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StartseiteSport AktuellErste Meisterschaft für den Kreisel01.04.2018

Schalke 1934Erste Meisterschaft für den Kreisel

1934 wurde der FC Schalke 04 als erste Mannschaft aus dem Ruhrgebiet Deutscher Meister. Im Finale schlugen die Knappen den 1.FC Nürnberg vor 45.000 Zuschauern im Berliner Poststadion. Endlich konnten die überragenden Schalker sich zum ersten Mal krönen.

Von Klaas Reese

Ernst Kuzorra schießt aus zwei Metern Entfernung den Ball auf das Nürnberger Tor - allerdings vergeblich: Torwart Köhl hält! Trotzdem - der FC Schalke 04 gewinnt das Endspiel um die Deutsche Fußballmeisterschaft am 24. Juni 1934 in Berlin mit 2:1 Toren gegen den 1. FC Nürnberg. (dpa)
Meisterschaftsendspiel 1934 - Kuzorra scheitert hier, aber Schalke siegt (dpa)
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Anschließend werden sie gefeiert, berichtet ein Reporter: "Da sieht man draußen auf dem Bahnhofsvorplatz schon wie tausende dicht gedrängt stehen, abgesperrt von SS und SA, damit überhaupt ein Zugang für die Mannen des S 04 freigehalten werden kann."

Technische und spielerische Leichtigkeit

Die Schalker waren zu dieser Zeit umjubelte Fußballer. Sie prägten seit den späten 20er Jahren mit dem sogenannten "Schalker Kreisel" einen eigenen Spielstil, der vor allem durch eine besondere technische und spielerische Leichtigkeit bestach. Und dennoch mussten die Schalker lange auf den ersten Titel der Vereinsgeschichte warten, wie Meisterspieler Fritz Szepan in einem Interview bekannte:

Reporter: "Im nächsten Jahr 1934 ist Fritz Szepan endlich Schalke 04 an der Reihe."

Szepan: "Endlich! Es wurde auch die allerhöchste Zeit, denn wir hatten schon lange darum gekämpft."

Reporter: "Ihr Spiel gegen den 1.FC Nürnberg, das sah ja lange Zeit schlecht aus. Sie lagen 1 zu 0 im Rückstand bis drei Minuten vor Schluss."

Szepan: "Ja, bis drei Minuten vor Schluss. Ich machte dann das Ausgleichstor und mein Schwager, Ernst Kuzorra, der schoss eine Minute vor Schluss das Siegestor."

Für Ernst Kuzorra war dieser Sieg ein ganz besonderer, auch wenn er in den Folgejahren noch weitere Meisterschaften feiern durfte. An seinem 80.Geburtstag erklärte er, warum das Finale gegen Nürnberg für ihn so herausstach.

Ein Bombentor von 20 Metern

"Das ist ja ganz selbstverständlich die erste deutsche Meisterschaft gegen Nürnberg und wie ich dann noch mit Leistenbruch spielte und mach in der letzten Minute das siegbringende Tor. Ja. … Ein Bombentor von 20 Metern. ... Ich wusste nicht wohin mit dem Ball, da hab ich ihn einfach reingewichst."

Ein Reporter berichtet "Die Kuzorras kamen wie die meisten Träger polnischer Namen aus Ostpreußen in den Kohlenpott gegen Ende des 19.Jahrhunderts. Er war sicher der Beste aus einer Fülle großartiger Fußballer, die sich aus dieser arbeitsmarktbedingten Völkerwanderung im Ruhrgebiet entfalteten. Otto Tibulski und Hermann Burdenski gehören auch dazu."

Dazu Fritz Szepan, Valentin Przybylski und Ernst Kalwitzki. Zusammen perfektionierten die Knappen den Schalker Kreisel, ein Passspiel mit vielen direkten, kurzen Pässen, das den Gegner verwirrte.

"Mythos Schalke damals entstanden"

Mit seinem Spielstil war Schalke 04 nach dem 1.FC Nürnberg die zweite Mannschaft in Deutschland, die eine fußballerische Ära prägte und bis 1942 sechs Meisterschaften erringen konnte. Und das in einer Region, der bis heute eher das Klischee einer eher robusten und kampfstarken Art des Fußballspielens anhaftet.

Schalkes späterer Manager Rudi Assauer erklärt: "Letztendlich ist der Mythos Schalke 04 damals in den Dreißiger und Vierziger Jahren entstanden und nicht dadurch, dass wir in den Siebzigern mal eine gute Truppe hatten. Der ist entstanden in den Dreißiger und Vierziger Jahren."

"Viktoria" heute in Dortmund

Statt der heute üblichen Silberschale wurde dem deutschen Fußballmeister bis zum zweiten Weltkrieg die Viktoria überreicht, eine einen Meter hohe und 20 Kilogramm schwere Trophäe. Die verdankt ihren Namen der römischen Siegesgöttin Victoria, die mit einem Lorbeerkranz in der Hand auf einem Stein sitzend dargestellt ist.

Die Viktoria ging in den Wirren des Weltkriegsendes Anfang 1945 verloren und wurde erst nach der Wiedervereinigung wieder an den Deutschen Fußball Bund übergeben. Heute hat der Pokal seine Heimat im Deutschen Fußballmuseum in Dortmund gefunden.

Die Victoria, der Wanderpokal für den deutschen Meister von 1903-1944 (firo Sportphoto)Die Victoria, der Wanderpokal für den deutschen Meister von 1903-1944 (firo Sportphoto)

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