wie ferngesteuert" unterwegs, wobei ein Mann bereits in eine Trauergesellschaft geraten sei, berichten die "Fürther Nachrichten". Die Friedhofswächter sollen Spieler nun zum Ausgang führen. Auch der Friedhof soll, wenn es nach der Verwaltung geht, aus dem Spiel entfernt werden. Auf die Anfrage bei Nintendo hin sei aber bislang nichts passiert. Ähnliches gilt für den Kölner Dom.

Auch die Betreiber der Gedenkstätten in Auschwitz und Hiroshima sowie des Holocaust-Mahnmals in Berlin haben sich bereits über skrupellose Pokémon-Jäger beklagt.

Taiwan: Mehr als tausend Pokémon-Strafzettel in drei Tagen

1.210 Strafzettel in den ersten drei Tagen nach Veröffentlichung der App - so lautete die Pokémon-Bilanz in Taiwan wegen Smartphone-Gebrauchs im Straßenverkehr. Die meisten Verwarnungen gingen an Rollerfahrer. Wegen der Gefahren, die vom gleichzeitigen Spielen und Fahren ausgehen, droht ihnen ein Bußgeld von umgerechnet 29 Euro, Autofahrern eines in Höhe von 86 Euro. Außerdem haben taiwanesische Behörden die Spieler gebeten, den Präsidentenpalast und das nationale Palastmuseum zu meiden.

Volkswagen: Achtung, Unfallgefahr

Nicht nur Städte greifen zu Gegenmaßnahmen: Der Autokonzern Volkswagen geht ebenfalls erste Anti-Pokémon-Schritte. Auf dem Werksgelände in Wolfsburg ist das Spiel inzwischen verboten. Einem internen Rundschreiben zufolge, das der "Bild"-Zeitung vorliegt, sorgt sich der Konzern um den Datenschutz, weil der Standort der Spieler ständig lokalisiert wird. Außerdem steige die Unfallgefahr, weil Mitarbeiter nicht aufmerksam sein könnten. Auch das Herunterladen auf Diensthandys sei nicht erlaubt.

Die Bundeswehr hatte jüngst gewarnt: Durch das Spiel könnten "die Sicherheitsinteressen unmittelbar berührt werden". In einem internen Hinweis heißt es laut "Süddeutscher Zeitung", Spione könnten das Spiel als Tarnung nutzen, um in unmittelbarer Nähe zu militärischen Liegenschaften zu filmen oder zu fotografieren.

(vic/tgs)

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk