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StartseiteVerbrauchertippWenn Lärm an den Nerven zerrt30.04.2020

RuhezeitenWenn Lärm an den Nerven zerrt

Wenn mehr Menschen zu Hause bleiben, dann wird es dort auch lauter. Es wird gearbeitet, gekocht, musiziert und wohl auch mehr gestritten. Wie laut darf es sein, und was kann man tun, wenn der Lärm der Nachbarn überhand nimmt?

Von Margret Bielenberg

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Eine Frau sitzt am mit Schallschutzkopfhörern genervt auf einer Couch (picture alliance / dpa / Kai Remmers)
Wer sich gestört fühlt, sollte immer erst das Gespräch mit den Nachbarn suchen (picture alliance / dpa / Kai Remmers)
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Nico Schmidke und seine Frau arbeiten im Homeoffice, auch die beiden Kinder sind digital unterwegs und haben Schule übers Netz. Sicherlich sei es tagsüber etwas lauter als üblich, sagt der Familienvater. Doch in der direkten Nachbarschaft nehme man Rücksicht aufeinander. Das sei allerdings nicht überall so:

"Lustigerweise gab es schon einen Polizeieinsatz in der Nachbarschaft. Ein wenig weiter weg, aber natürlich nicht zu übersehen. Offensichtlich ging es um zu laute Musik und offene Fenster, sodass die Nachbarn sich von einem Balkon zum anderen gestört fühlten."

Musikinstrumente üben? Ja, aber mit Maß.

In diesen Zeiten sollte jeder Rücksicht nehmen, meint Dr. Rolf Bosse vom Mieterverein zu Hamburg. Wer zum Beispiel selbst Musik macht und Klavier oder Trompete spielt, darf zu Hause üben, muss sich aber auch an Regeln halten.

"Je lauter das Instrument, desto größer auch hier die Rücksichtnahmepflicht. Da würde ich sagen: Wenn man ein bis zwei Stunden täglich ein Klavier oder eine Trompete spielt, dann dürfte das in Ordnung sein. Es ist natürlich wichtig, dass die Ruhezeiten eingehalten werden. Also nicht vor sieben Uhr, am liebsten nicht vor neun Uhr, denke ich, und auch nicht zwischen 13 Uhr und 15 Uhr und auch am besten nicht nach 18 Uhr abends."

Wer sich gestört fühlt, sollte immer erst das Gespräch mit den Nachbarn suchen. Nützt das nichts und es handelt sich wirklich um ruhestörenden Lärm, dann kann man die Polizei rufen, sagt Rolf Bosse:

"Dann sollte man sich auch ein Aktenzeichen geben lassen für jeden Vorfall, der ansteht. Dann sollte man seine Nachbarn oder andere Personen als Zeugen dazu holen und man sollte auch den Vermieter darüber informieren. Denn das handelt sich um Ruhestörung, um einen Mangel an der Mietsache, den der Vermieter auch zu beseitigen hat."

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Hundegebell und Kindergeschrei

Ruhestörung kann auch stundenlanges Hundegebell sein. Bellt ein Hund hin und wieder für zehn Minuten, müsse man das hinnehmen. Kinder dürfen sich entsprechend ihrem Alter und ihrer Entwicklung laut äußern. Wenn Babys nachts schreien und sich nicht beruhigen lassen, müsse man das als Nachbar akzeptieren.

Hört man dagegen laute Heizungsgeräusche aus der Nachbarwohnung und kann deshalb nicht schlafen, muss der Vermieter den Mangel beseitigen lassen. Beklagt ein Mieter zum Beispiel Schrittgeräusche aus der Nachbarwohnung, dann muss der Nachbar seinen Parkettboden nicht zwangsläufig mit Teppich auslegen, wenn er die Wohnung mit diesem Parkettboden angemietet hat. Schallschutz zwischen Wohnungen ist eine Frage des Baualters, sagt Rolf Bosse:

"Am schlechtesten sind die Baujahre zwischen 1948 und 1970. Wer in so ein Haus zieht, hat aber immer noch Anspruch auf den Schallschutz des Baualters und ob der dann eingehalten ist, muss im schlimmsten Fall gutachterlich überprüft werden."

Ruhestörung kann Kündigungsgrund sein

Hält sich ein Mieter wiederholt nicht an die Hausordnung und ist er weiterhin zu laut, dann könne ihm gegebenenfalls auch gekündigt werden.

"Solange wie der Lärm andauert, kann der betroffene Mieter dann auch die Miete mindern. Ich hoffe, dass so ein Fall die Ausnahme ist und dass man mit gegenseitiger Rücksichtnahme diese Zeit, in der ganz viele Leute zu Hause sind, gut überstehen kann."

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