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StartseiteEuropa heuteZwei Jahre nach der Annexion17.03.2016

Russland und die KrimZwei Jahre nach der Annexion

Zwei Jahre nach der russischen Annexion der Krim sind Umfragen russischer Meinungsforschungsinstitute zufolge 84 Prozent der Bewohner mit der Lage zufrieden. 90 Prozent würden wieder für einen Beitritt zu Russland stimmen. Präsident Sergej Aksjonow sagt der Halbinsel eine blühende Zukunft voraus. Ganz so rosig ist der Alltag auf der Krim jedoch nicht.

Von Gesine Dornblüth

Karte der Krim und Schriftzug Krise unter der Lupe, Krim-Krise (imago/Christian Ohde)
Präsident Sergej Aksjonow sagt der Krim eine blühende Zukunft voraus - trotz geringer Löhne und Problemen bei der Stromversorgung. (imago/Christian Ohde)
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Uniformen, Volkstänze, russische Fahnen. Mit Konzerten und Umzügen begeht die Krim in diesen Tagen den zweiten Jahrestag des Anschlusses an Russland. Angehörige bewaffneter Bürgerwehren hatten das umstrittene Referendum damals "geschützt". Jetzt waren viele von ihnen wieder auf der Straße. Ein Mann in Kosakenuniform sagte einem russischen Fernsehreporter:

"Das Volk ist froh. Vor zwei Jahren haben hier alle finster dreingeschaut. Heute aber läuft das Leben in geregelten Bahnen."

Die staatliche Nachrichtenagentur Ria Novosti lud in Moskau kürzlich zu einer Videokonferenz mit dem Präsidenten der Krim, Sergej Aksjonow. Dessen Bilanz zwei Jahre nach dem Beitritt zu Russland:

"Die Krim lebt und blüht auf. Bei uns ist alles in Ordnung. Die Sanktionen interessieren uns nicht. Die Krim und Russland werden das aushalten, wir haben immer gesiegt. Russland wird das erfolgreichste, stärkste und wirtschaftlich fähigste Land der Welt werden, und die Krim wird dabei helfen."

Derzeit hat die Halbinsel Probleme mit der Stromversorgung. Der Grund ist ein Anschlag auf die Stromleitung vom ukrainischen Festland. Russland baut eine neue Leitung. Sie soll voraussichtlich Anfang Mai fertig werden.

Auch sonst ist der Alltag auf der Krim keineswegs so rosig, wie es der Präsident glauben machen will. Die Löhne sind zwar gestiegen, liegen aber ein Drittel unter dem russischen Durchschnitt. Zugleich sind die Preise in die Höhe geschossen, die Inflation betrug 2015 mehr als 25 Prozent. Der Tourismus, traditionell Haupteinnahmequelle der Krim, ist 2014 eingebrochen und erholt sich nur langsam.

Kernproblem Versorgung

Das Kernproblem bleibt die Versorgung der Krim. Die Ukraine blockiert die Halbinsel weitgehend. Russland versorgt sie vor allem mit der Fähre. Die fällt bei schlechtem Wetter aus. Russland will deshalb eine Brücke auf die Krim bauen. Sie wird nicht vor Ende 2018 eröffnet werden.

Die vor zwei Jahren angekündigten Großinvestitionen auf der Krim lassen auf sich warten. Viele russische Konzerne halten sich zurück. Sie fürchten Sanktionen der EU und der USA.

Umfragen russischer Meinungsforschungsinstitute zufolge sind 84 Prozent der Bewohner trotzdem mit der Lage zufrieden. 90 Prozent würden wieder für einen Beitritt zu Russland stimmen. Allerdings haben die meisten Unzufriedenen die Halbinsel längst verlassen. Denn andere Ansichten öffentlich zu äußern, ist dort mittlerweile legal kaum noch möglich. Gegen die Medschlis, die politische Vertretung der russlandkritisch eingestellten Krimtataren, läuft ein Verbotsverfahren.

Oleg Zubkow war Zoodirektor auf der Krim. Er sagte im ukrainischen Fernsehen:

"Ich war ein glühender Anhänger des Beitritts zu Russland, ich sah darin Entwicklungsperspektiven und die Lösung unserer Probleme. Aber ich lag falsch. Auf der Krim gibt es keine Entwicklung. "

Auch gegen Zubkow läuft ein Verfahren, er soll angeblich Schuld sein am Tod von zwei Tigerbabys. Der Zoo ist geschlossen.

Zu dem umstrittenen Referendum vor zwei Jahren waren einige Politiker aus verschiedenen EU-Ländern als Beobachter angereist, Putin-Sympathisanten vorwiegend aus rechten und linken Parteien, die die Abstimmung unter Waffen denn auch prompt als demokratische Willensäußerung lobten.

Auf sie setzt Russland auch heute. An der Schaltkonferenz von Ria Novosti mit Simferopol nahm der italienische Kommunist Giulietto Chiesa teil. Er hat auch schon das von Georgien abtrünnige, von Russland anerkannte Südossetien besucht. Zur Krim sagte er:

"Wir haben Senatoren im italienischen Parlament, die seit Langem auf die Krim wollen. Ich hoffe, wir können bald fahren. Das ist wichtig, denn wir können dann in die italienische Politik hineinwirken. "

Weiterhin Kritik aus dem Ausland

Die meisten Regierungen betrachten die Krim jedoch weiterhin als ukrainisch und als von Russland besetzt. Das US-Außenministerium hat die russische Regierung anlässlich des zweiten Jahrestages aufgefordert, die Krim der Ukraine zurückzugeben.

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