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StartseiteComputer und KommunikationSchlag gegen Raubkopierer18.09.2004

Schlag gegen Raubkopierer

Thüringer Staatsanwälte schließen illegalen Medien-Vertrieb

Der Druck wird stärker. Zuerst war es die Musikindustrie, die vor allem gegen Tauschbörsen und ihre Nutzer mit aller Härte vorging. Jetzt konzentriert sich der Kampf gegen Urheberrechtsverletzungen hauptsächlich auf organisierte Raubkopierer. So gelang der deutschen Justiz am vergangenen Donnerstag ein schwerer Schlag gegen die Betreiber illegaler Geschäfte mit Mediendateien.

von Maximilian Schönherr

Zu 30 Prozent werden in Deutschland Raubkopien eingesetzt. (bsa.org)
Zu 30 Prozent werden in Deutschland Raubkopien eingesetzt. (bsa.org)

Am vergangenen Donnerstag durchsuchten Polizei und Staatsanwaltschaft in Thüringen, Niedersachsen und Bayern acht Wohnungen und nahmen vier Männer fest. Der Vorwurf: Die Verbreitung von Raubkopien und Bildung einer kriminellen Vereinigung. Das thüringische Amtsgericht in Mühlhausen erließ gegen alle vier Haftbefehle. Ein 19jähriger Programmierer aus Niedersachsen ist jetzt vorerst wieder auf freiem Fuß. Anzeige erstattet hatte die Hamburger Gesellschaft zur Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen. Die GVU vertritt die Interessen großer Filmfirmen in Deutschland und sieht in den Festgenommenen die Drahtzieher des angeblich größten kommerziellen Raubkopieportals für Filme. Seit Juni 2003 konnte man über die Webseiten ftpwelt.com und ftp-welt.com gegen Geld Filme und Software herunterladen, darunter gar Filme, die noch überhaupt nicht in den Kinos liefen. Insgesamt rund 45.000 Kunden zahlten über Kreditkarte, per Überweisung oder mit ihrer Telefonrechnung.

Noch einen Tag nach den Festnahmen war die Seite ftp-welt.com erreichbar, wurde dann aber vom Netz genommen. Der Sprecher der GVU, Jochen Tielke, sagte gegenüber dem Deutschlandfunk, die Verzögerung habe daran gelegen, dass die Festgenommenen die Zugangsdaten zu dem Server in Lettland nicht bekannt gaben. Registriert hatten sie ihren Raubkopierdienst im Juni 2003 unter einer Postfachadresse auf den Britischen Jungferninseln in der Karibik. Nach Angaben von Jochen Tielke liefen sämtliche Abrechnungen über das Konto der Münchner Anwaltskanzlei "Frhr. von Gravenreuth & Syndikus". Bernhard Syndikus befindet sich seit Donnerstag und noch mindestens 14 Tage wegen Verdunkelungsgefahr in Haft. Die Kanzlei hat Erfahrung in digitalen Grauzonen. Unter anderem vertritt sie Betreiber von Webseiten, die mit Raubkopien, Filmen und Hacker-Werkzeugen locken und als Zugang die Installation teuerer Dialer verlangen. Bei einer Pressekonferenz am vergangenen Freitag in Mühlheim/Thüringen kündigte der ermittelnde Staatsanwalt Thomas Köhler an, gegen alle Nutzer, die sich bei ftpwelt.com bedient hätten, Strafverfahren einzuleiten.

Die Behauptung, sämtliche Abrechnungen seien über das Konto der Münchner Anwaltskanzlei Frhr. von Gravenreuth & Syndikus gelaufen, halten wir nicht weiter aufrecht. Die Abrechnungen sollen über ein Konto gelaufen sein, das Bernhard Syndikus gehörte, auf dessen Namen lief und dessen alleinigem Zugriff unterlag.

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