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StartseiteInformationen am MorgenWas Moskau in Venezuela zu verlieren hat25.01.2019

Russischer Staatskonzern Rosneft Was Moskau in Venezuela zu verlieren hat

Russland beobachtet die unruhige Lage in Venezuela mit besonderer Aufmerksamkeit: Seit 2006 hat Moskau Analysen zufolge rund 17 Milliarden US-Dollar in Venezuela investiert oder dem Land geliehen. Dreh- und Angelpunkt der Investments: der staatliche Rohstoffkonzern Rosneft.

Von Thielko Grieß

Der venezolanische Oppositionsführer Juan Guaidó bei einer Rede in Caracas am 23.1.2019 (AFP / Federico Parra)
Der venezolanische Oppositionsführer Juan Guaidó hat sich selbst zum Interims-Staatschef ernannt (AFP / Federico Parra)
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Außerhalb Lateinamerikas ist Russland nach China der wohl wichtigste Unterstützer Nicolas Maduros. Dabei bleibe es auch, haben gestern sämtliche Wortmeldungen in Moskau unterstrichen. Vor einer Einmischung von außen, insbesondere vonseiten der USA, wurde scharf gewarnt. "Der Versuch, die Macht in Venezuela zu übernehmen, sehen wir als Verstoß gegen das internationale Recht", erklärte Wladimir Putins Sprecher Dmitrij Peskow.  

Putin hatte Maduro zuletzt Anfang Dezember in Moskau empfangen; die Präsidenten haben sich regelmäßig getroffen, ihre Länder sind langjährige Partner. Es ging und geht längst nicht nur um die politischen Beziehungen beider Länder, sondern auch um immense russische Investments in Venezuela und Militär-Zusammenarbeit. Nach Maduros Besuch landeten zwei russische Überschall-Bomber und ein Militärtransportflugzeug in dem südamerikanischen Land, verließen es aber wenige Tage später schon wieder. Ob die Entsendung einen anderen Zweck hatte, als zum Beispiel Stärke gegenüber den USA zu demonstrieren, ist unklar.

Venezuela hatte schon unter der Regentschaft Hugo Chavez‘ begonnen, in Russland Rüstungsgüter einzukaufen, darunter Raketenabwehrsysteme, Kampfflugzeuge und –hubschrauber sowie gepanzerte Fahrzeuge: Finanzierung auf Kredit, schreibt die Zeitung Nowaja Gasjeta. Ob diese elf Milliarden Dollar bereits an Moskau zurückgezahlt wurden, ist unklar.

"Caracas ist ein wichtiger Handels- und Wirtschaftspartner für Russland, deswegen sind wir selbstverständlich daran interessiert, unsere guten Beziehungen mit Venezuela aufrecht zu erhalten und fortzuentwickeln", so Kreml-Sprecher Peskow gestern. Tatsächlich hat Russland seit 2006 Analysen zufolge bis zu 17 Milliarden US-Dollar in Venezuela auf verschiedenen Wegen teils investiert, teils dem Land geliehen. Dreh- und Angelpunkt ist zu diesem Zweck vor allem ein russisches Unternehmen: der staatliche Rohstoffkonzern Rosneft. Dessen Chef, Igor Setschin, der zu Putins Vertrauten zählt, hat sich in die verzweigte Erdöl- und Erdgasindustrie Venezuelas eingekauft. Rosneft hat Anteile an Förderprojekten erworben; als Bürgschaft zudem 49 Prozent des US-amerikanischen erdölverarbeitenden Konzerns Citgo, die zuvor dem staatlichen Erdölkonzern Venezuelas gehörten.

"Der Konzern versucht, ein Global Player zu werden"

Die Rückzahlung der Kredite an Rosneft erfolgt nicht in Geld, sondern in Lieferungen von Erdöl an Russland. Die Tanker sind schon in der Vergangenheit längst nicht immer pünktlich angekommen, unter anderem weil die Ölförderung des rohstoffreichen Landes beständig gesunken ist und auch Chinas Kredite an Caracas in ähnlicher Weise bedient werden müssen.

Neben der Stabilisierung einer moskaufreundlichen Regierung verfolgt Rosneft unternehmerische Ziele. "Der Konzern versucht, ein Global Player zu werden", sagte Konstantin Simonow diesem Sender. Er ist Direktor des Fonds für Nationale Energiesicherheit in Moskau, der Gas- und Ölmärkte analysiert. Ein Umsturz in Venezuela würde ein großes Risiko für die staatlichen Investments Russlands bedeuten.

"Die Geschichte der Ölindustrie in Venezuela ist einfach: Jede neue Regierung versucht, Unternehmensvermögen zu übernehmen und neu zu verteilen. Da US-amerikanische Unternehmen unter Chavez aus dem Land gejagt wurden, ist es nicht schwierig zu vermuten, dass nach dem Sturz Maduros die Besitztümer wahrscheinlich neu verteilt werden."

Rosneft, schreiben auch andere Analysten, sei all die Geschäfte in Kenntnis der Unwägbarkeiten eingegangen. Aufsichtsratschef des Unternehmens ist seit mehr als einem Jahr der deutsche Altkanzler Gerhard Schröder. Die Aktie des Konzerns verlor gestern an der Moskauer Börse etwa drei Prozent.

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