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StartseiteUmwelt und VerbraucherSanddorn-Anbau und -Ernte mit neuen Methoden05.01.2005

Sanddorn-Anbau und -Ernte mit neuen Methoden

<strong> Wo Sanddorn wächst, da ist das Meer meist nicht weit: Der Name sagt es schon: Die Sträucher gedeihen auf Sandboden, also da, wo sonst nicht viel wächst und, wer die orangefarbenen Früchte pflücken will, muss kräftig ziehen und sich obendrein auf blutige Finger einstellen. Doch Sanddorn ist gesund und Sanddorn-Produkte liegen im Trend. Die Storchennest GmbH in Ludwigslust gehört zu den wenigen landwirtschaftlichen Betrieben, die in größerem Umfang Sanddorn anbauen. </strong>

Von Eva Firzlaff

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Sanddorn Storchennest GmbH

Am Rand von Ludwigslust erstreckt sich die Plantage. 80 Hektar Sanddorn. An einem Teil der Sträucher leuchten noch die Beeren, schon etwas verblasst, aber immer noch orange. Jeden Herbst wird nur ein Drittel der Sträucher beerntet. Denn Ernte bedeutet einen kräftigen Rückschnitt, erklärt Frank Späthe, Geschäftführer der Storchennest GmbH:

Wir schneiden die Frucht behangenen Äste komplett ab. Mit Blättern und Beeren kommt alles in die Frostung und wird im durchgefrorenen Zustand über eine Rüttelmaschine abgeschüttelt, da die Beeren sehr fest am Strauch hängen und man sie nicht einfach abpflücken kann wie Äpfel z.B. Wenn das Ganze gefroren ist, brechen diese Fruchtstielchen. Ich habe dann am Ende die Beeren einzeln und lose rollend und nicht kaputt und verletzt.

Vor 30 Jahren wurde in Ludwigslust begonnen, mit Sanddorn zu experimentieren:

Mein Vorvorgänger hat von einer Urlaubsreise nach Rügen Sanddornpflanzen mit hier her gebracht. Und zusammen mit der Humboldt-Uni in Berlin und den Berliner Baumschulen hat man in langjähriger Züchtungsarbeit verschiedene Sorten heraus selektiert, die sich durch unterschiedliche Eigenschaften auszeichnen, wie zum Beispiel Fruchtgröße, hohen Vitamin-C-Gehalt, hohen Öl-Gehalt oder hohen Ertrag.

Und extra für die damalige Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft wurde eine Erntemaschine entwickelt. Produziert in der Nähe von Waren an der Müritz, wird sie jetzt auch in China geschätzt.
Ohne diese Maschine wäre an eine effektive Ernte nicht zu denken. Zwar wurde für den Hausgebrauch an der Küste schon immer Sanddorn gemolken, doch das muss man sich so vorstellen:

Dass man mit einem ganz dicken Handschuh an den Ästen entlang streift und dabei die Beeren ausquetscht. An der Krempe von dem Handschuh läuft der Saft runter, den fängt man dann in einem Becher auf.

Dank der Ludwigsluster Erntemethode wird aus einem Kilo Beeren ein dreiviertel Liter Saft gewonnen. Aus diesem wiederum werden 4 bis 5 l Getränk. Den reinen Sanddornsaft kann man nicht trinken, so sauer ist er. Sanddorn enthält 7 bis 8 mal soviel Vitamin C wie Zitrone. Doch nicht nur das macht Sanddorn zur Vitaminbombe:

Das sieht man ja auch an der Farbe, an diesem kräftigen orange, haben wir sehr hohe Karotin-Gehalte, zum Teil auch mehr als bei Karotten. Wir haben sehr viele B-Vitamine, z.B. auch B12, das wichtig ist für Leute, die sich vegetarisch ernähren wollen oder auf Fleischprodukte verzichten müssen. Und wir haben sehr viele Ölsäuren, verschiedene Fette, die für die Haut wichtig sind.

Sanddorn-Erzeugnisse erleben zur Zeit einen Boom: Getränke, Aufstriche, Kosmetik.
In Ludwigslust werden jährlich gut 100 Tonnen Beeren geerntet. Nach eigenen Angaben Deutschlands größter Sanddorn-Produzent.
Der junge Gartenbauingenieur Frank Späthe ist seit 4 Jahren dabei und muss sich sein Wissen selbst erarbeiten. Für die Forschung sind bislang nur die Inhaltsstoffe interessant:

Es gibt sehr viel zu den Inhaltsstoffen, wie man die gewinnen kann und was man damit machen kann. Aber zum Anbau, Pflege, Ernte usw. das ist immer noch Pionierarbeit. So wie man beim Apfelanbau x Datenblätter abfragen kann, zu Düngung und Schnitt... das gibt es beim Sanddorn nicht.

Seine Plantage steht jetzt gut 20 Jahre und wurde noch nie gedüngt:

Man geht halt immer davon aus, dass Sanddorn sehr anspruchslos ist, wenn man sich anguckt, wo er natürlicherweise vorkommt. Wenn man aber Sanddorn so intensiv beerntet wie wir - durch das ständige Abtragen von Ästen, Blättern und Beeren, das führt natürlich auch zu Nährstoffentzug. Wir werden jetzt anfangen zu untersuchen, was habe ich im Boden drin, um dann im Laufe der nächsten Jahre rauszukriegen, was muss ich optimalerweise wieder zuführen.

Stickstoff kann die Pflanze selbst aus der Luft aufnehmen und mit Hilfe eines Strahlenpilzes für sich nutzbar machen. Doch die anderen Nährstoffe?

Es ist so, dass im Sanddorn z.B. sehr hohe Kaliumwerte enthalten sind. Das Kalium muss natürlich irgendwo her kommen. Und wenn ich es nicht zuführe, ist der Vorrat im Boden, gerade im Sandboden, relativ schnell aufgebraucht.

Auch im Baltikum wird Sanddorn angebaut. Gerade haben die Ludwigsluster mit Landwirten aus Estland Sträucher getauscht, um in den nächsten Jahren die fremden Sorten zu testen.

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