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StartseiteWirtschaft am MittagSchiesser wird verkauft02.05.2012

Schiesser wird verkauft

Der Unterwäsche-Hersteller hat den Börsengang abgesagt

Noch Ende März hieß es, der Unterwäschehersteller stehe kurz vor dem Börsengang. Jetzt die überraschende Kehrtwende: Schiesser geht an einen Konkurrenten aus Israel.

Von Thomas Wagner

Die Unterwäschefirma Schiesser wird an einen israelischen Konkurrenten verkauft.  (AP)
Die Unterwäschefirma Schiesser wird an einen israelischen Konkurrenten verkauft. (AP)
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Der neue Schiesser-Eigentümer heißt Delta Galil Industries aus Tel Aviv – ein Unternehmen, das man auf dem europäischen Markt bislang überhaupt nicht kennt - und das, obwohl Delta Galil in Israel und in den USA als einer der führenden Unterwäsche-Hersteller gilt. Der Jahresumsatz für 2011 lag bei rund 700 Millionen US-Dollar.

Das Unternehmen ist an der Börse in Tel Aviv gelistet. Insofern erscheint die Schiesser AG Radolfzell für die israelische Unternehmensgruppe als eine Art Filetstück. Mit einem Schlag wäre Delta Galil damit auf dem west- und auf dem osteuropäischen Markt präsent – allerdings indirekt. Schiesser soll, so beteuerten es heute Vertreter beider Unternehmen, als eigenständiges Unternehmen mit eigenständiger Kollektion erhalten bleiben. Ebenso will man alle 1800 Stellen bei Schiesser, darunter 500 in Deutschland, erhalten.

Schiesser selbst gilt, nach umfangreichen Rationalisierungsmaßnahmen und massivem Personalabbau, mittlerweile wirtschaftlich wieder als kerngesund. Im Geschäftsjahr 2011 wurde ein Umsatz von 132 Millionen Euro erwirtschaftet.

Unterm Strich kam sogar ein ordentlicher Gewinn heraus. Das habe, so Finanzvorstand Karl-Achim Klein, das Unternehmen noch attraktiver für den israelischen Investor gemacht:

"Wir haben ein deutlich attraktives EBIT, also ein Ergebnis vor Zinsen, Abschreibungen und Steuern von knapp 11,7 Millionen Euro erwirtschaftet. In Prozent vom Umsatz sind das knapp neun Prozent. Das heißt: Schiesser ist wieder durch all die Aktivitäten und die eingeschlagene Strategie auf einem profitablen Weg angekommen."

Schwarze Zahlen gab es schon vor zwei Jahren. Deshalb hatte die Gläubigerversammlung damals einem Börsengang zugestimmt und sich zu einer zeitlichen Streckung zur Rückzahlung jener 86 Millionen Euro bereiterklärt, die das Unternehmen den verschiedenen Gläubigern, darunter vor allem Lieferanten und Banken, noch schuldete.

Der für das vergangene Jahr vorgesehene Börsengang wurde dann allerdings verschoben. Die Börsenkurse seien, nicht zuletzt vor dem Hintergrund der europaweiten Finanzkrise, zu unruhig, zu instabil. Der neue vorgesehene Termin: das zweite Quartal 2012.

Doch auch dieser Börsengang ist nun gestrichen. Schiesser wird zu 100 Prozent vom israelischen Investor Delta Galil übernommen. Dies habe, so der frühere Schiesser-Insolvenzverwalter und heutige Aufsichtsratsvorsitzende Volker Grub, mehrere Vorteile:

"Wir haben eine volle Befriedung aller Gläubiger. Das war mein Ziel als Insolvenzverwalter. Mehr kann ich da nicht erreichen. Auf der anderen Seite haben wir nun einen strategischen Partner für Schiesser, der Schiesser sehr wohl voranbringen kann und das Wachstum bei Schiesser sicherstellen wird. Und deshalb war dann die Entscheidung gefallen nicht für den Börsengang, sondern für Delta Galil. Wir haben unsere Ziele erreicht."

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