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StartseiteWirtschaft und GesellschaftDie wirtschaftliche Bedeutung der umkämpften Meerenge27.11.2018

Russland-Ukraine KriseDie wirtschaftliche Bedeutung der umkämpften Meerenge

Der Schiffsverkehr im Asowschen Meer ist für die Ukraine von großer Bedeutung. Den Weg dorthin hat Russland bisher nicht versperrt, und die Häfen von Mariupol und Berdjansk sind noch zugänglich. Welche Bedeutung haben diese Handelsorte für die Ukraine?

Von Thielko Griess

Krim - Russland baut Brücke über die Meerenge Straße von Kertsch zum Festland (imago / Alexei Pavlishak)
Die Brücke über die Meerenge Straße von Kertsch zum Festland ist für Russland ein Prestigeprojekt (imago / Alexei Pavlishak)
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Sie haben vor allem für den Weizenexport eine Bedeutung, auch für den Export von Baumaterialien, und in Mariupol gibt es auch ein sehr, sehr großes Stahlwerk, das auch im Export stark ist. Wenn man sich die Gesamtzahlen allerdings anguckt, dann sind diese beiden Häfen von untergeordneter Bedeutung. Sieben Prozent des Hafenumsatzes der Ukraine werden dort abgewickelt - aber immerhin. Messbar sind auch schon die Rückgänge. Das heißt, es ist schwieriger geworden, die Häfen leiden, weil diese Krise, die jetzt eskaliert ist, nicht erst seit gestern oder vorgestern eskaliert, sondern sich schon länger aufbaut.

Gibt es noch andere Gründe, weshalb das Binnenmeer für die Ukraine so wichtig ist?

Es sind strategische Gründe. Es ist das Verbindungsstück zwischen der umkämpften Ostukraine und der besetzten Krim, und Berichten zufolge wollte und will die Ukraine dort noch eine Marinebasis aufbauen. Das ist ihr souveränes Recht, und Russland macht da wohl einen Strich durch die Rechnung.

Und die Brücke, die Russland hat bauen lassen - spielt die auch eine Rolle und wenn ja, welche?

Sie ist für Russland ein ganz wichtiges Prestigeprojekt, und sie erleichtert die Versorgung der annektierten Krim mit Lebensmitteln, aber auch den Passagiertransport dorthin. Und sie schafft tatsächlich ein Nadelöhr. Ohnehin ist die Meerenge schon von Natur aus eine Meerenge. Aber jetzt ist die Brücke dort, anders als früher, so dass die Schiffe nur noch einen geringen Tiefgang haben und beladen nicht höher sein dürfen als 33 Meter. Viele Schiffe, die früher dort durchfuhren, in die Häfen und wieder zurück, also die mit der Ukraine Handel trieben, die hatten andere Maße. Die können dort nun nicht mehr durch.

Gilt das auch für russische Schiffe?

Das gilt auch für russische Schiffe. In der Tat. Es gibt Richtung Don, den Fluss Don, zum Beispiel die Großstadt Rostow am Don mit einem großen Hafen, und auch Russland wickelt über diese Wasserstraße etliches an Handel ab. Unter anderem den jährlich steigenden Getreideexport aus dieser Region.

Stellt sich die Frage, warum Russland jetzt die Schiffe an der Meerenge kontrolliert?

Offiziell wegen Terrorgefahr, weil man um die Brücke fürchtet, die ja umstritten ist zwischen der Ukraine und Russland. Aber Medienberichten zufolge werden vorrangig ukrainische Schiffe, beziehungsweise auch internationale Schiffe, anders beflaggt, die ukrainische Häfen ansteuern wollen, kontrolliert. Zum Teil liegen sie dort einige Tage. Das kostet die Reedereien sehr viel Geld, mit der Folge, dass sie sich andere Häfen suchen.

Ist das denn legal? Dürfen die das?

Nein, ist es nicht, zumindest nach internationalen Standards nicht. Denen zufolge ist die Krim annektiert, und denen zufolge ist die Ukraine gleichberechtigter Teilhaber dieses Asowschen Meeres. Darüber gibt es auch einen Vertrag zwischen diesen beiden Ländern. Den hat Russland nie gekündigt. Der ist von 2003, da haben sich beide Seiten gleiche Rechte zugesichert. Das sollte de jure immer noch so gelten. De facto gilt aber im Augenblick das Recht des Stärkeren, und das ist nicht die Ukraine.

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