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StartseiteKommentare und Themen der WocheEin Scheitern des Tesla-Chefs ist möglich08.08.2018

Rückzug von der BörseEin Scheitern des Tesla-Chefs ist möglich

Einmal in seiner Karriere sollte sich Elon Musk jetzt an die Regeln halten, kommentiert Silke Hahne. Der Tesla-Chef hat inzwischen bestätigt, dass er den Elektro-Autokonzern gern von der Börse nehmen würde. Für Kleinanleger stelle er damit eine Gefahr dar. Teslas Erfolg sei mitnichten garantiert.

Von Silke Hahne

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Elon Musk, Chef von Tesla und SpaceX, bei einem Raumfahrt-Kongress in Guadalajara (Mexiko) im September 2016 (dpa / picture alliance / EFE / Ulises Ruiz Basurto)
Tesla-Chef Elon Musk wirbelt die Börse auf (dpa / picture alliance / EFE / Ulises Ruiz Basurto)
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Elon Musk hält sich nicht gerne an Regeln. Das ist ein Problem für Teslas Aktionäre – und das Geheimnis seines Erfolgs. Als einer der ersten hat der gerne als Visionär titulierte Unternehmer zum Beispiel verstanden: Beim Verkauf von Elektroautos geht es nicht um Vernunft oder Verzicht – wie uns das die teils seltsam anmutenden elektrischen Modelle anderer Hersteller jahrelang suggeriert haben. Musk aber? Der baute einen Luxusschlitten, der vermittelt: Mit mir musst du auf gar nichts verzichten. Er hat Elektromobilität emotionalisiert, sie damit ein ganzes Stück nach vorne gebracht und die Granden der Autoindustrie das Fürchten gelehrt.

Musk hat damit auch sehr, sehr viel Geld an der Börse eingesammelt. Dort ist Tesla mittlerweile mehr wert als manch anderer Autobauer. Aber trotzdem passen Elon Musk auch die Regeln des Finanzmarktes nicht in den Kram. Zum Beispiel, dass es dort Anleger gibt, die von seinem Geschäftsmodell nicht überzeugt sind - und die deswegen auf den Misserfolg seines Unternehmens Wetten abschließen. Oder auch diese Regel: Dass Aktiengesellschaften alle drei Monate Geschäftszahlen vorlegen müssen - damit die Investoren wissen, woran sie sind. Nein, mit regulärer Finanzmarktkommunikation kann Elon Musk wenig anfangen. Er twittert lieber.

Sich nicht an Regeln zu halten - Erfolgsrezept und Problem zugleich

Für Kleinanleger stellt er damit eine Gefahr dar. Heute hat sich der Wert ihrer Aktien um mehr als zehn Prozent gesteigert. Morgen könnten die Gewinne wieder verpuffen. Schlimmer noch, die Aktie könnte weiter fallen, wenn sich die Probleme bei Tesla weiter häufen. So genial Musk sein mag: Seine Autos werfen keinen Gewinn ab, die Produktion stockte in den letzten Monaten gewaltig und blieb lange hinter den Versprechungen des Firmengründers zurück. Teslas Erfolg ist mitnichten garantiert. Und die anderen Autobauer holen in Sachen E-Autos und autonomes Fahren auf – ein Scheitern des Visionärs Musk ist also möglich. Kalkulierbar ist dieses Risiko aber nicht. Insofern ist die Idee, Tesla wieder zu privatisieren und so vielleicht Schaden von Anlegern abzuwenden, reizvoll.

Nicht in der von Musk angedachten Form aber: Er hofft, alle Aktionäre werden als Investoren an Bord bleiben, werden sich also nicht auszahlen lassen. Somit müsste er nämlich die Milliarden dafür nicht aufbringen. Gleichzeitig würden die Anteilseigner mit der Umwandlung ihre Mitspracherechte einbüßen. Wirklich fair ist das nicht.

Privatisieren ja, aber unter fairen Bedingungen bitte

Stattdessen sollte Musk die Investoren benennen, die für die Privatisierung Teslas angeblich bereit stehen; die Mitbestimmungsmöglichkeiten, die er Anteilseignern künftig noch anbietet; die genauen Konditionen und den Zeitpunkt, zu dem Aktionäre sich auszahlen lassen können. Kurz: Einmal in seiner Karriere als Manager eines börsennotierten Unternehmens sollte Elon Musk sich jetzt an die Regeln halten.

Silke Hahne (Deutschlandradio / Jessica Sturmberg)Silke Hahne (Deutschlandradio / Jessica Sturmberg)Silke Hahne, Jahrgang 1987, hat in Münster und Leipzig Kommunikationswissenschaft und Hörfunkjournalismus studiert, jeweils mit dem Schwerpunkt Wirtschaft/Finanzen. Sie war Freie Mitarbeiterin bei mehreren MDR-Hörfunkwellen, anschließend Volontariat beim Deutschlandradio. Sie arbeitet in der Deutschlandfunk-Redaktion "Wirtschaft und Gesellschaft".

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