Donnerstag, 21.03.2019
 
Seit 19:15 Uhr Dlf-Magazin
StartseiteSternzeitScherze am Himmel01.04.2011

Scherze am Himmel

Vor vielen Jahren hat eine astronomische Fachzeitschrift in ihrer April-Ausgabe vom Kometen Hoax berichtet, der in den folgenden Wochen ein spektakuläres Himmelsschauspiel abliefern sollte. Prompt schwärmte eine sehr angesehene deutsche Tageszeitung ihren Lesern vom bevorstehenden astronomischen Großereignis vor. Allein: Komet Hoax war ein solcher - Hoax ist das englische Wort für Scherz.

Von Dirk Lorenzen

Das Sternbild Delphin in einer historischen Darstellung (Flamsteed)
Das Sternbild Delphin in einer historischen Darstellung (Flamsteed)

Ein anderer Scherz hat es dagegen an den Himmel geschafft. Niccolo Cacciatore, Direktor des Observatoriums in Palermo auf Sizilien, hat im Jahr 1814 zwei neue Sterne in einem Katalog verzeichnet. Die hellsten Objekte im Sternbild Delphin nannte er Sualocin und Rotanev.

Lange wurde über die Herkunft der Namen gerätselt. Denn sie entstammen nicht der antiken Mythologie, aus der man bis dahin meist die Namen der Gestirne ausgewählt hatte.

Schließlich kam jemand auf die Idee, die Sternnamen Sualocin und Rotanev rückwärts zu lesen. Dann erhält man Nicolaus Venator. Das ist die lateinische Form des Namens von Niccolo Cacciatore. Nicolaus entspricht Niccolo, und Venator und Cacciatore meinen jeweils Jäger.

Ob es Eitelkeit oder ein Sinn für Humor oder beides gewesen ist, was Niccolo Cacciatore zu dieser Namensnennung bewegt hat, ist nicht bekannt. Klar ist allerdings, dass er auf einen solchen Kunstgriff angewiesen war: Ansonsten wäre er heute völlig in Vergessenheit geraten.

Auf den Kometen Hoax werden Sie auch in diesem April vergeblich warten. Aber über Sualocin und Rotanev können Sie jetzt jede Nacht lachen: Die beiden Scherzsterne zeigen sich ab etwa drei Uhr im Delphin am Osthimmel.

Zum mythologischen Hintergrund des Sternbilds Delphin

Informationen zum Sternbild Delphin

Niccolo Cacciatore, Astronom und Scherzbold

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk