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StartseiteKultur heuteMit dem Smartphone gegen Verdi16.08.2019

Salzburger FestspieleMit dem Smartphone gegen Verdi

Andreas Kriegenburg gehörte einst zu den wichtigsten Schauspielregisseuren, mit einer ungeheuren Fantasie erzählte er alte Stoffe neu, animierte sein Ensemble häufig zu darstellerischen Höchstleistungen. In den letzten Jahren inszeniert er zunehmend Oper an großen Häusern – und enttäuscht regelmäßig.

Von Jörn Florian Fuchs

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Verdis "Simon Boccanegra" Bei den Salzburger Festspiele 2019: Antonio Di Matteo (Pietro), André Heyboer (Paolo Albiani, Ensemble auf der Bühne (Salzburger Festspiele / Ruth Walz)
Heere von Anzugträgern, mit Smartphone und Tablet bewaffnet, marschieren herum, man twittert und postet "Make Genoa great again" (Salzburger Festspiele / Ruth Walz)
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2017 inszenierte Andreas Kriegenburg in Salzburg Dmitri Schostakowitschs "Lady Macbeth von Mzensk" mit allerlei biederem Sexgehampel und ziemlich schwerfälliger Personenführung. Jetzt folgte Giuseppe Verdis "Simon Boccanegra", ein dunkles Stück, in dem der Zweikampf zwischen dem Titel(Anti)Helden und Fiesco im Zentrum steht, auf politischer wie privater Ebene. Das Stück spielt in Genua, bei Kriegenburg marschieren Heere von Businessanzugträgern herum, mit Smartphone und Tablet bewaffnet, man twittert und postet Stupendes wie "Make Genoa great again". In einer riesigen Halle mit vorwiegend leeren Räumen, ein paar Pflanzen, einem Konzertflügel und Büromobiliar möchte die Regie - laut Programmbuch - einen "Vulkan unter Hochdruck" zeigen. Tatsächlich wirken viele Auftritte eher unfreiwillig komisch. Die Menschenmassen agieren entweder statisch oder verstolpert, den Solisten glaubt man ihre Emotionen vor allem dann, wenn sie einfach an der Rampe stehen und man sie in Ruhe lässt. Lediglich die Schlussszene, als der sterbende Boccanegra seinem Widersacher Fiesco eröffnet, dieser habe eine Enkelin, geht wirklich unter die Haut. Der Rest wird leider zum Fiasko.

Düsterer Glanz und starke Momente

Dafür gibt es eine veritable musikalische Überraschung. Der chronisch überarbeitete, meist zu wenig probende Valery Gergiev sorgt mit den Wiener Philharmonikern für düsteren Glanz und starke Momente. Obwohl es mehrfach koordinationsmäßig scheppert und Gergiev kaum sängerfreundliche Einsätze gibt, entsteht doch ein großartiger Gesamtklang, reich an abgründiger Schönheit und messerscharfen Verzweiflungsmomenten. Noch überzeugender ist die Sängerriege. Luca Salsi gibt Simon Boccanegra vokal ideal, mit perfekter Diktion, kraftvoll fließenden Linien. Marina Rebeka erfreut in der Rolle der Amelia Grimaldi mit zartestem Trauergesang und eleganten Spitzentönen, nur manchmal klingt es ein bisschen schrill, Charles Castronovo überzeugt als Gabriele Adorno. Adorno wird am Ende des Stücks der neue Doge, die passende Stimme hat er. Sensationell gelingt René Papes Rollendebüt als Fiesco, zwar darf er dank Kriegenburg szenisch vorwiegend chargieren, dafür bietet er ein vokales Feuerwerk von Emotionen, dazu in perfektem Italienisch. Ein weiteres musikalisches Pfund ist die Konzertvereinigung Wiener Staatsopernchor, die trotz szenischer Behinderung mächtig und präzise aufdreht.

Opernprofis sollten es schon sein

Festspieldoge Markus Hinterhäuser wollte bei dieser Premiere, die übrigens völlig aus der heurigen Operndramaturgie rund ums Thema Mythos herausfällt, wohl auf Nummer sicher gehen. Warum auch nicht, es müssen ja nicht immer Regierevoluzzer mit Risikopotenzial auftreten. Aber Opernprofis sollten es schon sein.

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