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StartseiteOn StageIntimes Songdebüt 01.04.2016

Sängerin Michelle WillisIntimes Songdebüt

Schüchtern trat Michelle Willis vor 1.000 Menschen auf die Kölner Bühne, um den Abend für die Jazzrockformation Snarky Puppy zu eröffnen. Die Kanadierin setzte sich ans Fender Rhodes E-Piano, spielte und sang mit dunkler Stimme intime, träumerisch-melancholische Lieder mit komplexen Melodien - und zog das Publikum augenblicklich in ihren Bann.

Am Mikrofon: Tim Schauen

Eine Frau mit langen schwarzen Haaren steht hinter einem E-Piano auf einer Konzertbühne und spricht zu den Zuschauern. (Deutschlandradio / Tim Schauen )
Das Debütalbum "See us through" der kanadischen Sängerin/Songwriterin Michelle Willis erscheint Mitte Mai 2016. (Deutschlandradio / Tim Schauen )
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"Für das Publikum von Snarky Puppy zu spielen ist ein Traum, denn: Sie lieben Musik! Eigentlich sind sie eine instrumental spielende Jazzband, die aber noch ganz viele andere Einflüsse in ihrer Musik hat. Das Publikum ist wirklich offen, ist einfach toll – zumal das ja auch eine Menge Leute sind. In Köln waren das ja um 1.000 Besucher, und Snarky Puppy-Konzerte sind meist recht groß, dennoch hätte man aber eine Stecknadel fallen hören können, weil die Zuhörer wirklich aufmerksam sind. Ich weiß, dass das wirklich etwas Besonderes ist und ich wirklich großes Glück hatte.

Ich würde meine Songs als eine Mischung aus Folk, Jazz und Soul-Musik beschreiben - mit einer Menge Gesang darauf. Und das spiegelt auch meine musikalische Herkunft, meine Einflüsse wider. Ich habe als Kind ständig in Chören gesungen, war auf der Jazzschule, habe in Roots- und Folkbands gesungen. Und wirklich alles, was ich in den letzten sieben oder acht Jahren gehört habe, war Soul und Gospel - von den 1950ern bis jetzt. Ich habe also all diese Einflüsse kombiniert und vermischt.

Musikalische Ausbildung

Meine musikalische Ausbildung begann eigentlich schon zuhause in der Familie. Wir haben viel mehrstimmig gesungen, meine Eltern und meine Verwandten lieben Musik so sehr, dass es einfach auf mich überspringen musste. Ich habe zehn Jahre in einem Kirchenchor und anderen Chören gesungen, da habe ich viel gelernt und vor allem viel gesungen. Dazu habe ich immer mal wieder Klavierunterricht gehabt, aber irgendwie nicht so richtig. Am Klavier war ich noch nicht zuhause, als ich klein war, ich hatte keine Vorbilder am Klavier, ich musste ausprobieren, Klänge und Akkorde bilden, die mir gefielen. Später bin ich dann auf die Jazzschule gegangen und habe Klavier und Gesang studiert.

Am Klavier zuhause

Danach ging meine Ausbildung weiter, in dem ich mit so vielen Leuten Musik gemacht habe. Ich spielte vier Jahre in einer Band namens "Three Metre Day", wo ich von Slide-Gitarrist Don Rooke und dem Geiger Hugh Marsh viel gelernt habe. Zum Beispiel darüber, was es bedeutet, professioneller Musiker zu sein, anderen Musikern zuzuhören und mit ihnen zu spielen. Aber auch: Wie man Musik macht und sich daraus eine Karriere entwickeln könnte. Dazu habe ich eine ganze Menge Platten gehört: Die Musik von Joni Mitchell hat mich in wichtigen Phasen meines Lebens begleitet, alles war mit der Musik von Joni Mitchell unterlegt. Vor allem aber bewundere ich sie dafür, wie sie ihre Stimme eingesetzt hat, etwas zu sagen. Und das zu einer Zeit, als Frauen noch nicht so weit vorne waren, noch nicht so gehört wurden. Zumal sie sich hinter ihren männlichen und sehr guten Musikern hätte verstecken können.

Carole King, Shawn Colvin, Donny Hathaway

Dann war da noch Carole King, die unglaublich gute Songs geschrieben hat, das war harte Arbeit für sie, aber das Ergebnis: Wow! Shawn Colvin: tolle Songwriterin, ebenso Einzelkämpferin wie Joni Mitchell. Shawn Colvin ist eine tolle Gitarristin, und sie hat mit vielen verschiedenen Leuten zusammengearbeitet, was ich nicht so einfach finde. Außerdem mag ich den amerikanischen Soul-Musiker Donny Hathaway – soulful, voller Seele – das hört man inzwischen so oft. Aber Donny Hathaway ist eines der Originale. Wenn ich Musik von ihm höre, bricht sofort alles aus mir heraus, er ist außerdem der Grund, warum ich Wurlitzer-Orgel spiele. Ich liebe den Sound, wenn er dieses Instrument spielt.

Bonnie Raitts Melodien

Bei Bonnie Raitt sind Melodien so klar und so gut auf ihre eigene Art, und was ich noch an ihr mag: Sie sucht sich nur Songs aus, die sie auch gut darbringen kann. Sie spielt nichts, nur weil es populär ist, sondern nur Stücke die zu ihr passen. Mary Margaret O' Hara aus Kanada hat mich ebenfalls stark beeinflusst. Sie sang bei den Henrys bevor ich dort eingestiegen bin und ich lernte von ihr, locker und frei zu sein, loszulassen. Sie scheint so zerbrechlich und kraftvoll zugleich, wenn sie singt, wie aus einer anderen Welt. Das versuche ich, in meiner Musik auch zu erreichen."

Dieses Konzert können Sie nach der Ausstrahlung sechs Monate lang online nachhören.

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