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StartseiteSport AktuellMutkos Wahrheiten13.05.2016

Russland und DopingMutkos Wahrheiten

Es wäre ein weiterer schwerer Schlag für den russischen Sport: Die New York Times berichtet von staatlich gesteuertem Doping russischer Athleten bei den Olympischen Winterspielen in Sotschi. Zufällig gerade heute veröffentlicht sportschau.de auch ein Interview, dass ARD-Doping-Experte Hajo Seppelt vor zwei Wochen in Moskau mit Russlands Sportminister Vitalij Mutko aufgezeichnet hat. Darin hat er ihn zu zahlreichen Vorwürfen befragt.

Von Gesine Dornblüth

Russlands Präsident Wladimir Putin posiert mit russischen Olympiasiegern in Sotschi 2014. (AFP - MIKHAIL KLIMENTYEV)
Russlands Präsident Wladimir Putin posiert mit russischen Olympiasiegern in Sotschi 2014. (AFP - MIKHAIL KLIMENTYEV)
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Doping auch bei den russischen Olympiasiegern 2014 in Sotschi? Russlands Sportminister Vitalij Mutko weist das heute als "absurd" und "unbegründet" ab. Er vertraue den russischen Athleten. Und auch in dem vor zwei Wochen aufgezeichneten ARD-Interview sagt er, Russland habe im Gegenteil alles darauf gesetzt, eben gerade bei den Winterspielen ehrliche Medaillen zu gewinnen. Ja, Russland habe ein Doping-Problem, so der Minister, aber:

"Als wir uns auf Sotschi vorbereitet haben, da haben wir den Skisport revolutioniert. Wir wussten, dass wir in der Heimat keine falschen Siege wollen."

Wiederholt spricht Mutko in dem ARD-Interview, wie schon in früheren Stellungnahmen, von einem "menschlichen Faktor", der für das Doping verantwortlich sei. Eine staatliche Mitschuld lehnt er ab.

"(...)Wir hatten nie eine Politik der Vertuschung. Wir haben solche Sportler nie gedeckt und das werden wir auch in Zukunft nie tun."

Staatlich gelenktes Doping?

Die New York Times wirft Russland in ihrem Enthüllungsbericht jedoch staatlich gelenktes Doping vor. Und auch die WADA hatte in ihrem von der ARD-Dokumentation "Geheimsache Doping" angestoßenen und im November 2015 veröffentlichten Bericht von staatlichem Einfluss auf das russische Antidoping-Labor geschrieben. ARD-Reporter Hajo Seppelt konfrontiert Mutko in dem Interview damit, sagt, er habe Zeugenaussagen, die belegen, dass Mitarbeiter des Ministeriums dabei halfen, Dopingkontrollen zu verhindern oder sogar zu vertuschen. Dazu Mutko:

"Es ist unmöglich, auf die WADA, bzw. auf die Rusada Einfluss zu nehmen. Das sind Märchen, die Sie erzählen."

Russland, so Mutko immer wieder, sei "ein offenes Land", bereit zur Zusammenarbeit, um das Vertrauen in den russischen Sport wieder herzustellen. Als Beleg verweist er auf die Maßnahmen, die Russland in den letzten Monaten in Absprache mit der WADA ergriffen habe: Ein Gesetz zur Strafverfolgung von Doping-Sündern werde bald verabschiedet; und unter anderem sei die russische Anti-Doping-Agentur Rusada personell runderneuert worden. Dass als kommissarische Leiterin der Rusada ausgerechnet eine Frau eingesetzt wurde, die früher nachweislich Sportler vorab über anstehende Dopingtests informierte, bekümmert ihn nicht.

Aufklärung? Fehlanzeige

Doch Aufklärung zählt nicht zu Mutkos Prioritäten, auch das sagt er in dem Interview ganz deutlich:

"Das alles wurde untersucht, es wurden bestimmte Entscheidungen gefasst, Ihr Film hat geholfen, wir haben viele Dinge eingesehen. Wir wollen ein starkes, unabhängiges und transparentes Anti-Doping-System aufbauen. Wenn man uns hilft, schaffen wir es schneller. Aber wenn nicht, dann schaffen wir das trotzdem. Und dieses ständige "wer was wo vertuscht hat", das interessiert mich nicht, muss ich ehrlich sagen."

Zum Interview mit Vitalij Mutko bei sportschau.de

Update:

Doping-Experte Hajo-Seppelt machte am Freitagmorgen im Deutschlandfunk klar: Wenn sich die Vorwürfe bestätigen sollten, dass russische Sportler staatlich gedopt worden seien, müssen nicht nur Sportler, sondern auch das russische Nationale Olympische Komitee von den Olympischen Spielen suspendiert werden. Die Zeit der alten Sportstrukturen sei vorbei, .

Der Vorstandsvorsitzende des Deutschen Olympischen Sportbunds, Michael Vesper, mahnt angesichts massiver Doping-Vorwürfe gegen Russland zur Zurückhaltung. , die Berichte seien besorgniserregend. Doch sollte es keine Vorverurteilungen geben. Bei der Aufklärung sei nun die Welt-Anti-Doping-Agentur gefragt.

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