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StartseiteSport am WochenendeSix-Nations-Turnier und deutsche Probleme17.03.2018

RugbySix-Nations-Turnier und deutsche Probleme

Beim Rugby lief heute aus europäischer Sicht das Spiel des Jahres. England gegen Irland beim Six-Nations-Turnier – sozusagen der jährlichen Europameisterschaft der sechs stärksten europäischen Rugbynationen. In Deutschland hingegen tut sich die Sportart eher schwer.

Sebastian Trepper im Gespräch mit Astrid Rawohl

Irlands Jacob Stockdale streckt sich zum geglückten Versuch beim Six Nations-Sieg gegen England in Twickenham. ( Charlie Forgham-Bailey/Sportimage/imago)
Irlands Jacob Stockdale streckt sich zum geglückten Versuch gegen England ( Charlie Forgham-Bailey/Sportimage/imago)
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Am Saint Patricks Day war natürlich ordentlich was los, vor allem bei den Iren. Und auch das Spiel lief gut für Irland - 24:15 der Endstand. England machte zu Beginn großen Druck. Aber die Iren spielten clever. Ein dummes Foul der Engländer und Irland legte den ersten Versuch, erzielte die ersten Punkte.

Zur Halbzeit war Irland schon klar vorne und vereidigte in der zweiten Hälfte dann konsequent. Die irischen Fans waren hochzufrieden.

Großes Interesse, obwohl das Turnier entschieden war

Bei den Six Nations können vor allem die Home Nations, also die britischen Mannschaften Wales, Schottland, England und Irland deutlich mehr als nur den Turniersieg holen.

Im Rugby gibt es wirklich nur ein Irland. Der irische Rugbyverband hat sich bei der Spaltung des Landes in Norden und Republik nicht gespalten. Deshalb kann im Rugby auch wirklich ein geeintes Irland spielen.

Aber das ist nicht die einzige Besonderheit. Schlägt eine britische Mannschaft alle anderen drei, dann hat sie die Triple Crown gewonnen. Das stand für Irland heute auf dem Spiel und noch ein bisschen größer: Der Grand Slam. Der Sieg gegen alle Gegner. Den am Saint Patricks Day zu holen ist natürlich perfekt für Irland.

Viele Möglichkeiten für Heldentaten 

Rugby ist einerseits wahnsinnig hart. Andererseits hören die teilweise furchterregenden, kraftstrotzenden Spieler auf den Schiedsrichter. Rumgemeckere, Schwalben und ähnliches gibt es beim Rugby eigentlich nicht. Und der Videobeweis funktioniert auch.

Also: Obwohl Rugby und Fußball geschichtlich das selbe waren, gibt es da eine klare Abgrenzung die vielen sehr gut gefällt. Unter anderem, weil Fairness im Rugby eine große Rolle spielt.

Spielfluss, Dynamik, Härte

Rein vermarktungstechnisch hatte Rugby auch das Glück, dass in Großbritannien der Amateurfußball durch ein Sendeverbot der Profis am Samstagnachmittag geschützt ist. Während dieser Blackout-Zeit kann man aber prima Rugby im Fernsehen zeigen.

Und es ist ein sehr schön anzusehender Sport: Es gibt einen Spielfluss, das Spiel ist im besten Fall unglaublich dynamisch. Und wenn man nicht selbst der Leidtragende ist, macht es natürlich auch Spaß zuzusehen, wenn sich Menschen gegenseitig über den Haufen rennen.

Situation in Deutschland schwierig.

Für deutsche Spieler und Mannschaften sieht es eher düster aus. Im Rugby Union, der weltweit populärsten Variante mit 15 Spielern pro Mannschaft spielt Deutschland eine Liga tiefer als die Six Nations - bei der Europe Championship, wo man sich auch für die Weltmeisterschaft qualifizieren kann. Aber in diesem Jahr hat es in vier Spielen bisher vier krachende Niederlagen gegeben. Morgen steht noch ein Spiel gegen Russland in Köln an. Auch da stehen die Chancen schlecht, aber Deutschland steht eh schon als Tabellenletzter fest und muss im Mai in der Relegation gegen den Abstieg spielen.

Das große Ziel, bei der Weltmeisterschaft dabei zu sein, ist auf Sicht utopisch

Dann gibt es noch Siebener-Rugby, die Variante, die olympisch ist. Darüber können Nationalspieler dann auch zum Beispiel als Sportsoldaten gefördert werden. Aber um da wirklich Aufmerksamkeit zu erreichen, müsste die Mannschaft zu den Spielen, und das ist bei nur 12 Startplätzen extrem schwer. Und kann eigentlich ohnehin nur die Startrampe sein, weil international 15-er-Rugby und die WM das sind, worauf es ankommt.

Zoff im Verband

Der Deutsche Rugby-Verband hat über Jahre mit Hans-Peter Wild zusammengearbeitet, dem Inhaber von Capri-Sonne. Der hat eine Akademie gegründet und wollte Rugby in Deutschland groß machen. Aber er wirft dem Verband mittlerweile vor, dass er die Professionalisierung der Spieler nicht vorantreibt und finanziell nicht transparent arbeitet. Der Verband wiederum spricht von Führungsmangel bei der Akademie.

Da geht’s eher gegen- als miteinander. Nach einer deutschen Beteiligung im Topbereich beim Rugby sieht es aktuell also nicht aus.

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