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StartseiteKommentare und Themen der WocheVerlust einer Draghi-Gegnerin26.09.2019

Rückzug von Sabine LautenschlägerVerlust einer Draghi-Gegnerin

Die Niedrigzinspolitik der EZB wird auch unter der künftigen Chefin Christine Lagarde fortgesetzt, soviel ist bereits vor ihrem Amtsantritt klar, meint Klemens Kindermann. Die Zentralbank hat nun mit dem Rückzug von Sabine Lautenschläger aus dem Direktorium eine Fürsprecherin der Sparer verloren.

Von Klemens Kindermann

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Ein riesiges Euro-Symbol am Willy-Brandt-Platz in Frankfurt am Main (Imago/Jan Huebner)
Die Wahrung der Preisstabilität im Euro-Raum wird durch Nullzinspolitik gefährdert, meint Klemens Kindermann (Imago/Jan Huebner)
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Die deutschen Sparer haben ihre vielleicht wichtigste Verbündete im Kampf gegen das Niedrigzins-Monster verloren: Sabine Lautenschläger. Im Direktorium der Europäischen Zentralbank, dem eigentlichen Machtzentrum der Notenbank, verkörperte sie den Gegenpol zu Mario Draghi, dem Erfinder des nimmer enden wollenden Zinstales.

Draghi interessieren die Deutschen und ihre große Spartradition herzlich wenig. Die Wirtschaft im Euroraum will er retten, koste es, was es wolle. Doch was in Hoch-Zeiten der Eurokrise richtig war, nämlich die Wetten auf den einstürzenden Euro zu unterbinden, das war zuletzt falsch: die EZB hat den Zeitpunkt verpasst, bei den Zinsen wieder gegenzusteuern.

Stattdessen soll die neue Konjunktureintrübung im Euroraum jetzt wieder mit mehr Geld bekämpft werden. Eine fragwürdige Operation, deren Wirksamkeit unsicher ist. Sabine Lautenschläger stand für die Gegenhaltung, für den Blick auf die Zeit danach. Wie soll ein stabiler Aufschwung gelingen, wenn der Geldmarkt ohne Not verzerrt wird? Es kann nicht nur darum gehen, Konjunkturspritzen zu geben, sondern der eigentliche Auftrag der EZB ist die Sicherung der Preisstabilität, was aktuell nicht gelingt. Diese Einsicht droht nun, nach dem Abgang Lautenschlägers, noch mehr in den Hintergrund zu treten.

Es betrifft die Sparer

Dass das Ganze keine akademische geldpolitische Diskussion ist, sehen viele Bankkunden bereits an ertraglosen Konten, hohen Gebühren und fehlenden Möglichkeiten des risikoarmen Sparens für das Alter. Gerade heute hat die größte bayerische Sparkasse, die Münchner, angekündigt, 28.000 Prämiensparverträge zu kündigen und das ausdrücklich mit der Nullzinspolitik der EZB begründet.

An der Bundesregierung ist es, so schnell wie möglich eine Nachfolge für Lautenschläger zu präsentieren, um die deutsche Position im sechsköpfigen EZB-Direktorium zu vertreten. Denn die Koordinaten bleiben gleich: auch die neue EZB-Präsidentin Christine Lagarde will die Politik der schlaffen Geldzügel fortsetzen. Gegen das gefräßige Niedrigzins-Monster, das sich an den Spareinlagen gütlich tut, wird eine neue Kämpferin gebraucht.

Klemens Kindermann (Deutschlandradio / Bettina Fürst-Fastré)Klemens Kindermann (Deutschlandradio / Bettina Fürst-Fastré)Klemens Kindermann ist seit 2009 Abteilungsleiter Wirtschaft und Gesellschaft beim Deutschlandfunk. Von 1991 bis 1997 war er Redakteur und Korrespondent der Deutsche Presse-Agentur (dpa). Danach wechselte er 1997 zur Wirtschafts- und Finanzzeitung "Handelsblatt", wo er als Fachredakteur, Desk-Chef im neu geschaffenen Newsroom und ab 2004 als stellvertretender Ressortleiter Wirtschaft & Politik tätig war.

 

 

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