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StartseiteEuropa heuteEigeninteressen stehen im Vordergrund26.07.2019

Russland und die Iran-KriseEigeninteressen stehen im Vordergrund

Russland ist einer der Staaten, die das Atomabkommen mit dem Iran retten wollen. An einer Verschärfung der Iran-Krise ist Moskau schon deshalb nicht interessiert. Die russischen Interessen gehen allerdings weit darüber hinaus.

Von Oliver Soos

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Moskau: Der russische Außenminister Sergej Lawrow (r) und der iranische Außenminister Mohamed Dschawad Sarif betreten eine Halle während ihres Treffens in Moskau. (AP/Pavel Golovkin)
Russlands Außenminister Sergej Lawrow (rechts) mit dem iranischen Außenminister Mohamed Dschawad Sarif in Moskau (AP/Pavel Golovkin)
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In der aktuellen Tanker-Krise zwischen dem Iran und den Briten hält sich Russland mit Kommentaren zurück, doch ansonsten bemüht sich Moskau, im Iran-Konflikt zu deeskalieren. Die russische Regierung warnt immer wieder vor einer militärischen Auseinandersetzung mit dem Iran. Präsident Wladimir Putin appelliert dabei vor allem an die Adresse von US-Präsident Donald Trump.

"In den USA sprechen sie davon, dass ein militärischer Einsatz nicht ausgeschlossen sei. Dazu will ich ganz deutlich sagen: das wäre eine Katastrophe. Für die Region aber auch für diejenigen, die den Konflikt anzetteln. Man stelle sich das mal vor: es gäbe wieder neue Flüchtlinge in der Region und mehr Radikale. Der Iran ist ein schiitisches Land und in der islamischen Welt weiß man, dass diese Menschen zu radikalen Taten bereit sind, wenn sie angegriffen werden. Das wäre absolut nicht wünschenswert."

Im Juni hat die russische Regierung gebannt mitverfolgt, wie Donald Trump nach dem Abschuss einer amerikanischen Drohne zuerst Luftschläge gegen den Iran angeordnet hatte und sie dann in letzter Minute abblies. 150 mögliche Tote für eine abgeschossene Drohne waren Trump dann doch zu viel, twitterte er. Für den russischen Außenminister Sergej Lawrow ist das ein klares Zeichen dafür, dass es innerhalb der US-Regierung Uneinigkeit gibt und dass man von russischer Seite doch auf Trump hoffen könne.   

Hitzköpfe in Washington

"Es gibt einige Hitzköpfe in Washington, die die Probleme mit dem Iran militärisch lösen wollen. Aber wir haben nicht das Gefühl, dass Donald Trump das auch so sieht. Doch leider gibt es viele amerikanische Politiker, die diese Idee verfolgen."

Der russische Präsident Putin wirbt auch immer wieder um Verständnis für die iranische Regierung 

"Der Iran hält sich an die Richtlinien der internationalen Atomenergie-Organisation IAEO, er verstößt gegen nichts und deshalb halten wir die Sanktionen gegen den Iran für unbegründet."

Wladimir Djabarow, Senator im Föderationsrat, im russischen Oberhaus, betont die ausweglose Lage der iranischen Regierung:

"Der Iran wurde gezwungen, die Schritte zu unternehmen, die den Amerikanern und Europäern nicht gefallen. Teheran war dem Atomabkommen beigetreten, hatte sich verpflichtet die Uranreserven zu verringern und kein waffenfähiges Plutonium zu produzieren. Aber jetzt kommen die harten Sanktionen zurück. Die Amerikaner zwingen den Iran quasi dazu, dass er sich an Teile des Abkommens nicht mehr hält. Die Amerikaner hindern den Iran daran, sich normal zu entwickeln."

Natürlicher Verbündeter Russlands

Russland hat ein großes Interesse daran, dass sich der Iran normal entwickelt, denn der Iran ist Russlands natürlicher Verbündeter im Nahen Osten. Saudi-Arabien und die Arabischen Emirate sind eng mit den Amerikanern verbunden. Der Iran bietet die einzige Chance, den amerikanischen Einfluss in der Region zurückzudrängen. Und so versuchen Russland und der Iran ihre politischen und auch ihre wirtschaftlichen Beziehungen auszubauen und das gelingt auch zum Teil. Russland baut und erneuert im Iran Atomkraftwerke, exportiert russische Waffen, Maschinen, Anlagen und Lebensmittel, vor allem Getreide und Geflügel. Laut der russischen Regierung ist das Handelsvolumen mit dem Iran im vergangenen Jahr um 7,5 Prozent angestiegen auf 1,5 Milliarden Dollar.

Das ist ein ziemlich bescheidener Wert, etwas mehr als ein Zehntel des Handelsvolumens zwischen Deutschland und Slowenien. Doch des russische Außenminister Sergej Lawrow blickt optimistisch in die Zukunft

"Die Investitionen und der Handel entwickelt sich nicht schlecht. Natürlich werden wir gehindert, durch die illegitimen einseitigen Sanktionen seitens der USA. Aber wir haben gemeinsam mit den Iranern beschlossen, die wirtschaftliche Zusammenarbeit auszubauen und wir suchen nach Wegen, um die Sanktionen zu umgehen."

Russland und der Iran sind außerdem abhängig voneinander, als Anrainerstaaten am Kaspischen Meer. Dort gibt es riesige Erdöl und Erdgasvorkommen und große Fischreviere und all das ist noch nicht endgültig aufgeteilt. Nach 20 Jahren Verhandlungen ist die Grenzziehung im kaspischen Meer immer noch nicht abgeschlossen. Russland bemüht sich um Freundschaft zum Iran, doch nicht allein um der Freundschaft willen sondern aus Eigeninteresse.

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