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StartseiteInformationen am MittagLibyen nimmt rund 600 Flüchtlinge fest24.05.2015

SchleusergeschäfteLibyen nimmt rund 600 Flüchtlinge fest

In Libyen sind rund 600 Flüchtlinge festgenommen worden. Sie waren auf dem Weg nach Europa. Das Land versinkt sei dem Sturz des langjährigen Machthabers Muammar al-Gaddafi im Chaos. Davon profitieren vor allem militante Terroristen und Schlepperbanden.

Von Björn Blaschke

Afrikanische Flüchtlinge sitzen in Tripolis nach ihrer Verhaftung auf dem Boden. (picture-alliance/dpa/EPA/Str)
Rund 600 Flüchtlinge wurden in Tripolis verhaftet (picture-alliance/dpa/EPA/Str)
Weiterführende Information

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(Deutschlandradio Kultur, Politisches Feuilleton, 20.05.2015)

EU-Flüchtlingspolitik - "Der Drei-Stufen-Plan ist nicht durchdacht"
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(Deutschlandfunk, Eine Welt, 16.05.2015)

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(Deutschlandfunk, Themen der Woche, 16.05.2015)

Genau 580 Menschen seien im Zuge der Großrazzia im Raum Tripolis festgenommen worden. Das berichtet die libysche Nachrichtenagentur "Lana". Die Gefassten sollen alle aus verschiedenen afrikanischen Ländern stammen, zum Beispiel aus Ghana oder Senegal. Einige seien bereits eingeschifft gewesen, um in Richtung Europa in See zu stechen. Die Zahl der Boote oder Schiffe wurde nicht genannt. Allerdings heißt es, dass die Schleuser über moderne Kommunikationsmittel verfügten, GPS-Geräte oder Satelliten-Handys.

Die Festgenommenen seien in ein Flüchtlingslager in Tripolis gebracht worden. In diesen Lagern, das wurde unlängst bekannt, müssen Menschen zumeist unter fürchterlichen Bedingungen leben, was zu Krankheiten führt. Manche von ihnen sollen in der Vergangenheit versklavt worden sein, als Prostituierte oder Zwangsarbeiter. Möglich ist das, wie auch die Schleusergeschäfte, weil Libyen immer weiter im Chaos versunken ist, seit der langjährige Machthaber Muammar al-Gaddafi 2011 gestürzt wurde. 

Libyen - ein geteiltes Land

Heute ist das Land de facto geteilt, zwei Regierungen erheben Anspruch, rechtmäßig im Amt zu sein. Die eine hat ihren Sitz in Tobruk nahe der Grenze zu Ägypten, die andere, die Gegenregierung, sitzt in Tripolis. Beide stützen sich auf Milizen. Von diesem Chaos profitieren militante Islamisten wie zum Beispiel die Terrororganisation, die sich Islamischer Staat nennt, aber auch Schlepper, die zum Teil selbst Milizionäre sein sollen. Dass die Behörden in Tripolis nun eine Großrazzia gegen Flüchtlinge gestartet haben, könnte mehrere Gründe haben. Einer könnte sein, dass sich die Regierung in Tripolis Anerkennung verschaffen will, zum Beispiel bei der EU. Genau diese Anerkennung fehlt ihr nämlich. Die internationale Staatengemeinschaft verhandelt bisher alleine mit der anderen Regierung, die in Tobruk sitzt und nach akzeptierten Wahlen ins Land kam. Möglicherweise will die Regierung in Tripolis der EU demonstrieren, dass die Länder auf sie zählen können. Eventuell sind aber nur Mitarbeiter der Behörden gegen unliebsame Schlepper vorgegangen, weil die Konkurrenten waren, im großen Schleusergeschäft übers Mittelmeer.

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