Montag, 20.08.2018
 
Seit 07:00 Uhr Nachrichten
StartseiteVerbrauchertippKrebsgefahr im Federmäppchen30.07.2018

Schadstoffe in StiftenKrebsgefahr im Federmäppchen

Buntstifte, Fasermaler oder auch Tinten: Schreibutensilien gehören auch heute noch in jede Schultüte. Allerdings sind viele Produkte mit Schadstoffen belastet - in einigen Fällen sogar in bedenklichem Ausmaß, wie die Stiftung Warentest festgestellt hat. Jedes dritte Produkt wurde schlecht bewertet.

Von Dieter Nürnberger

Hören Sie unsere Beiträge in der Dlf Audiothek
Ein Schulmäppchen Buntstiften liegt auf einem Tisch. (picture alliance/dpa - Karl-Josef Hildenbrand)
Die Stiftung Warentest hat in Buntstiften Schadstoffe wie Azofarbmittel nachgewiesen, das im Verdacht steht Krebs zu erzeugen (picture alliance/dpa - Karl-Josef Hildenbrand)
  • E-Mail
  • Teilen
  • Tweet
  • Drucken
  • Podcast
Mehr zum Thema

Untersuchung zu Schadstoffen Chemischer Cocktail in den eigenen vier Wänden

Die meisten Mal- oder Schreibutensilien sind zumindest auf den ersten Blick perfekt auf ihre Zielgruppe zugeschnitten. Kleine Comicfiguren oder auch Glitzersternchen auf der Verpackung sprechen die Jüngsten direkt an. Das erinnert an Spielzeug. Und als solches gelten sie auch nach einer Leitlinie der Europäischen Kommission – dementsprechend gelten auch strengere Grenzwerte in Punkto Schadstoffbelastung.

Und im Alltag der Kinder sind Buntstifte und Fasermaler wohl ohnehin im Dauereinsatz, sagt Roman Schukies von der Stiftung Warentest: "Wir haben ja die Erfahrung gemacht - Kinder spielen damit. Sie nehmen es in die Hand, lecken und lutschen daran, bemalen sich. Sie benutzen es also wie ein Spielzeug."

Meist befinden sich gleich rund ein Dutzend Buntstifte oder Fasermaler in einer Verpackung. Auch die Tinten werden oft in Sets von bis zu 50 oder sogar 100 Patronen angeboten. Die Stiftung Warentest suchte gezielt in den Minen, Lacken und Tinten nach Schadstoffen. Jedes dritte Produkt wurde mit "mangelhaft" bewertet:          

"Bei den Buntstiften haben wir polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe gefunden. Ebenso Azofarbmittel, die Krebs erzeugen können oder krebsverdächtig sind. Deshalb warnen wir davor. In Tinten haben wir Isothiazolione gefunden. Das ist ein Konservierungsmittel, welches sensibilisieren oder Allergien auslösen kann, wenn man schon sensibilisiert ist. Und es gibt Erhebungen, wonach bis zu zwei Millionen Menschen in Deutschland sensibilisiert sind. Für die ist das natürlich potenziell eine Gefahr."

Vorsicht bei Farbe auf der Haut

Die Warentester orientierten sich bei der Bewertung an den Grenzwerten der EU-Spielzeugnormen und auch den Vorgaben des GS-Zeichens für Geprüfte Sicherheit. Bei den Fasermalern und Tinten wurde darüber hinaus die Kosmetikverordnung als Maßstab herangezogen.

Der Grund: Die hier verwendeten Konservierungsstoffe sind oft identisch mit denen in Körperpflegeprodukten. Einige sind in Cremes und Salben sogar verboten, und nur in Produkten erlaubt, die wieder ausgewaschen werden, beispielsweise Haarshampoos. 

Eltern sollten deshalb lieber vorsichtig sein, sagt Roman Schukies, etwa dann, wenn Farbe oder Tinte nicht nur auf dem Papier, sondern auch auf der Haut landet.       

"Es wichtig zu sagen, dass wir natürlich keine Panik schüren wollen, es ist immer noch ein Spielzeug und wir sollten es auch als solches betrachten. Insofern: Gesunder Menschenverstand. Keine Panik, einfach abwaschen. Und bei größeren Tintenflecken tatsächlich auch relativ schnell."

Preis kein Indikator für Qualität

Dass rund ein Drittel der Stifte und Tinten aufgrund zu hoher Schadstoffgehalte durchfiel, ist bedenklich. Die gute Nachricht daher: Etwa genauso viele Produkte in dieser Untersuchung stellen kein Risiko dar.  

"Bei den Fasermalern  ist es noch ganz erfreulich, da waren die Hälfte der Stifte sehr gut - und nur 2 belastet: Die sehr guten sind "Edding", "Herlitz", "Mäc Geiz", "Pelikan", "Stabilo und "Stylex". Bei den Buntstiften waren es immerhin 5 gute: Da könnte man auf "Faber-Castell", "Stabilo", "Bic Kids", "Mäc Geiz" und "Depesche" zurückgreifen. Und bei den Tinten leider nur eine sehr gut, nämlich "Schneider"."

Übrigens: Der Preis eines Produkts bietet keinen verlässlichen Hinweis auf Schadstoffbelastungen. Denn zu hohe Gehalte wurden in bekannten Markenprodukten ebenso nachgewiesen wie in deutlich günstigeren Handelsmarken von Supermärkten oder Discountern.

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk