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Ryanair-StreikCockpit: "Es geht um einfache Dinge wie geregelten Urlaub oder Kündigungsschutz"

Mitarbeiter der Fluglinie Ryanair stehen während eines 24 Stunden dauernden Warnstreiks mit Masken des Vorstandsvorsitzender von Ryanair, Michael O'Leary, im Flughafen. Die Gewerkschaften Cockpit und Verdi hatten zu dem Warnstreik aufgerufen. (dpa/Silas Stein)
Streik deutscher Ryanair-Mitarbeiter (dpa/Silas Stein)

Vor dem Hintergrund der Streiks bei der Fluggesellschaft Ryanair hat der Vize-Vorsitzende der Pilotengewerkschaft "Vereinigung Cockpit", Wahl, die Forderung nach besseren Arbeitsbedingungen bekräftigt.

Es gehe weniger um eine bessere Vergütung als um einfache Dinge wie geregelten Urlaub, was bei anderen Arbeitgebern selbstverständlich sei, sagte Wahl im Deutschlandfunk. Außerdem verlange man einen besseren Kündigungsschutz, geregelte Rentenansprüche oder den Schutz davor, sehr kurzfristig in ein anderes europäisches Land versetzt zu werden.

Er berichtete von einem Piloten, der binnen einer Woche dauerhaft von Frankfurt-Hahn zum Dienst nach Polen versetzt worden sei, nachdem er es gewagt habe, beim Management vorzusprechen, führte der Gewerkschafter aus. Die Alternative für ihn wäre die Kündigung gewesen. Ryanair versuche, die Beschäftigten mit der Angst um den Arbeitsplatz unter Druck zu setzen. Dass mittlerweile europaweit Piloten und Flugbegleiter und andere Angestellte Streiks organisierten, zeige, dass die schlechten Arbeitsbedingungen zum "System Ryanair" gehörten. Wahl zeigte sich zuversichtlich, dass es in Zukunft echte Tarifverträge beim Ryanair geben werde - auch wenn das Unternehmen aus seiner Sicht am liebsten schlicht die aktuellen Bedingungen mit "Tarifvertrag" überschreiben wolle.

Die Streiks wendeten sich dagegen nicht gegen das Geschäftsmodell des Billigfluganbieters, betonte Wahl. Wenn Unternehmen ihre Angestellten vernünftig behandelten, bedeute das nicht, dass sie kein Geld mehr verdienten. Dass das auch im Low-Cost-Flüge-Sektor funktioniere, zeige etwa das Beispiel des Ryan-Air-Konkurrenten EasyJet.

Ryanair-Chef O'Leary wies den Vorwurf, streikende Mitarbeiter mit Jobstreichungen zu bedrohen, zurück. Es werde nicht wegen eines Streiktags zu Kürzungen kommen. Der Organisationchef Bellew fügte jedoch im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa hinzu, sollte es jedoch weitere Streiktage geben, könnte das Folgen haben. Das würde das Geschäft des Billigfliegers in Deutschland zerstören. Man könne gezwungen sein, einzelne Flugzeuge aus kleineren, ertragsschwächeren Standorten abzuziehen. An die Schließung ganzer Basen sei eher nicht gedacht. Grundsätzlich wolle Ryanair in Deutschland wachsen.

O'Leary betonte, man sei den Mitarbeitern bereits in allen wichtigen Punkten entgegengekommen. Das einzige, was man abgelehnt habe, sei die aberwitzige Forderung nach höheren Gehältern. Man zahle bereits jetzt bessere Gehälter als Mitbewerber. Er rief die Gewerkschaften auf, an den Verhandlungstisch zurückzukehren.

Noch bis in die Nacht hinein soll gestreikt werden. Der 24-stündige Ausstand soll morgen früh um drei Uhr enden. In Deutschland wurden 150 von 400 Flügen abgesagt. Zu dem Streik haben die Gewerkschaften Cockpit und Verdi aufgerufen. Verhandlungen zwischen beiden Seiten waren in den vergangenen Wochen ohne Ergebnis geblieben.