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StartseiteCampus & Karriere"Förderturm der Ideen" für den Klimaschutz05.07.2019

Ruhrgebiet"Förderturm der Ideen" für den Klimaschutz

Müllfreie Plätze, smarte Laternen, umweltfreundlicher Strom für E-Bikes: Schüler im Ruhrgebiet entwickeln Ideen, wie ihre Heimat schöner und klimafreundlicher werden kann. Das Projekt verändert nicht nur die Städte - sondern auch die Schüler selbst.

Von Kai Rüsberg

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Die Gewinner des Schülerwettbewebs bei der Siegerehrung (RAG-Stiftung / Mark Ansorg)
Schulwettbewerb "Förderturm der Ideen" (RAG-Stiftung / Mark Ansorg)
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Wir wollen etwas verändern, der Umwelt zuliebe - das war die Ursprungsidee der Schüler der neunten Jahrgangsstufe am Lessing-Gymnasium im Bochumer Stadtteil Langendreer. Solveig Wilde und Nico Fischer:

"Wir haben uns einfach überlegt, dass es in Langendreer eigentlich nicht so viele Grünflächen gibt. Wir haben uns dann überlegt, dass es schön wäre, wenn man das einfach mal begrünen würde und vielleicht auch noch ein bisschen weiter geht, Blumenkästen aufstellt und Mülleimer."

"Und Ziel des Ganzen ist, dass ein besserer Platz geschaffen wird, der einfach zum Verweilen einlädt, dass man nicht nur durchläuft, sondern verweilen kann."

Stadtplanerisches Engagement

Mit einer kleinen Arbeitsgruppe haben sie zunächst den Stadtteil erkundet, Probleme identifiziert und dann Lösungsvorschläge entwickelt, an welcher Stelle was verändert werden sollte. Ihre Lehrerin Anna Köster, die das Projekt angestoßen hatte, ist ganz begeistert von der stadtplanerischen Arbeit der 15-jährigen Schüler:

"Das zeigt ja auch, dass man ein Interesse daran hat, hier mitzuwirken. Letztlich ist auch das Teil einer nachhaltigen Stadtentwicklung, dass die Bürger mitbestimmen, was da gemacht wird und im Grunde haben sie genau das gemacht."

Und auch in die Details haben sich die Schüler reingedacht. Nico war es wichtig, dass die Passanten auch verstehen, warum sie keinen Müll in die Büsche werfen sollen:

"Wir haben Schilder designt, wo drauf steht, wie lange es dauert, bis der jeweilige Müll verrottet, das heißt, dass wir die Jahre da drunter geschrieben haben, zum Beispiel bei Plastikdosen, die wir da häufig gefunden haben, dass die etwa 200 Jahre brauchen, bis sie verrotten, wenn keiner die wegräumt."

Preisgeld wird direkt für Umsetzung verwendet 

Mit diesem Konzept hat das Lessing-Gymnasium einen ersten Preis beim Wettbewerb "Förderturm der Ideen" der RAG-Stiftung gewonnen. Das Preisgeld geht nicht an die Schule, sondern wird dazu verwendet die Ideen auch tatsächlich umzusetzen. Solveig Wilde war deshalb mit ihrer Gruppe auch mit den Behörden der Stadt Bochum in Kontakt:

"Also wir hatten auch einen Termin beim Grünflächenamt, um uns schon mal so ein bisschen darüber zu informieren. Am Anfang glaube ich, dass das schon so war, dass die gesagt haben: O je, jetzt kommen Schüler, wird ein bisschen stressig, jetzt müssen wir das auch noch regeln. Aber als wir dann die 50.000 Euro ins Spiel gebracht haben, da war das schon wieder ein anderes Thema."

Das Theodor-Heuss-Gymnasium in Waltrop am nördlichen Rand des Ruhrgebiets kam mit der Idee einer Abstellmöglich­keit für E-Bikes in die Endauswahl. Der 16-jährige Niklas Harz ist zufrieden:

"Ja, ist motiviert insofern, dass wir halt unter zahlreichen Ideen ausgewählt wurden, und es schimmert eigentlich durch, dass unsere Idee eigentlich die beste Idee war."

E-Bikes sicher abstellen und aufladen

Diese Gruppe will ein konkretes Problem lösen: Ein beliebtes Ausflugsziel in Waltrop soll einen sicheren Abstellplatz für Fahrräder erhalten, mit Steckdosen zum Aufladen von E-Bikes - so beschreibt Colin Hess die Idee:

"Und gerade sind viele mit dem Fahrrad dahin gefahren, aber da gibt's keine Abstellmöglichkeiten für diese. Und da haben wir die Idee gehabt, weil gleichzeitig gerade E-Bikes immer bekannter und immer populärer werden, dies damit zu verbinden, dass die da auch geladen werden können."

Geplant ist quasi eine Garage für E-Bikes. Der Strom wird umweltfreundlich auf dem Dach erzeugt. Niklas Harz erkennt dabei einen Zusammenhang zum Schulunterricht:

"Das hängt insofern mit Physik, vielleicht noch Erdkunde wegen der Klimaerwärmung zusammen. Denn wir wollen ja auch Solaranlagen auf den Abstellplätzen für die E-Bikes beziehungesweise Fahrräder installieren und diese dann mit erneuerbarer Energie betreiben."

Smarte Laternen mit Panik-Knopf

Viele der beim "Förderturm der Ideen" geförderten Projekte haben den Klimaschutz im Fokus. So auch das der 12. Klasse des Mädchengymnasiums in Essen-Borbeck. Sie will sich um den Schlosspark nahe der Schule kümmern. In den Abendstunden sollen auf dem bislang nur wenig beleuchteten Gelände sogenannte "smarte Laternen" für solar gespeistes Licht sorgen. Alle Anlagen sind zusätzlich mit einem Panikknopf ausgestattet und sollen das Sicherheitsgefühl verbessern.

Eigene Ideen verändern die Welt – das ist das Motto aller Schülerprojekte im Ruhrgebiet.

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