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StartseiteSport am WochenendeBudget-Kürzungen für die WM 201811.04.2015

RusslandBudget-Kürzungen für die WM 2018

Politisch umstritten ist sie schon länger, die FIFA-WM 2018 in Russland. Jetzt hat das Gastgeberland auch noch Probleme finanzieller Art. Anfang der Woche gab Sportminister Mutko bekannt, dass der Haushalt für die WM gekürzt wird.

Von Gesine Dornblüth

Das Logo der Fußball-WM 2018 in Russland wird auf die Fassade des Bolschoi-Theaters in Moskau projiziert. (picture alliance / dpa / Alexander Vilf)
Die FIFA-WM 2018 in Russland fällt wohl etwas weniger pompös aus als ursprünglich geplant. (picture alliance / dpa / Alexander Vilf)
Weiterführende Information

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(Deutschlandfunk, Sport am Wochenende, 22.01.2014)

"Dear President Blatter, colleagues of the executive committee. Let me speak from my heart in English", sagte Russlands Sportminister Vitali Mutko im Oktober 2010 vor der FIFA. Von ganzem Herzen warb er für die Vergabe der Fußball Weltmeisterschaft 2018 nach Russland.

"Russlands Wirtschaft ist groß und wächst. Die Finanzen sind stabil. Wenn Sie uns die Chance geben, wird die FIFA es nie bereuen. Sie werden stolz sein auf Ihre Wahl. Ich garantiere es."

Die FIFA stimmte für Russland, doch seit Mutkos Rede hat sich einiges verändert: Russlands Wirtschaft steckt in der Krise. Und Russland muss sparen - auch bei der Fußball-WM. Anfang der Woche strich das Organisationskomitee umgerechnet rund 435 Millionen Euro aus dem Budget, vier Prozent der Gesamtsumme. Der Aufschrei war groß, auch in der russischen Presse. Der Sportjournalist Filipp Papenkov, Fußballexperte des renommierten russischen "Sport Express", sieht aber keinen Grund zur Sorge:

"Es werden nur die Ausgaben für die VIP-Hotels gestrichen, in denen die Mannschaften, die Richter, die Organisatoren untergebracht sind. Deren Hotels werden bescheidener ausfallen. Die Unterbringung der Fans betrifft das nicht. Und daran, wie die WM im Fernsehen aussehen wird, ändert sich auch nichts."

In zwei Stadien wird außerdem die Zahl der Zuschauerplätze gekürzt, auf 35.000. In der Bewerbung 2010 hatte Russland noch 45.000 Plätze versprochen. Sportjournalist Papenkov findet die Entscheidung sinnvoll.

"In Russland sind selten mehr als 10, 15.000 Zuschauer in den Stadien. Das ist wirklich bescheiden. Selbst in Kazan, wo das WM-Stadion schon fertig ist. Dort wird seit dem Herbst gespielt. Zuerst kamen dort sehr viele Leute, weil alle das neue Stadion sehen wollten. Doch schon bei der fünften Begegnung war es nur noch gut zur Hälfte gefüllt. Es hat keinen Sinn, viel Geld für Zuschauerplätze auszugeben, nur für drei, vier Spiele 2018."

Nicht überall wird gespart

Die Kürzungen betreffen vor allem die kleineren Austragungsstätten. Das Luschniki-Stadion in Moskau wird wie geplant aufwändig umgebaut, mit künftig 81.000 Plätzen. Die Konstrukteure haben sich ein besonderes Highlight ausgedacht: Das Stadiondach soll sich während der Veranstaltungen in einen riesigen Bildschirm verwandeln, auf dem das Geschehen in der Arena übertragen wird. Wer kein WM-Ticket bekommt kann die Spiele zum Beispiel von den nahegelegenen Sperlingsbergen aus verfolgen.

Gigantismus ist auch beim Stadionbau in St. Petersburg zu spüren. Es sollte ursprünglich schon 2009 eröffnet werden, doch diverse Pannen sorgten für Verzögerungen und dafür, dass das Stadion immer teurer wird. Nach Berechnungen von Wissenschaftlern der Universität Zürich wird es am Ende fast eine Milliarde Euro kosten. Der "Spiegel" lästerte, Russland gehe es "um den Effekt, nicht um Effizienz." Wie schon bei den Olympischen Winterspielen in Sotschi, springen Russlands Milliardäre ein. Der Sportjournalist Papenkov berichtet vom Stadionbau in Kaliningrad:

"In Kaliningrad war Ende des Jahres nicht mal klar, wo das Stadion gebaut wird. Die Stadt wollte es im Stadtzentrum auf einer Insel bauen, aber dort ist es sumpfig. Dort steht Wald. Die Insel zu erschließen ist sehr teuer. Daraufhin hat der Sportminister gesagt: Wir bauen dort nicht. Dann gab es ein Jahr lang Streit. Jetzt wird das Stadion doch auf der Insel gebaut, von einem neuen Bauherrn, Aras Agalarow."

Agalarow ist einer der reichsten Männer Russlands und gilt als Freund Putins. Das Stadion soll statt 15 18 Milliarden Rubel kosten.In Russland ist es weit verbreitet, dass Schmiergelder bei der Auftragsvergabe die Kosten in die Höhe treiben. Von der FIFA kam bisher durchgehend Lob für Russlands WM-Vorbereitungen. Auch der Sportjournalist Papenkov glaubt, dass alles rechtzeitig fertig wird.

"Vor Sotschi haben auch alle geunkt, dass es nicht fertig werden würde, und nach den Olympischen Spielen hieß es, alles war gut und schön. Eine andere Sache ist: Sotschi ist eine Stadt. Die Fußball-WM findet im ganzen Land statt. Die Fans werden reisen. Und da ist es nicht möglich, alles hübsch zu machen und das, was nicht hübsch ist, zu verstecken. Es wird sicher die eine oder andere unschöne Geschichte geben. Aber dazu kommt ja noch eine ganz andere Frage: Wie sich die Politik entwickelt. Vielleicht steht uns 2018 gar nicht der Sinn nach einer Fußball WM."

 

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