Montag, 17.12.2018
 
Seit 21:05 Uhr Musik-Panorama
StartseiteUmwelt und VerbraucherRumänien ist stolz auf designierten EU-Agrarkommissar15.01.2010

Rumänien ist stolz auf designierten EU-Agrarkommissar

Porträt von Dacian Ciolos

Erstmals in der Geschichte der Europäischen Union ist ein Rumäne für den Posten eines EU-Kommissars nominiert worden: Dacian Ciolos aus Siebenbürgen. Für den parteilosen Ciolos ist die Agrarpolitik kein unbestelltes Feld. Von Oktober 2007 bis Dezember 2008 war er nämlich rumänischer Agrarminister.

Von Thomas Wagner

Landwirtschaft spielt in Rumänien eine wichtige Rolle (AP)
Landwirtschaft spielt in Rumänien eine wichtige Rolle (AP)
  • E-Mail
  • Teilen
  • Tweet
  • Drucken
  • Podcast

"Also ich glaube erstens, dass ein großer Erfolg ist für Rumänien überhaupt, ein solches Ressort zu bekommen, aber auch eine große Verantwortung."
Ovideo Gant ist Mitglied im rumänischen Abgeordnetenhaus. Im Bukarester Parlament vertritt er die Minderheit der Rumäniendeutschen und spricht aus, was parteiübergreifend viele in seinem Land denken: Für den EU-Neuling Rumänien kommt es einer enormen Stärkung des politischen Selbstwertgefühls gleich, wenn einer der ihren zukünftig als EU-Kommissar tätig wird.

Dacian Ciolos scheint dafür die ideale Besetzung: Sein Agrarstudium schloss er an der angesehenen rumänischen Universität Cluj-Napoca ab. Danach folgte ein Aufbaustudium in Frankreich, das er in Montpellier mit einer Promotion abschloss. Obwohl er im Oktober 2007 bis 2008 das Amt des rumänischen Agrarministers bekleidete, blieb Dacian Ciolos bis heute parteilos – bei der verfahrenen und zerstrittenen innenpolitischen Situation in Rumänien ist das eine wichtige Voraussetzung für das hohe Amt eines EU-Kommissars.

"Das ist ein, wie wir sagen, Technokrat, also ein gut ausgebildeter Fachmann, der sich nicht von parteipolitischen Interessen leiten lässt."

Sagt Professor Alexandru Moisuc, Rektor der Agrarhochschule im westrumänischen Temeswar. Der "Fachmann" Dacian Ciolos hat sich jedenfalls in seiner kurzen Zeit als Agrarminister einiges an Ansehen erarbeitet:

"Er hat eine gute Figur gemacht in Bukarest als Agrarminister. Rumänien stand damals, als er designiert wurde, kurz vor Sanktionen seitens der EU bezüglich der nicht richtigen Auszahlung dieser Direktzahlungen durch die EU. Ciolos hat es geschafft, dieses Land vor Sanktionen zu bewahren, indem er eine sehr gute technische Maßnahmen getroffen hat, damit das funktioniert. Also ich habe eine sehr gute Meinung von dem rumänischen Kandidaten."

Sagt der rumänische Parlamentsabgeordneter Ovideo Gant. Als Agrarminister hatte Dacian Ciolos bereits während seiner Amtszeit viel mit den europäischen Institutionen zu tun. Doch damit nicht genug: Bereits 2002 und 2003 arbeitete er bei jener Delegation, die die EU nach Rumänien entsandt hatte, als so genannter Task-Manager für Landwirtschaft und ländliche Entwicklung. Wegen seines Studiums in Frankreich und wegen seiner französischen Ehefrau spötteln Kritiker in Rumänien bereits, mit Dacian Ciolos bekomme Frankreich und nicht Rumänien einen zusätzlichen EU-Kommissar. Das hängt auch damit zusammen, dass Dacian Ciolos mit Sicherheit keine rumänischen Partikularinteressen als EU-Kommissar vertreten wird.

Das zeigt sich beispielsweise beim Thema Gentechnik in der Landwirtschaft. Vor dem EU-Beitritt wurden in Rumänien nach Herzenslust gentechnisch veränderte Nutzpflanzen angebaut, vorzugsweise von dem US-amerikanischen Agrarkonzern Monsanto. Dass es damit mit dem EU-Beitritt ein Ende hatte, wurde in Rumänien zunächst nur zähneknirschend akzeptiert. Ovideo Gant:

"Ich glaube, der neue EU-Agrarkommissar und eben nicht der rumänische Agrarkommissar wird die Linie der EU befolgen. Ganz persönlich meine ich, die Linie der EU ist hier die richtige und nicht die Geschichte mit diesen genmodifizierten Pflanzen. Die Einschränkungen und die Linien der EU sind ja vorgegeben. Ich glaube, er wird nicht eine Linie der genmodifizierten Pflanzen verfolgen."

Außerdem gehen die Fachleute in Rumänien davon aus, dass Dacian Ciolos ein Freund der Biolandwirtschaft ist und darin gerade auch eine Zukunft für die Landwirtschaft in den osteuropäischen Mitgliedsstaaten sieht. Professor Alexandru Mosiuc, Direktor der Agraruniversität Temeswar:

"Nehmen wir den Westen Rumäniens als Beispiel: Da eignen sich die Strukturen hervorragend für den Ökolandbau. Und das weiß der designierte EU-Agrarkommissar natürlich auch. Denn hier verfügen wir über traditionell sehr gute Böden. Und ohne groß düngen zu müssen, können wir hier locker 2500 Kilogramm Weizen pro Hektar ernten."

Der rumänische Abgeordnete Ovideo Gant glaubt gar, dass gerade ein EU-Agrarkommissar aus Rumänien ein besonderes Faible für den Ökolandbau entwickeln müsste.

"Da er aus Rumänien kommt, wird er sehr auf Bioproduktion eingestellt sein, weil ja Rumänien in einem sehr großen Ausmaß Bioprodukte liefert aus einem ganz einfachen Grund: Die Mittel für die Bauern sind sehr beschränkt, wenn es um Düngemittel geht. Sie haben einfach nicht die finanziellen Mittel. Und dementsprechend ist die gesamte Produktion nicht von solchen Chemikalien unterstützt. Auch in Rumänien ist im Übrigen eine Kultur für Biolebensmittel entstanden. Fazit: Ciolos wird aus meiner Sicht sehr für Bio sein."

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk