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StartseiteWirtschaft am MittagNette Worte für die Klima-Demonstranten03.05.2019

RWE-HauptversammlungNette Worte für die Klima-Demonstranten

RWE ist so etwas wie der Hauptfeind vieler Klimaschützer. Schließlich bläst der größte deutsche Stromerzeuger mit seinen Kohlekraftwerken viel klimaschädliches CO2 in die Luft. Die heutige Hauptversammlung des Konzerns war deshalb auch das Ziel einer "Fridays for Future"-Demonstration.

Von Olaf Biernat

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Schüler bei einer Demonstration halten Plakate mit Sprüchen wie "Kohle ins Museum" und "Stop RWE". (picture alliance/Roland Weihrauch/dpa)
Schülerdemo vor der Essener Grugahalle, in der die RWE-Hauptversammlung stattfindet. (picture alliance/Roland Weihrauch/dpa)
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Lautstark demonstrieren fast 1.000 Schüler und Aktivisten vor der Essener Grugahalle. Die "Fridays for Future"-Bewegung fordert den RWE-Konzern auf, Kohlekraftwerke schnell abzuschalten. Hannah Kamphausen hat die Demo angemeldet, sie ist gekommen:

"... weil wir den Ausstieg aus der Kohleenergie fordern, und weil RWE im Hambacher Wald auch Tatsachen schafft und nicht kooperiert und nicht einsieht, dass zugunsten des Klimawandels ein Ausstieg notwendig ist. Und weil wir einfach an die Aktionäre hier appelieren wollen und zeigen wollen, dass es da große Gegenwehr gibt."

RWE-Chef: "Zum Fordern gehört auch Machen"

In der Halle geht RWE-Vorstandschef Rolf Martin Schmitz auf die Forderungen der Demonstranten ein. Und begrüßt, dass Schüler sich generell für ein Thema wie den Klimaschutz interessieren, aber:

"'Fridays for Future' hebt ein Thema deutlich hörbar auf die Tagesordnung und drückt es so ins Bewusstsein aller. Doch zum 'Fordern' gehört auch das 'Machen'. Wir haben die Weichen in diese Richtung gestellt. Und dabei werden wir Visionen und Machbares im Auge behalten. Das Machbare kommt mir leider in vielen Diskussionen zu kurz."

Der Konzernlenker hat das "Neue RWE" ausgerufen. Möglich macht das ein Tauschgeschäft mit dem Konkurrenten Eon. Die beiden Energieriesen wollen die RWE-Tochter Innogy unter sich aufteilen. Eon übernimmt die Strom- und Gasnetze, RWE die Ökostromproduktion.

"Unsere Transaktion mit Eon ist eine der größten in der deutschen Industriegeschichte. Sie macht uns zu einem der führenden Produzenten von Strom aus erneuerbaren Energien weltweit."

Jedes Jahr will das Essener Unternehmen rund 1,5 Milliarden Euro in erneuerbare Energien stecken. Unter anderem in neue Windparks in Schweden und England sowie in Solarstromkraftwerke in Australien. Aber bis das Geschäft mit dem Ökostrom ausgebaut ist, setzt RWE weiter auf die Kohleverstromung. Erst 2038 will man komplett aussteigen. Für Thomas Dreser, Portfoliomanager einer Fondsgesellschaft, die an RWE beteiligt ist, ist das zu spät:

"Das ist ein sehr langer Zeitraum bis dahin. Und wir wären nicht überrascht, wenn die Politik mehr Druck im Laufe der Zeit ausüben wird. Und auch deshalb darf sich RWE nicht auf das Jahr 2038 versteifen, sondern muss so schnell wie möglich mit weniger Kohleproduktion auskommen können. Und wir werden auch das Management daran erinnern, dass da das Nötige eingeleitet wird."

Umsiedlungen am Hambacher Tagebau sollen weitergehen

Auch für den Braunkohleabbau im Hambacher Forst fand RWE-Chef Martin Schmitz klare Worte. Er verurteilte die anhaltenden Attacken von Aktivisten auf Polizisten, Mitarbeiter und Betriebe. Denn schließlich sei die Rodung des Hambacher Forsts vorerst gestoppt - ob es weitergehe, müssen Verhandlungen zeigen. Einen Stopp der Umsiedlungen am Braunkohletagebau aber lehnte Schmitz ab:

"Die Umsiedlungen in Garzweiler müssen aus sozialen und energiewirtschaftlichen Gründen planmäßig und vollständig abgeschlossen werden. Denn die Kohle in diesen Bereichen wird schon in frühen 2020er-Jahren benötigt, um die verbleibenden Kraftwerke weiterhin versorgen zu können. Und dies steht im Einklang mit den Empfehlungen der Kommission."

Die Aktionäre stützen den Kurs des Essener Energiekonzerns. Denn schon im zweiten Jahre in Folge war die Aktie unter den Top drei im Deutschen Aktien-Index. Und auch die Dividende liegt mit 70 Cent deutlich über dem Vorjahreswert. Aber auch bei den Aktionären ist angekommen, dass Klimaschutz langfristig der richtige Weg ist.

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