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StartseiteGesichter EuropasEin paar Quadratmeter Glück21.07.2018

Russische DatschaEin paar Quadratmeter Glück

Im Sommer leeren sich in Russland die Städte, die Menschen ziehen auf die Datscha. Das russische Sommerhaus ist seit Jahrhunderten Freiheitssymbol und persönlicher Rückzugsort. Aber die große Politik spielt im Hintergrund immer mit.

Von Gesine Dornblüth

Sowjetführer Stalin hat mehrere Datschas am Schwarzen Meer - in der in Sotschi verbrachten seine Kinder viel Zeit. (Deutschlandradio / Mareike Aden)
Sowjetführer Stalin hatte mehrere Datschas am Schwarzen Meer. In seinem Sommerhaus in Sotschi verbrachten seine Kinder viel Zeit. (Deutschlandradio / Mareike Aden)

Die Selbstversorgung gewinnt angesichts wachsender Armut an Bedeutung. Andere nutzen die Datscha als Ort der persönlichen Freiheit. Und wer die richtigen Verbindungen hat, bekommt ein Grundstück in Toplage und baut sich statt einem Holzhaus eine protzig-prunkvolle Villa.

Bis heute ist das Ferienhaus tief in der russischen Kultur und Geschichte verwurzelt. Die "Gesichter Europas" sind unterwegs. Auf geht’s: "Na datschu!"

 Lidija Nikolajewna im Garten ihrer Datscha (Deutschlandradio / Gesine Dornblüth) (Deutschlandradio / Gesine Dornblüth)"Es ging darum, sich selbst zu versorgen"
600 Quadratmeter Land bekamen viele Arbeiter zu Sowjetzeiten zugeteilt. Die Menschen sollten dort Obst und Gemüse anbauen, um Versorgungsengpässe abzumildern. Viele nutzen ihre Datschen aus diesem Grund auch heute noch.

Lilija, Aleksandr und Vasilisa (v.l.n.r.) vor ihrer Datscha nahe der ukrainischen Grenze (Deutschlandradio / Gesine Dornblüth) (Deutschlandradio / Gesine Dornblüth)Dolce Vita im Grünen
Früher bauten die Menschen auf ihrer Datscha Obst und Gemüse zur Selbstversorgung an. Inzwischen nutzen viele Russen, die Jobs und gute Einkommen haben, ihre Datscha zur Erholung und Entspannung. Aber der Alltag dort ist auch für die russische Mittelschicht nicht immer leicht.

Nikolaj im Gewächshaus auf seiner Datscha (Deutschlandradio / Gesine Dornblüth) (Deutschlandradio / Gesine Dornblüth)Kungelei in der Datschenkolonie
Korruption, Misswirtschaft und Gefälligkeiten gehörten in vielen sowjetischen Datschensiedlungen zum Alltag. Denn die begehrten Sommerhäuschen gehörten oft Fabriken oder Gewerkschaften und Kontakte waren hilfreich. In manchen Datschenkolonien ist das bis heute spürbar.

In den 90er-Jahren baute in Russland jeder, wie er wollte. Aus dieser Zeit stammt diese schlossartige Datscha  (Deutschlandradio / Gesine Dornblüth) (Deutschlandradio / Gesine Dornblüth)Sommerschlösser im Moskauer Umland
Schlösser, Villen und prunkvolle Häuser - viele wohlhabende Moskauer lassen sich große Datschas im Umland der russischen Hauptstadt bauen. Aber die neuen Russen schotten sich ab. Das verändert das Leben in den Datschensiedlungen und gefällt nicht jedem.

Die nach einem Brand wiederaufgebaute Datscha von Wladimir Majakowski, davor ein Standbild des Dichters und Revolutionärs (Deutschlandradio / Gesine Dornblüth) (Deutschlandradio / Gesine Dornblüth)Ein Freiraum, um Großes zu schaffen
Berühmte Künstler und Intellektuelle erhielten in der Sowjetunion oft eine Datscha als Belohnung - auch der Revolutionär und Dichter Wladimir Majakowski. Das Original-Haus ist abgebrannt. Aber den von Majakowski erschaffenen Ort der geistigen Freiheit gibt es immer noch.

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