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StartseiteEuropa heute"Bei Donald Trump ist es eine Art russisches Roulette"08.11.2016

Russland und die US-Wahl"Bei Donald Trump ist es eine Art russisches Roulette"

Auch in Russland wird die US-Wahl mit Spannung beobachtet. Präsident Wladimir Putin wird ein gutes Verhältnis zu Donald Trump nachgesagt - doch offiziell hält er sich mit Bewertungen zurück. Auch in der Bevölkerung scheint Trump beliebter zu sein als Hillary Clinton. Diplomaten hingegen zeigen sich skeptisch.

Von Gesine Dornblüth

Ein Koch steht an einer bunten Imbisstheke und hält seinen nach oben gestreckten Daumen Richtung Kamera. (Deutschlandradio/Gesine Dornblüth)
Igor Pantelejew verkauft in seinem Imbiss "Trump-Rolls" - darin sind laut Aussage des Kochs alle Lieblingsgerichte Donald Trumps vereint. (Deutschlandradio/Gesine Dornblüth)
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Die oberste Etage eines Moskauer Einkaufszentrums. Eine Fast-Food-Theke reiht sich an die andere, mitten drin der Laden von Igor Pantelejew. Er verkauft Rolls, gerollte Sandwiches, und an diesem Tag präsentiert er eine Neuheit: Die "Trump-Roll".

"In der Trump-Roll sind die Lieblingsgerichte Donald Trumps. Er hat mal gesagt, dass er am liebsten Steaks, Hühnerfleisch, Hamburger und ein Gericht von McDonald's isst. Ich habe all seine gastronomischen Leidenschaften vereint."

Kameraleute drängeln sich vor den Tischen, an denen mutmaßliche Prominente gleich die Trump-Roll wickeln und mit einer speziellen gelb-orangen Soße krönen werden. Zuvor aber trägt ein Dichter ein Spottgedicht auf Clinton vor, und auch der Romanautor Eduard Topol, der in den 70er-Jahren in die USA emigrierte und mittlerweile teils wieder in Russland lebt, spricht ins Mikrofon:

"Was Hillary geleistet hat, wird die Geschichte zeigen. Da war der Anschlag auf das US-Konsulat in Bengasi, Libyen und so weiter. Was aber hat Trump gemacht? In New York, in Miami, sogar im Ausland stehen seine Trump Towers, gigantische Wolkenkratzer: Er kann was. Ich hoffe, er wird als Präsident der USA hier herkommen und die Trump Rolls probieren."

Putin: "Das Wahlergebnis ist uns egal"

Das russische Staatsfernsehen hat intensiv über den US-Wahlkampf berichtet, intensiver teils, als über die Parlamentswahl im eigenen Land im September. Die Sympathien waren dabei klar zu erkennen. Jede Schwäche Hillary Clintons wurde ausgebreitet, ihr Hüsteln und ihr Straucheln beim Einsteigen in die Limousine zu Endlosschleifen montiert. In Interviews und sozialen Medien äußerten sich führende russische Politiker abfällig über Clinton und lobend über Trump.

Glaubt man einer internationalen Studie des Gallup Instituts, so ist Russland das einzige Land der Welt, in dem Donald Trump mehr Stimmen bekommen würde als Hillary Clinton. Mehr als die Hälfte der Russen allerdings haben laut der Umfrage keine Meinung zu den Kandidaten. Auch der Koch Pantelejew sagt, ihm persönlich sei egal, wer Präsident der USA werde. Russlands Präsident Wladimir Putin hat Trump als "markant", "talentiert" und "extravagant" bezeichnet, sich ansonsten aber mit Wertungen zurückgehalten. Bei einem internationalen Forum in Sotschi sagte er kürzlich:

"Wir wissen nicht, wie sich Herr Trump verhalten wird, wir wissen nicht, wie sich Frau Clinton verhalten wird, was umgesetzt wird, was nicht. Deshalb ist uns das Wahlergebnis im Großen und Ganzen egal."

Clinton hat angekündigt, einen harten Kurs gegenüber Russland zu fahren. Trump hingegen sagte in einem Interview, er hoffe auf "sehr, sehr gute Beziehungen zu Putin und Russland."

Diplomat: "Wir können nur noch raten"

Bei manchen russischen Außenpolitik-Experten ist Unsicherheit herauszuhören im Hinblick darauf, wie es in Sachen Syrien weitergeht - und Skepsis gegenüber Trump. Nikolaj Surkow von der Diplomatenschule MGIMO:

"Meine Experten-Kollegen und ich können nur noch raten, was unter Hillary Clinton passieren wird oder unter Donald Trump. Die Prognosen sind mitunter diametral entgegengesetzt. Bei Donald Trump ist es sogar eine Art russisches Roulette. Er hat ja nicht mal ein außenpolitisches Team. Von Clinton hören wir, dass sie es wenigstens schon mal zusammenstellt."

Putin weist Einmischung zurück

Viele Beobachter sprechen von einer Einmischung Russlands in den Wahlkampf zugunsten Trumps. Als Hacker Computernetze der Demokraten angriffen, machten US-Sicherheitsexperten den russischen Geheimdienst dafür verantwortlich. Russlands Führung weist die Vorwürfe zurück. Die Demokraten wollten mit "angeblichen Hackern, Spionen und Einflussagenten" lediglich von innenpolitischen Problemen ablenken, so Wladimir Putin:

"Es glaubt ja wohl niemand ernsthaft, dass Russland die Wahl der Amerikaner beeinflussen kann. Ist Amerika etwa eine Bananenrepublik? Amerika ist eine Großmacht."

Eine Retourkutsche, hat US-Präsident Obama Russland doch als Regionalmacht bezeichnet. Außenminister Sergej Lawrow stellte klar, Russland werde selbstverständlich mit jedem Sieger der US-Wahl zusammenarbeiten, egal, wer es wird. Der Moskauer Koch Igor Pantelejew hat für alle Fälle noch ein zweites Rezept vorbereitet:

"Mit den Lieblingszutaten Hillarys. Als Kind mochte sie Hamburger mit Chili, Rindfleisch und Oliven. Das habe ich ein bisschen umgemodelt und eine Hillary-Roll kreiert."

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