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StartseiteSport AktuellNeuer RUSADA-Chef geht staatliche Behörden an08.10.2019

Russischer Doping-SkandalNeuer RUSADA-Chef geht staatliche Behörden an

Der Chef der russischen Anti-Doping-Agentur Ganus befürchtet, dass Russland nicht an den Olympischen Spielen im kommenden Jahr teilnehmen dürfen. Russland soll der Welt-Anti-Doping-Agentur gefälschte Daten aus seinem Dopinglabor übergeben haben. Ganus macht staatliche Sportbehörden verantwortlich.

Von Sabine Stöhr

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Der Generaldirektor der russischen Anti-Doping-Agentur RUSADA Juri Ganus. (imago sportfotodienst)
Der Generaldirektor der russischen Anti-Doping-Agentur RUSADA Juri Ganus (imago sportfotodienst)
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Der Chef der russischen Anti-Doping-Agentur RUSADA selbst ist entsetzt: In einem offenen Brief, der ist schon ungewöhnlich genug, spricht er davon, dass die Vorwürfe der WADA eine Tragödie für den russischen Sport seien, der damit jetzt ganz den Abgrund herunterfalle. RUSADA Chef Juri Ganus erläutert später bei einer Pressekonferenz:

"Wir haben jetzt die Grenze überschritten, an der das Vertrauen nur schwer und in einem langen Prozess zurückzugewinnen ist. Ich kann Ihnen sagen, dass wir an einem Tiefpunkt angelangt sind."

Die Krise des russischen Sports begann als 2015 die russischen Leichtathleten in einen Doping-Skandal verwickelt waren. Damals sollen Positivtests systematisch vertuscht worden sein. Das legte der sogenannte McLaren Bericht nahe. Der Bericht warf Russland außerdem vor, ein staatliches Dopingsystem zu unterhalten. In der Folge durften bei den Olympischen Spielen in Rio oder Südkorea nur unbelastete russische Athleten teilnehmen und nur unter weißer Flagge.

"Der schweigende Beweis"

Darüber hinaus hatte die WADA der russischen Anti-Doping-Agentur RUSADA die Rechte entzogen. Um die wieder zu bekommen, hat sich die RUSADA zuletzt neu und von Behörden unabhängig aufgestellt. Und wie von der WADA verlangt: ihr Zugang zu Daten des für Dopingproben zuständigen Moskauer Labors verschafft.

Das Labor untersteht weiter dem Sportministerium. Der neue unabhängige RUSADA Chef hat einen Verdacht. Er geht genau wie die WADA davon aus, dass die Labordaten manipuliert worden sind. Für ihn Verrat und Verschwörung gegen den russischen Sport:

"Hatte man früher noch Zweifel, ist jetzt alles so offensichtlich. Die Weltgemeinschaft ist einfach schockiert. Denn im Grunde genommen haben wir selbst bewiesen, dass wir die Krise mit Mitteln lösen wollen, die bei so etwas überhaupt nicht angebracht sind.
Die staatlichen Behörden selbst bestätigen die Ergebnisse des McLaren Berichts. Sie liefern mit ihrem Verhalten sozusagen den schweigenden Beweis. Denn Taten sagen über uns mehr als unsere Worte."

Russland unter Druck

Der russische Sportminister Kolobkow dagegen gibt sich gelassen: Der staatsnahen Zeitung Izvestija sagte er kurz nach Bekanntwerden der Vorwürfe der WADA gegen Russland:

"Woraus diese Ungereimtheiten bestehen und womit sie zusammenhängen, werden die IT-Experten beider Seiten klären, sie arbeiten schon jetzt zusammen. Wir garantieren, dass wir unterstützen, wo wir können."

Trotzdem: Russland ist unter Druck. Drei Wochen hatten die Sportbehörden jetzt Zeit aufzuklären und eine Liste von Fragen zu beantworten. Wenn ihre Reaktion die Vorwürfe der WADA nicht entkräftet, ist nicht ausgeschlossen, dass die Teilnahme russischer Athleten an Olympia 2020 in Japan gefährdet ist.

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