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StartseiteOn StageLagerfeuer-Soul mit Augenzwinkern06.11.2015

Sängerin Celina Bostic Lagerfeuer-Soul mit Augenzwinkern

Eine Stimme wie das pralle Leben: voll- und tolltönend, weich und leicht zugleich. Celina Bostic zu lauschen macht genauso viel Spaß, wie es ihr offenbar Freude macht zu singen. Ob als Backgroundsängerin bei Peter Fox, Max Herre, Bushido, Herbert Grönemeyer oder im Farin Urlaub Racing Team oder aber als Solokünstlerin.

Eine Frau spielt Akustikgitarre und steht mit geschlossenen Augen vor einem Mikrofonständer. (Deutschlandradio / Carsten Nüssler)
Spielt laut eigener Aussage "Lagerfeuersoul": Die Sängerin und Songwriterin Celina Bostic. (Deutschlandradio / Carsten Nüssler)

Celina Bostic singt und spielt sich direkt in die Herzen des Publikums. Dabei macht sie, wie die Aufzählung der unterschiedlichen Musiker schon zeigt, keinen Halt vor Genregrenzen. Sie hat sogar für Yvonne Catterfeld Songs geschrieben. Mühelos gelingt ihr der Brückenschlag zwischen Volksliedern und Hip-Hop, Großstadtjargon und Lagerfeuersoul.

"Da meine Künste auf der Klampfe so schrammelig sind - ein Relikt meiner Zeit bei den Pfadfindern - ist es einfach Lagerfeuersoul", sagt sie über ihrem speziellen Musikstil. Eine Band braucht Celina Bostic auf der Bühne nicht, nur ihre Gitarre und ein elektronisches Hilfsmittel, eine Loopstation.

Damit nimmt sie Rhythmen und Chorgesang live auf und kann sich damit selbst begleiten. Ihre Lieder sind Geschichten mitten aus dem Leben, in dem nichts fix und eindeutig ist. Die Musikerin legt die Widersprüche frei, mit denen wir im Alltag leben und sucht den dialektischen Weiterdreh - kein bisschen verkopft, sondern mit mehr als nur einem Augenzwinkern. Nach vielen Tourneen mit namhaften Kollegen nimmt sie sich in diesem Jahr auch Zeit für eine eigene Tour als Solistin.

Aufnahme vom 28.8.15 auf dem Theaterkahn in Dresden


Thekla Jahn: "Sie haben mit den Großen der deutschen Musikszene gearbeitet: mit Herbert Grönemeyer, mit Udo Lindenberg, mit Farin Urlaub, mit Max Herre, mit Peter Fox und vielen mehr. Das sind ganz unterschiedliche Richtungen vor allem wenn man bedenkt, dass Sie auch noch mit Westbam gearbeitet haben, mit K.I.Z. - da denkt man sich: Die Dame kennt keine Genregrenzen. Ich vermute aber, dass Sie persönlich einen Stilfavoriten haben?"

Celina Bostic: "Ja!. Farin Urlaub, der ist der Beste. Nee, wirklich. Ich kann ja allen Musikern, wenn ich mich mit denen mal beschäftige, fast allen etwas abgewinnen. Aber bei Farin Urlaub ist es so, da war ich seit 2002 in der Band - also jetzt 13 Jahre - das prägt einen schon sehr. Ich hab da ganz viel mitgenommen, ganz viel gelernt und ganz viel Freude gehabt, mit den Musikern vom Farin Urlaub Racing Team zu arbeiten."

Jahn: "Jetzt ist es aber an der Zeit alleine zu arbeiten und damit draußen zu sein. Sie haben ihr neues Album "Zu Fuß" im Eigenverlag herausgebracht und den neuen Verlag "Lagerfeuer Records" genannt. Da frag ich mich: Ironie oder Ernst? Was verbinden Sie mit Lagerfeuer – man kann es ja so oder so verstehen?"

Schrammelgitarre bei den Pfadfindern gelernt

Bostic: "Das ist total ernst gemeint. Ich war früher bei den Pfadfinder n und habe da Gitarre gelernt. Und das ist eher so die Schrammelgitarre gewesen – was man so halt ums Lagerfeuer herum spielt: Countryroads und so. Das ist auf jeden Fall ein Teil meiner Wurzeln, wie ich aufgewachsen bin, auch mit der deutschen und irischen Volksmusik. Wir haben ganz viel gesungen bei den Pfadfindern und daher kommt dieses Lagerfeuer. Also, es ist schon sehr ernst gemeint."

Jahn: "Jetzt haben Sie Ihre Songs auch mal betitelt als "Lagerfeuersoul." Was genau meinen Sie damit? Was ist guter Lagerfeuersoul?"

Bostic: "Das ist so ein bisschen mein eigenes Genre, das ich kreiert habe. Soul halt nur, weil meine Stimme so ein bisschen soulig ist und ich auch sehr gerne Hip Hop höre und das jetzt auch live mit meiner Loopstation verbinde. Und dann Lagerfeuer: das ein bisschen schrammelige, einfache Gitarrenspiel . Und so habe ich mir gedacht, nenne ich halt meine Musik. Ich glaube, es gibt keine anderen Künstler, die in dieses Genre passen. Keine Ahnung, vielleicht ja, doch ? Ich habe das einfach so für mich definiert."

Jahn: "Die große Soulstimme, die Sie haben, die ist Ihnen mehr oder weniger in die Wiege gelegt worden. Ihr Vater Earl Stanley Bostic ist in Amerika geboren, war dort im Kirchenchor, hat viele Instrumente gespielt und ist in Deutschland vor allem als Jazzbassist bekannt gewesen. Wie war das in Ihrer Kindheit: War ständig Groove und Gesang dabei, so dass Sie kostenlosen Unterricht von Papa hatten?"

"War ein Papakind"

Bostic: "Jein . Also mein Vater hat sehr viel Bass geübt, viel Kontrabass: Jazz wie auch klassisch. Ich allerdings, ich wollte ja nie Musiker werden. Ich habe ein sehr ambivalentes Verhältnis zur Musik gehabt, weil ich das immer so doof fand, dass mein Vater immer weg war auf Tour , als ich klein war, weil ich so ein Papakind war. Und deswegen habe ich meinen Eltern mit fünf Jahren geschworen, dass ich niemals Musiker werde: Hat super geklappt!. Aber irgendwann habe ich dann doch gemerkt, dass es meine Leidenschaft ist, es hat aber einige Jahre gedauert, bis ich es mir dann eingestanden habe, dass ich auch wirklich ein Talent dazu habe."

Jahn: "Sie haben Ihrem Papa auch ein musikalisches Denkmal gesetzt mit dem Titel "Papa". Da gibt es eine Zeile, die ist ziemlich lustig: "Alles Stricher außer Papa". Ist es so schlimm: Kommt kein Mann an Papa ran, also haben es die Männer so schwer bei Ihnen?"

Bostic: "Nee. Das ist mit einem großen Augenzwinkern gesungen. Das werden Sie merken, wenn Sie den Song hören. Nein, das ist überhaupt nicht ernst gemeint. Also meine ganzen Songs sind eh alle mit einem Augenzwinkern zu sehen und es gibt auch schon tolle Männer da draußen."

Jahn: "Die Songs von Celina Bostic sind wirklich auch textlich ganz spannend und nicht diese Selbstbespiegelungslyrik, die deutsche Singer/Songwriter so lieben, vor allem auch die aus Berlin. Sie sind weder selbstmitleidig, noch selbstverliebt. Was hat Sie immun gemacht gegen das Virus?"

Bostic: "Ist das ein Virus? Ich finde es gibt ganz tolle Singer/Songwriter und ich finde auch dieses melancholische schön. Aber ich für mich habe einfach gemerkt, dass ich gern ein etwas optimistischeres, positives Album machen will. Ich wollte nicht dann noch eine Künstlerin sein, die nur traurige Songs spielt und nur irgendwie Betroffenheitslyrik ...und das war so ein Entschluss und es ist auch gar nicht so einfach, positive Songs zu schreiben. Aber irgendwie hat´s dann auch geklappt."

 

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