Dienstag, 22.09.2020
 
Seit 10:08 Uhr Sprechstunde
Startseite@mediasresDer Sprachcheck26.08.2020

Sagen & MeinenDer Sprachcheck

Viel zu oft setzen sich fragwürdige Begriffe und Euphemismen in Medien fest, zum Beispiel das "Gute-Kita-Gesetz", das "Familiendrama" oder der "Lockdown". Solche Formulierungen hinterfragen wir in der Reihe "Sagen & Meinen – der Sprachcheck".

Hören Sie unsere Beiträge in der Dlf Audiothek
Ein Verkehrsschild mit der durchgestrichenen Aufschrift "BlaBla Ende" (dpa / Britta Pedersen )
Mit der Reihe "Sagen & Meinen" wollen wir auf unpassende Formulierungen aufmerksam machen (dpa / Britta Pedersen )
Mehr zum Thema

Aus der Nachrichtenredaktion Warum wir nicht vom "Gute-Kita-Gesetz" sprechen

Framing in den Medien Kalkulierter Tabubruch

"Hart aber fair" Streit um Thema und Framing

Political Framing Die Macht der politischen Sprachbilder

Ein "Familiendrama" ist höchstens ein Streit über den Hausputz, aber keinesfalls ein Dreifachmord an Frau und Kindern.

Für einen angeblichen "Friedensplan",  wie ihn US-Präsident Donald Trump für Israel angekündigt hat, müssten zumindest alle befragt worden sein, die Frieden schließen sollen.

Und kann man wirklich noch verharmlosend von einem "Klimawandel" sprechen, wenn wir – wissenschaftlich untermauert - eher auf eine Klimakatastrophe zusteuern?

Oder: Die Frage, wie konsequent Doppelformen (also die weibliche sowie die männliche Form) verwendet werden:

Botschaften hinter den Begriffen offenlegen

Wie wir über die Dinge reden, prägt oft auch, wie wir die Dinge behandeln. Und wie wir sie behandeln, zeigt sich oft auch in der Sprache. Deswegen ist es so wichtig, darauf zu schauen, wie wir beides tun. Politikerinnen und Politiker, Medienschaffende und alle, die mit beidem zu tun haben. Oft sagen sie das eine, meinen aber in Wirklichkeit etwas ganz anderes.

Die neue Rubrik bei @mediasres hinterfragt solche Begriffe. Wir erklären, welche Absicht damit verbunden sein kann und welche sprachlichen Alternativen es gibt. Kurz und knapp zeigen wir auf, worin der Unterschied zwischen Sagen und Meinen besteht.

Alle Folgen in der Übersicht

Ein Mann läuft am 17. März mit einer Schutzmaske vor dem Pariser Centre Pompidou über die Straße. (imago images / Le Pictorum / Chloe Sharrock) (imago images / Le Pictorum / Chloe Sharrock)Folge 1: Warum Ausgangs-beschränkungen kein Lockdown sind 
Während der Coronakrise werden in den Medien viele Begriffe für die Einschränkungen im öffentlichen Leben verwendet. Besonders oft ist dabei die Rede vom Shut- oder vom Lockdown. Dabei sind diese Bezeichnungen für die Situation in Deutschland unpassend.

Symbolbild Spardose in Autoform, gefüllt mit Eurostücken. Mit einer Kaufprämie soll der Absatz von Neufahrzeugen angekurbelt werden. (dpa / picture alliance / Nikky / VisualEyze) (dpa / picture alliance / Nikky / VisualEyze)Folge 2: Warum die Autoprämie gar keine Prämie ist 
Die Bundesregierung will bis Anfang Juni entscheiden, ob und wie sie die Autoindustrie finanziell unterstützt. In den Berichten zum Thema ist dabei oft von einer Kaufprämie die Rede. Es gibt allerdings gute Gründe, diesen Begriff nicht zu benutzen.

  (Christian Mang/POOL reuters/dpa) (Christian Mang/POOL reuters/dpa)Folge 3: Warum Infizierte nicht immer Erkrankte sind
In Berichten über die Ausbreitung der Corona-Pandemie ist häufig von "Neuinfizierten" innerhalb eines Tages die Rede. Dabei geben die Zahlen das gar nicht her. Richtig kompliziert wird es, wenn nicht zwischen Infizierten und Erkrankten unterschieden wird.

  (dpa/Sebastian Gollnow) (dpa/Sebastian Gollnow)Folge 4: Warum es nicht "Verschwörungstheorie" heißen sollte
Sogenannte "Verschwörungstheorien" haben im Zuge der Coronakrise Hochkonjunktur und werden so auch in den Medien bezeichnet. Dabei trifft "Theorie" auf die Erzählungen, Ideologien und Mythen gar nicht zu.

  (dpa / Ulrich Baumgarten) (dpa / Ulrich Baumgarten)Folge 5: Warum es neben Coronavirus so viele andere Begriffe gibt
Zunächst war in Medien vor allem vom Cornavirus die Rede, dann von Covid-19 – und inzwischen kursieren noch mehr Fachbegriffe. Dabei ist es auch hier wichtig, ganz präzise zu berichten.

Protestierende halten Plakate mit der Aufschrift "Black Lives Matter" in die Höhe.  (Consolidated News Photos/Amanda Andrade-Rhoades) (Consolidated News Photos/Amanda Andrade-Rhoades)Folge 6: "Rassenunruhen" - ein "grundfalscher" Begriff
Seit Wochen demonstrieren vor allem in den USA zehntausende Menschen gegen Rassismus und Polizeigewalt. Wenn dabei von "Rassenunruhen" gesprochen wird, ist das nicht wirklich treffend.

Ein Datenträger mit dem Schriftzug "Kinderpornographie" im CD-Laufwerk eines Laptops. (dpa / Uwe Zucchi) (dpa / Uwe Zucchi)Folge 7: "Kinderpornographie" – kein Porno, sondern Missbrauch
Immer wieder berichten Medien über Kindesmissbrauchsfälle. Oft ist dann auch die Rede von "Kinderpornographie". Doch der Begriff ist unpassend und verharmlost Gewalt gegen Kinder.

  (dpa/Guido Kirchner) (dpa/Guido Kirchner)Folge 8: "Pädophilie": Keine Straftat
In der Berichterstattung über Kindesmissbrauchsfälle ist auch oft die Rede von Pädophilie. Der Begriff wird allerdings oft nicht richtig eingeordnet, denn bei weitem nicht alle Pädophile vergehen sich an Kindern. Pädophilie ist auch keine Straftat.

 Folge 9: "*Innen" - Es gibt auch Rechtspopulistinnen
Manche sagen Politiker, meinen aber auch Politikerinnen. Frauen sollen sich natürlich auch angesprochen fühlen - das ändert sich. Trotzdem reden wir oft nur von Terroristen. Konsequent?

  (Imago Images/Future Image) (Imago Images/Future Image)Folge 10: Die selbsterklärten "Sparsamen Vier"
In Berichten über die Haushaltspolitik der EU sprechen viele Medien derzeit von den "Sparsamen Vier" – ein Titel, den Österreich, die Niederlande, Schweden und Dänemark selbst mitgeprägt haben. Auch deshalb wäre es besser, darauf zu verzichten.

  (imago stock&people) (imago stock&people)Folge 11: Die Last mit Steuerbegriffen
Wenn Medien über Steuern berichten, dann häufig mit Wortkonstruktionen, die das Thema als etwas Negatives erscheinen lassen: Steuerbelastung zum Beispiel. Neutral ist das nicht – denn die positiven Seiten des Themas bleiben so auf der Strecke.

  (picture alliance/Wolfgang Kumm/dpa) (picture alliance/Wolfgang Kumm/dpa)Folge 12: Kindesmissbrauch: Treffender Begriff?
Beim Begriff "Kindesmissbrauch" meinen einige, dass daran etwas nicht stimmt. Wenn es möglich ist, Kinder zu missbrauchen – müsste es dann nicht auch möglich sein, sie zu gebrauchen? Eine verständliche Schlussfolgerung. Das sehen aber nicht alle so.

Nahaufnahme von Münzen, die in einer Hand liegen. (Eyeem / Westend61) (Eyeem / Westend61)Folge 13: Wer ist wirklich "sozial schwach"?
Menschen, die wenig Geld haben, werden in den Medien oft als "sozial schwach" bezeichnet. Dabei ist eine soziale Schwäche etwas völlig anderes. Deshalb wäre es deutlich sinnvoller, auf andere Begriffe zurückzugreifen.

Flagge von Belarus (Weißrussland), 3-D-Illustration *** Flag of Belarus, 3 D illustration Copyright: imageBROKER/CarstenxReisinger ibxcrs05777319.jpg Bitte beachten Sie die gesetzlichen Bestimmungen des deutschen Urheberrechtes hinsichtlich der Namensnennung des Fotografen im direkten Umfeld der Veröffentlichung! (www.imago-images.de) (www.imago-images.de)Folge 14: Weißrussland oder Belarus? Wenige Tage vor den Parlamentswahlen in Belarus sind sich viele Menschen hierzulande unsicher, wie das Land nun wirklich heißt. Noch bei den Olympischen Spielen hieß es Weißrussland – nun taucht immer öfter die Bezeichnung Belarus auf.

  (dpa) (dpa)Folge 15: Über Armut sagen die Zahlen wenig aus
Regelmäßig veröffentlicht das Statistische Bundesamt seine Zahlen zur Armutsgefährdung, manchmal wird auch von "Armutsrisiko" gesprochen. Aber: Was wird da eigentlich gemessen? Die Gefährdung? Oder eigentlich nur Armut? Und welche Armut genau?

Zwei Bundespolizisten in der Rückansicht  (picture alliance / Andreas Gora) (picture alliance / Andreas Gora)Folge 16: Über Polizeigewalt reden – aber präzise
Der Begriff "Polizeigewalt" wird meist im Zusammenhang mit unrechtmäßiger Gewalt verwendet – ist aber nicht ganz zutreffend. Denn Polizistinnen und Polizisten dürfen laut Gesetz Gewalt anwenden.

Ein Schild mit der Aufschrift "Stopp! Ab hier ist das Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung Pflicht!" steht in einer Fußgängerzone. (dpa / Hauke-Christian Dittrich) (dpa / Hauke-Christian Dittrich)Folge 17: Wer sagt Nein zur Maske?
An vielen Orten – etwa im öffentlichen Nahverkehr oder in Geschäften – müssen während der Corona-Pandemie Masken getragen werden. Manche Menschen widersetzen sich dieser Pflicht. Der Begriff Maskenmuffel passt für sie aber nicht.

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk