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StartseiteKommentare und Themen der WocheEin klarer Sieg für Moskau20.09.2018

RUSADA wieder "regelkonform"Ein klarer Sieg für Moskau

Die WADA erkennt die russische Anti-Doping-Agentur wieder an. Obwohl Russland das systematische Staatsdoping nicht aufgearbeitet hat. Damit setzt die Institution ihre Glaubwürdigkeit aufs Spiel, kommentiert Victoria Reith. Denn der Vorgang rieche nach einem Deal unter Freunden.

Von Victoria Reith

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Eine Doping-Kontrollstation am Biathlon-Center in Krasnaja Poljana während der Olympischen Spiele von Sotschi. (picture alliance / dpa - Hendrik Schmidt)
Die WADA erkennt die RUSADA wieder als "regelkonform" an (picture alliance / dpa - Hendrik Schmidt)
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Es scheint dieser Tage en vogue zu sein, dass man auch noch belohnt wird, wenn man sich nach Fehltritten besonders uneinsichtig zeigt. Es geht in diesem Fall um den Dauersünder im Weltsport, Russland, auf der einen Seite, und die Hüterin des sauberen Sports, die Welt-Anti-Doping-Agentur WADA, auf der anderen.

Nachdem die WADA die RUSADA vor drei Jahren wegen der systematischen Dopingvergehen verbannt hatte, verhängte sie für eine Rückkehr harte Kriterien: Die besagten zum einen, dass Russland den Report des Ermittlers Richard McLaren voll anerkennt, der staatlich gelenktes systematisches Doping in Russland belegt. Zum anderen sollte den Doping-Ermittlern ein vollumfänglicher Zugang zum Moskauer Dopinglabor inklusive Daten und Dopingproben gewährt werden.

Doch jetzt ließ sich die WADA auf einen wachsweichen Kompromiss ein, den sie wohl im Vorfeld mit dem russischen Sportministerium ausgehandelt hat. Demnach gibt Russland zu, dass es mit Doping zwar so seine Probleme habe, muss aber den McLaren Report mit all seinen Fakten und Belegen zum Staatsdoping nicht explizit anerkennen. Außerdem hat die RUSADA in vage Aussicht gestellt, dass sie Daten aus dem Dopinglabor zur Verfügung stellen wird.

Thomas Bach - Fürsprecher Russlands

Auf Aufarbeitung und tiefgreifende Reformen darf man nun wohl nicht mehr hoffen. Ein klarer Sieg für Moskau, den der Kreml auch zu Hause gut verkaufen kann. Als treibende Kraft hinter der Begnadigung gilt der IOC-Präsident Thomas Bach, der Russland schon lange rehabilitiert sehen wollte und zudem dafür gesorgt hatte, dass die russischen Athleten nie ganz von der Bildfläche verschwunden sind und zum Teil unter neutraler Flagge bei Olympischen Spielen antreten durften. Er gilt als Vertrauter von WADA-Chef Craig Reedie.

Der wiederum schreibt den russischen Sportminister Kolobkow in einem von der BBC veröffentlichten Brief an mit "lieber Minister, lieber Pawel". Ein weiteres Indiz für ein Verhältnis, das, gelinde gesagt, nicht gerade durch professionelle Distanz geprägt ist.

Seit eine Kommission der WADA vor wenigen Tagen empfohlen hat, die RUSADA wieder aufzunehmen, hagelt es harsche Kritik von Athleten, Politikern, Sportverbänden. Doch die WADA scheint lieber durch diesen Sturm der Entrüstung zu schreiten und sich als oberste Instanz gegen Doping unglaubwürdig zu machen anstatt alte Männerfreundschaften aufzukündigen und Seilschaften zu kappen. Zwar betont die WADA, sie würde Russland einen genauen Zeitplan vorschreiben, was den Zugang zum Dopinglabor in Moskau betrifft und der RUSADA im Zweifel die Akkreditierung wieder entziehen. Doch dass das wirklich geschieht, ist kaum anzunehmen.

Die Botschaft lautet also auch hier und heute: Mit genug Dreistigkeit - und guten Freunden in den richtigen Positionen - kommt man mit allem durch.

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