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StartseiteKommentare und Themen der WocheKeine gute Nachricht für die Nato-Familie12.07.2019

Russische Abwehrraketen für die TürkeiKeine gute Nachricht für die Nato-Familie

Mit der Annahme eines russischen Raketenabwehrsystems habe der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan Mahnungen und Bedenken der anderen Nato-Partner geflissentlich ignoriert, kommentiert Astrid Corall. Es sollte diesen zu denken geben, dass sich Ankara ausgerechnet Russland und Präsident Putin zuwende.

Von Astrid Corall

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Auf der Luftwaffenbasis Akincilar in der Türkei werden die ersten Lieferungen des umstrittenen russischen Raketenabwehrsystems S-400 ausgeladen    (AFP Photo / Turkish Defence Ministry)
Auf der Luftwaffenbasis Akincilar in der Türkei werden die ersten Lieferungen des umstrittenen russischen Raketenabwehrsystems S-400 ausgeladen (AFP Photo / Turkish Defence Ministry)
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In jeder Familie kommt es mal zum Streit. Und in jedem internationalen Bündnis, in dem unterschiedliche Interessen der Mitgliedstaaten regelmäßig aufeinanderprallen, erst recht. Dann aber kommen auch wieder ruhigere Zeiten. Doch in der Nato sind die derzeit überhaupt nicht in Sicht. Solidarität untereinander, Verständnis füreinander scheinen für einige Familienmitglieder – also die Bündnispartner - Fremdwörter zu sein.

US-Präsident Donald Trump verfolgt häufig nur seine eigenen Interessen, was die anderen Nato-Staaten immer wieder zu spüren bekommen. Mehrfach hat er das Bündnis in Frage gestellt. Und schon seit längerem schwelt ein Streit der USA mit dem Nato-Mitglied Türkei. Doch diesmal ist der schwarze Peter nicht den USA zuzuschieben. Ankara hat die erste Lieferung eines russischen Luftabwehrsystems in Empfang genommen. Damit hat Präsident Erdogan seinen Kopf durchgesetzt, Mahnungen und Bedenken aller Bündnispartner geflissentlich ignoriert.

Türkei muss Bedenken der Nato ernster nehmen

Aus deren Sicht ist das System nicht kompatibel mit der Luftverteidigung der Allianz und schwächt diese. Dazu kommt die strategische Sorge der USA, Russland könnte durch das an die Türkei gelieferte System wichtige Informationen über US-amerikanische Flugzeuge sammeln. Das alles sind nachvollziehbare Bedenken. Als Partner muss die Türkei versuchen, diese ernster zu nehmen und nicht nur zu beschwichtigen. Doch Präsident Erdogan wählt einen anderen Weg. Für die Türkei ist der Kauf eines russischen Luftabwehrsystems allein eine innere Angelegenheit, frei nach dem Motto: die anderen Familienmitglieder geht das gar nichts an. Und es stimmt ja sogar. Jedes Nato-Land kann selbst entscheiden, welche Ausrüstung es kauft. Doch der Alleingang der Türkei kann von den anderen Nato-Staaten – selbst wenn sie es wollten – nicht ignoriert werden.

USA drohen Ankara mit neuen Sanktionen

Vor allem muss ihnen zu denken geben, dass sich Ankara ausgerechnet Russland und Präsident Putin zuwendet. Der dürfte das mit Freude zur Kenntnis nehmen und kaum etwas gegen eine Schwächung des Bündnisses einzuwenden haben. Die Lieferung des russischen Luftabwehrsystems belastet die gesamte Nato. Die USA drohen Ankara bereits mit neuen Sanktionen. Die Türkei könnte sie davon wahrscheinlich nur abhalten, wenn sie die gelieferten Systeme nicht stationiert. Diesen Weg, so richtig er wäre, wird Erdogan aber kaum gehen. Der Konflikt droht in die nächste Runde zu gehen – für die Nato-Familie ist das keine gute Nachricht.

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