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StartseiteForschung aktuellCOVID-19 bei Haus- und Nutztieren30.06.2020

SARS-CoV-2-InfektionenCOVID-19 bei Haus- und Nutztieren

In den Niederlanden hat sich offenbar ein zweiter Mensch bei einem Nerz mit COVID-19 infiziert. Sollte der Kontakt zu Nutztieren eingeschränkt werden? Und spielen auch Haustiere wie Hunde und Katzen bei der Verbreitung des Coronavirus eine Rolle? Ein Überblick.

Thomas C. Mettenleiter im Gespräch mit Lennart Pyritz

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Eine große graue Dogge und eine Katze. (imago / John Daniels)
Hund und Katze sind empfänglich für SARS-CoV-2 - aber damit auch eine Gefahr für ihre Besitzer? (imago / John Daniels)
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Der Biologe Thomas C. Mettenleiter ist Präsident des Friedrich-Loeffler-Instituts, dem Bundesforschungsinstituts für Tiergesundheit. Das Institut erforscht die mögliche Rolle von Tieren beim Coronavirus-Infektionsgeschehen. Im Deutschlandfunk beantwortete Thomas C. Mettenleiter Fragen zum Thema Haus- und Nutztiere im Hinblick auf SARS-CoV-2.

Können Haus- und Nutztiere an COVID-19 erkranken?

International sind bisher nur sehr wenige Fälle von infizierten Haustieren gemeldet worden. In diesen Fällen wird immer davon ausgegangen, dass die Infektion von infizierten Menschen ausgeht. Bei der Weltgesundheitsorganisation für Tiergesundheit wurden bisher etwas mehr als 20 solcher Fälle gemeldet.

Welche Nutz- und Haustiere können sich mit dem Coronavirus infizieren?

Unter Nutztieren haben sich Schwein, Huhn, Ente und Pute in Tests als nicht empfänglich für SARS-CoV-2 gezeigt - unter den veränderten, experimentellen Bedingungen. Derzeit laufen Versuche zur Infektion von Rindern, da liegen aber noch keine Ergebnisse vor. Sobald die vorliegen, könnte auch eine Abschätzung zu Schafen und Ziegen möglich sein.

Bei Haustieren sind Hund und Katze empfänglich und auch Tiere, die zu den Marderartigen gehören, wie Frettchen und Goldhamster, sind inzwischen als empfänglich bekannt - allerdings etwas weniger empfänglich, zumindest experimentell.

Kühe auf einer Weide schauen neugierig (imago / Theissen) (imago / Theissen) Coronavirus - Wissenschaftler erforschen Gefährdung von Tieren
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Macht es Sinn, Haustierarten wie Meerschweinchen und Schildkröten generell vor der Anschaffung zu testen?

Generell macht das keinen Sinn. Einige Tiergruppen wie Katzen sind bereits getestet worden. Meerschweinchen haben sich beispielsweise als nicht empfänglich für den Erreger erwiesen. Das Spektrum an Wirtstieren ist das gleiche, das wir von SARS-CoV von 2002 und 2003 kennen, da gibt es keine wesentlichen Abweichungen.

Können infizierte Tiere andere Tiere anstecken?

Es wurde gezeigt, dass Katzen, auch Großkatzen, das Virus an Artgenossen weitergeben können. Das gleiche gilt für Frettchen und Hamster. Bei Hunden scheint die Übertragung weniger effizient zu funktionieren.

Können sich Menschen an infizierten Tieren anstecken?

Aus den Niederlanden wurde gemeldet, dass sich möglicherweise ein zweiter Mensch bei einem Nerz mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 infiziert hat. Es gibt Indizien, allerdings keine Beweise, dass es in diesen speziellen Fällen zu einer Infektion des Menschen durch die infizierten Nerze gekommen ist. Auf Pelztierfarmen werden relativ viele Tiere auf engem Raum zusammengehalten werden, sodass sich das Virus dort sehr gut ausbreiten kann. 

Haustiere sind bislang noch nicht als Risikofaktor für die Infektion des Menschen aufgefallen. Es gibt dazu also keinerlei Hinweise im Ablauf der Pandemie.

Ist die geplante Meldepflicht für Haustiere eine sinnvolle Maßnahme?

Das ist eine sinnvolle Maßnahme – bislang werden SARS-CoV-2-Infektionen bei Tieren nicht erfasst. Wenn wir ein Gesamtbild über die Epidemiologie des Erregers bekommen wollen, brauchen wir aber auch diese Informationen. Die Meldepflicht schließt also eine Lücke in der formalen Meldekette.

Wie genau soll die Meldepflicht ablaufen?

Erstmal vorangestellt: Es geht nicht um eine Untersuchungspflicht für Haustiere. Es muss also niemand sofort mit Hund oder Katze zum Tierarzt laufen. Es geht um eine Informationspflicht: Tierärzte oder Labore, die ein vom Menschen gehaltenes Tier – Zootiere eingeschlossen – positiv testen, müssen den Befund an das Veterinäramt melden, und das meldet dann weiter an das Tierseuchen-Nachrichtensystem am FLI.

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Ein Tier testen zu lassen, das ist laut FLI zu empfehlen, wenn es engen Kontakt mit einer Corona-infizierten Person hatte – auch dann wenn es selbst keine Symptome wie Schnupfen und Fieber oder Appetitlosigkeit zeigt. Das zuständige Gesundheitsamt und das Veterinäramt sollten sich dann abstimmen. Von Tests auf Verdacht, ohne dass es engen Kontakt zu einem positiv getesteten Menschen gab, wird dagegen abgeraten – auch wenn das Tier Krankheitssymptome zeigt.

Die Kosten für so einen Test muss normalerweise die Halterin oder der Halter übernehmen. Ein Testkit kostet weniger als 50 Euro. Da kommen allerdings noch die Bearbeitungskosten für die Probe dazu. Wenn ein besonderes wissenschaftliches Interesse am Testergebnis besteht und ein Verdacht auf eine Infektion begründet ist, kann auch das Veterinäramt die Kosten übernehmen.

Wie soll ich mich verhalten, wenn meine Katze positiv getestet wird?

Dann gelten durchaus ähnliche Gebote wie bei Menschen: Möglichst Abstand halten und keinen intensiven Kontakt zum Beispiel von Gesicht zu Gesicht haben. Und positiv getestete Tiere sollten wie im Fall positiv getesteter Personen in Quarantäne gehen. Das klingt vielleicht erstmal umständlich. Aber das FLI geht davon aus, dass infizierte Haustiere in Haushalten mit ebenfalls infizierten Menschen zu erwarten sind. Da wäre dann eine gemeinsame, zweiwöchige Quarantäne möglich. Wenn das Tier isoliert werden soll, könnte es zum Beispiel für die Dauer der Quarantäne in einem separaten Zimmer untergebracht werden. Führt das zu Problemen bei der Versorgung der Tiere, sollte mit dem Veterinäramt abgesprochen werden, welche Quarantänemaßnahmen möglich sind.

Was passiert mit den Daten?

Diese Daten sollen helfen, ein Gesamtbild zu den Ursachen und der Verbreitung von SARS-CoV-2 zu gewinnen: Wann, wie und von wem wird das Virus weitergegeben. Die Meldungen sollen dem FLI helfen, Infektionsketten zwischen Mensch und Tier zu verfolgen und gegebenenfalls besondere Risikosituationen zu erkennen und zu entschärfen.

In der Wissenschaft ist der Nutzen dieser geplanten Meldepflicht laut FLI unstrittig. Und auch im Bundesrat gibt es da offenbar keine Kontroverse. 

Coronavirus (Imago/Rob Engelaar/Hollandse Hoogte)Übersicht zum Thema Coronavirus (Imago/Rob Engelaar/Hollandse Hoogte)

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