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StartseiteWirtschaft und GesellschaftSchlagabtausch der Finanzminister06.07.2015

Schäuble vs. VaroufakisSchlagabtausch der Finanzminister

Mit Wolfgang Schäuble und Yanis Varoufakis sollten in der Eurokrise zwei Finanzminister zusammenarbeiten, die unterschiedlicher kaum sein könnten. In den vergangenen fünf Jahren sind sie keine Freunde geworden. Rückblick auf eine spannungsvolle Beziehung.

Von Benjamin Hammer

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble und sein griechischer Amtskollege Yanis Varoufakis (dpa / picture alliance / Kay Nietfeld)
Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble und sein griechischer Amtskollege Yanis Varoufakis (dpa / picture alliance / Kay Nietfeld)
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"Ich darf Sie sehr herzlich willkommen heißen zu unserer ersten Pressebegegnung."

Berlin Anfang Februar, es ist der erste gemeinsame Auftritt von zwei höchst unterschiedlichen Finanzministern. Der eine, Wolfgang Schäuble, sitzt seit über 40 Jahren im Bundestag, ist seit Jahrzehnten Minister und trägt eine Krawatte. Der andere, Yanis Varoufakis, trägt keine Krawatte, er könnte vom Alter her Schäubles Sohn sein, er hat kaum politische Erfahrung und war bisher Professor für Ökonomie. Schäuble beginnt diplomatisch.

"Ich hatte heute die Ehre, meinen neuen griechischen Amtskollegen zu begrüßen."

Und sagt wenig später, als es um den Schuldenstreit geht:

"We agree to disagree."

Man sei sich einig, dass man sich nicht einig sei. Es folgt ein typischer Varoufakis, schon damals, zu Beginn seiner Amtszeit. Nein, antwortet der Grieche, noch nicht mal da sei man sich einig.

"We didn't even agree to disagree, from where I am standing."

Es waren nicht nur die politischen Positionen, konservativ und recht scharf links, die Schäuble und Varoufakis in ihren fünf gemeinsamen – oder vielleicht eher getrennten Monaten entzweit haben. Es waren auch ihre Charakterzüge. Der deutsche Finanzminister: eher kühl, sachlich. Der Grieche Varoufakis: stolz auf sein Rebellentum, provokant und dauerpräsent in Medien der ganzen Welt.

Im April reisen beide Finanzminister nach Washington zur Tagung von IWF und Weltbank. Da reden sie schon mehr über als miteinander. Schäuble wird gefragt, wie lange das Geld der Griechen noch reiche. Da klingt er schon angesäuert.

"Ich kann ihnen sagen: Mein griechischer Kollege und Freund Yanis Varoufakis ist sehr interviewfreudig. Also: Da haben Sie kein Problem. Fragen sie ihn, da kann er Ihnen das genau sagen, denn er hat sicher einen genauen Überblick."

Anfang Juni kommt Varoufakis nach Berlin. Es ist kein offizieller Besuch bei Wolfgang Schäuble. Er trifft sich mit linken Gewerkschaftern. Nur ganz spontan empfängt der deutsche den griechischen Finanzminister. Eine Pressekonferenz beraumt man gar nicht erst ein.

"Die Enttäuschung ist schon sehr groß. Es ist kein guter Tag."

Schäuble Ende Juni. Die Griechen haben gerade das Referendum angekündigt. Das Verhältnis der beiden Finanzminister scheint endgültig zerrüttet.

"Just to nail you down. If there is a yes vote, come Monday night, you will not be finance minister."

Varoufakis am Wochenende im Fernsehsender Bloomberg. "Falls die Griechen beim Referendum mit 'Ja' stimmen, werden Sie dann noch Finanzminister sein", fragt der Moderator.

"I will not."

Nein, werde ich nicht, sagt der. Das Referendum ist genau anders ausgegangen, trotzdem ist Varoufakis zurückgetreten. Teile der Euro-Finanzminister hätten ihn nicht mehr dabei haben wollen, schrieb der Ökonom heute. Das deutsche Finanzministerium verkündet: Man wisse nicht, wie er auf so etwas kommen könne.

Wolfgang Schäuble dürfte sich dennoch gefreut haben.

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