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StartseiteCampus & KarriereRuhr 2010 schafft Wissen01.12.2009

Ruhr 2010 schafft Wissen

Forschung und Wissenschaft in der Kulturhauptstadt

In gut vier Wochen ist das Ruhrgebiet Kulturhauptstadt Europas. Mit dabei: die vier Universitäten, fünf Fachhochschulen und jede Menge außeruniversitäre Forschungseinrichtungen an der Ruhr. Von der Sommerakademie bis zur langen Wissenschaftsnacht - es gibt viel zu entdecken im Pott.

Von Andrea Groß

Logo der Kulturhauptstadt 2010. (RUHR.2010)
Logo der Kulturhauptstadt 2010. (RUHR.2010)

An den Hochschulen im Ruhrgebiet hat das Kulturhauptstadtjahr 2010 längst angefangen. 40 wissenschaftliche Arbeiten gibt es bereits. Zum Beispiel über Kommunikation und Kulturmanagement von Großveranstaltungen im Revier. In der kommenden Woche beginnt die erste Ringvorlesung des Wissenschaftsforums Ruhr, einer Allianz aller außeruniversitären Forschungseinrichtungen.

Wer sich auf die Internetseite der wissenschaftlichen Abteilung der Ruhr 2010 wagt, der wird von der Fülle der Angebote und Veranstaltungen schier erschlagen. Masse statt Klasse, könnte man nun denken, in Wirklichkeit gehört es aber zum Programm dieser besonderen Kulturhauptstadt, möglichst alle und jeden einzubinden.

Klaus-Peter Busse ist Rektoratsbeauftragter für die Kulturhauptstadt der TU Dortmund. Er stellt den Star der wissenschaftlichen Veranstaltungen vor: eine Sommerakademie, an der alle Einrichtungen sich beteiligen, um mit 100 Studierenden und Künstlern über das Thema "Das Ruhrgebiet in Europa" zu reden.

"Auf interdisziplinäre Art und Weise in der Hinsicht, dass Disziplinen zusammensitzen und an einem Thema arbeiten, die eigentlich nichts miteinander zu tun haben. Also zum Beispiel Kunstgeschichte und Medizin, Arbeitsmedizin, Raumplanung und so weiter. Das verspricht ein sehr interessantes Projekt zu werden."

Eine weitere gemeinsame Veranstaltung – zumindest der Hochschulen – ist das Konzert der Chöre im Juni. Es gibt aber auch eine Fülle von Angeboten der einzelnen Institutionen. Die Universität Duisburg-Essen beispielsweise plant eine lange Wissenschaftsnacht. Dabei werden die Labore geöffnet, Forschungsprojekte vorgestellt und per Videokonferenz zu internationalen Partnerhochschulen geschaltet. An der Uni Dortmund hat ein Forschungsprojekt begonnen über die Teilhabe von behinderten Menschen an Kultur. Auf der Seite der Akteure und der Rezipienten.

Die Universität Dortmund stellt ihren Enthusiasmus für die Kulturhauptstadt von allen Hochschulen im Ruhrgebiet am stärksten heraus: direkt auf der Startseite im Internet gibt es einen Link zu den Veranstaltungen, Projekten und Publikationen der Hochschule zum Thema Kultur 2010. Klaus-Peter Busse erklärt, dass das mehr ist, als eine gute Öffentlichkeitsarbeit.

"Das ist zunächst eine richtige Idee unserer Rektorin gewesen, die sehr frühzeitig erkannt hat, wie wichtig das Projekt Ruhr 2010 für den regionalen Standort Dortmund ist. Vielleicht auch, weil die Universität eigentlich Technische Universität heißt, einfach deutlich zu machen, dass es eben einen ganz, ganz großen Stellenwert im kulturellen Bereich gibt, sowohl im Forschungsbereich als auch in allen anderen Projekten und das ist tatsächlich so."

Die Folkwang-Hochschule in Essen ist die älteste Hochschule im Ruhrgebiet. Hier ist Hochkultur das Alltagsgeschäft. Praktisch jeden Tag finden öffentliche Aufführungen von Gesang, Schauspiel, Musik und Tanz statt. Trotzdem wird es, so der Musikwissenschaftler Andreas Jacob, im Kulturhauptstadtjahr einige ganz besondere Dinge geben.

"Einerseits wollten wir ein bisschen abweichend, sozusagen als Kontrapunkt zum Konzept des Kulturhauptstadtjahres die Beginne abendländischer Musik vorführen, die auch gerade mit dem Raum Essen-Werden, wo wir ja hier sind, zu tun haben. Sprich in diesem Fall die Musica enchiriades, eine Schrift, von vor 1000, bei der man davon ausgeht, dass sie hier zumindest kopiert worden sei, denn Essen hatte eine bekannte Schreibstube."

Die Musica enchiriades sind ein Regelwerk für mehrstimmige Chorgesänge, besonders für solche liturgischer Art. In mehreren Aufführungen, unter anderem Monteverdis Marienvesper, stellt die Schola der Folkwang Hochschule die Beziehung zwischen Musik und dem uralten Regelwerk her. Folkwang-Schüler nehmen in der Regel ständig an internationalen Festivals und Wettbewerben teilnehmen. Im Kulturhauptstadtjahr wird die Folkwang-Hochschule Ausrichterin eines internationalen Treffens aller Ausbildungsinstitutionen für Tänzer sein. Das ist dann doch etwas Besonderes.

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