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StartseiteKommentare und Themen der WocheSchlechter Tag für Boris02.08.2019

Schlappe für ToriesSchlechter Tag für Boris

Als Folge einer Nachwahl im Londoner Unterhaus bleibt Boris Johnson nur eine hauchdünne Mehrheit von einer einzigen Stimme. Das bringe den neuen Premier nicht um den Schlaf, kommentiert Korbinian Frenzel, denn der Boris-Faktor ziehe weiterhin. Gewonnen habe allerdings jemand anders: die Brexit-Gegner.

Von Korbinian Frenzel

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Boris Johnson stützt seinen Kopf auf die Hand und schaut müde an der Kamera vorbei. Um ihn herum unterschiedliche Personen, u.a. Jacob Rees Mogg. (Getty Images / Dan Kitwood)
Durch die Nachwahl in Wales schmilzt die Mehrheit für Boris Johnson im Unterhaus (Getty Images / Dan Kitwood)
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Johnsons Vorsprung schmilzt Liberaldemokraten sehen Rückenwind für Anti-Brexit-Allianzen

Es ist kein guter Tag für Boris Johnson. Gerade eine Woche ist er im Amt, da ist seine ohnehin schon dünne Mehrheit im Unterhaus auf hauchdünn zusammengeschmolzen. Und das angesichts der Mammutaufgabe Brexit, die er unbedingt bis zum 31. Oktober erledigt haben will.

Der Boris-Faktor wirkt

Boris Johnson wird sich wohl dennoch nicht die Haare gerauft haben, nicht mehr zumindest als für den Boris-Look nötig, als die Ergebnisse aus der Waliser Grafschaft eintrafen: Platz zwei für seine Tories, 39 Prozent – und das mit einem Kandidaten, der auch noch des Rechnungsbetruges überführt worden war und deswegen diese Nachwahl erst nötig machte. Man kann schlimmer verlieren, und ein Blick zurück auf die Europa-Wahl vor wenigen Wochen zeigt: Die Tories haben Wahlen ganz anders verloren.

Boris wirkt ganz offenbar – der "Boris Bounce" in den Umfragen, landesweit bis zu zehn Prozentpunkte plus, ist auch in der walisischen Provinz sichtbar geworden. Und das geht vor allem zu Lasten der Brexit Party von Nigel Farage. Sie holte nur noch zehn Prozent mit ihrem Kandidaten; das Doppelte und mehr hatte man ihr prognostiziert.

Die Brexit-Gegner haben gewonnen

Wer braucht noch radikale Brexiteers am Rande, wenn sie – wie Boris Johnson und seine Freunde – die einstmalige politische Mitte gekapert haben? Johnsons Strategie geht auf – fast. Denn es reicht noch nicht. Gewonnen – und das ist die zentrale Botschaft des heutigen Tages - haben die Kräfte, die einen Brexit verhindern wollen, erst recht einen ungeordneten. Das ist gerade in diesem ländlichen Wahlkreis, der vor drei Jahren klar für den Austritt gestimmt hatte, eine beachtliche Leistung.

Gelungen ist das nur, weil sich die Anti-Brexit-Parteien hinter der aussichtsreichsten Kandidatin versammelt haben, die der Liberaldemokraten. Wenn die Grünen und die walisische Regional Partei Plaid wie üblich mit eigenen Kandidaten angetreten wären, hätte es sicher nicht gereicht, den Tories den Sitz abzunehmen.

Allianz der Johnson-Gegner? Fehlanzeige

Wer bei dieser Allianz fehlt, ist die Labour-Party. Das ist in einem Wahlkreis wie Brecon und Radnorshire zu verkraften, in dem die Sozialdemokraten keine Größe sind. Eine landesweit wirksame Anti-Brexit-Koalition bräuchte aber dringend den Schulterschluss vor allem zwischen LibDems und Labour.

Noch stehen die Egos der beiden Parteichefs, die Egos von Jeremy Corbyn und der neuen liberalen Vorsitzenden Joe Swinson dem entgegen. Wenn sie es nicht schaffen, wenigstens für dieses eine große Ziel Parteitaktik hintanzustellen und eine Zweckallianz zu schmieden, wird es einen lachenden Dritten geben: Boris Johnson.

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