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StartseiteKultur heuteSchloss Hubertusburg ist "eine Art Zauberschloss"12.05.2013

Schloss Hubertusburg ist "eine Art Zauberschloss"

Dirk Syndram über eine historische Ausstellung zum Siebenjährigen Kireg

Das Schloss Hubertusburg ist zwar das größte Schloss Europas, aber es ist so gut wie unbekannt, sagt Dirk Syndram, Direktor des Grünen Gewölbes in Dresden. Er hat daran mitgewirkt, diesen historischen Ort anlässlich des 250. Jahrestages des Hubertusburger Friedens einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Dirk Syndram im Gespräch mit Beatrix Novy

Schloss Hubertusburg in Wermsdorf (picture alliance / dpa / Franz-Peter Tschauner)
Schloss Hubertusburg in Wermsdorf (picture alliance / dpa / Franz-Peter Tschauner)
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Beatrix Novy: Der Siebenjährige Krieg begann 1756 mit dem Angriff Preußens auf Österreich, er entwickelte sich zum Ersten Weltkrieg der Geschichte, wie es immer heißt, denn die Mächte, die hier wieder mal um die Vorherrschaft in Europa kämpfen ließen, verfügten über jede Menge Bündnisse und über Kolonien in Übersee. Der Krieg endete auf dem Jagdschloss des mit Österreich verbündeten August III. von Sachsen auf Schloss Hubertusburg. Das Schloss ist dafür berühmt, Friede von Hubertusburg und so, aber kennen tut es eigentlich keiner. Die DDR nutzte es zuletzt als Psychiatrie, von seiner Pracht war aber schon vorher nicht viel übrig, jedenfalls drinnen nicht. Und jetzt, 250 Jahre nach dem Friedensschluss, hat Hubertusburg seine Tore wieder geöffnet, diesmal für eine breitere Öffentlichkeit als damals im 18. Jahrhundert. Dirk Syndram, Direktor des Grünen Gewölbes in Dresden, hat da mitgetan. Ich habe ihn gefragt: Hubertusburg war ja schon 1761 von den Preußen geplündert worden, also schon zwei Jahre vor Kriegsende. Hatten die denn 1763 überhaupt einen Tisch, auf dem der Friedensvertrag unterzeichnet werden konnte?

Dirk Syndram: Als der Friedensschluss stattgefunden hat, haben die Preußen in den zwei Jahren zuvor beste Arbeit geleistet. Man hat bis auf das Dach, bis auf die Beschläge der Türen, bis aufs Parkett und bis auf die Seidentapeten alles herausgenommen. Also richtig ein königliches Schloss, nein sogar eine königliche Residenz, der Sitz wirklich eines Monarchen, ist damals 1761 geplündert worden. Und als man sich dann im Winter 1762 auf 63 dort getroffen hat, da musste man dann ausweichen in einen der vielen anderen Teile des Schlosses, in einen Pavillon, um dort dann etwas besser geheizt den Frieden auszuhandeln, der den siebenjährigen, wirklich verzehrenden Krieg für alle dann beendet hat.

Novy: Was macht das Schloss, das Sie ja nun wieder sehr liebevoll hergerichtet haben, so besonders? August der Starke hat es noch angefangen zu bauen, aber schon für seinen Sohn, den Thronfolger, August III. dann später. Dieses Schloss hat noch maßlosere Dimensionen offenbar, als man sich das vorstellen kann selbst unter August dem Starken.

Syndram: Das ist schon eine Art Zauberschloss, keiner kennt es. Es ist zwar das größte Schloss Europas, aber es ist so gut wie unbekannt. Dabei liegt es ziemlich gut, an der A14, 80 Kilometer von Dresden entfernt, 30 Kilometer von Leipzig. Wenn man dort daran vorbeifährt, kann man auch den großen Baukörper sehen. Aber es ist niemand hingefahren, als gäbe es dort eine unsichtbare Dornröschen-Hecke, und es war natürlich ein großer Reiz, eben aus Anlass dieses 250. Jahrestages des Hubertusburger Friedens dieses Schloss wieder bekannt zu machen. Das heißt, wir haben es nicht ganz hergerichtet, das kann man nicht, das sind 10.000 Quadratmeter. Es ist eine riesige Schlossanlage, es ist ein wirkliches kleines Versailles, was dort eingerichtet wurde. Mit den Nebenbauten sind es noch mal 12.000 Quadratmeter. Sie können sich ja vorstellen, was für eine riesige Anlage das ist. Da sind 430 Quadratmeter, also sechs Räume, jetzt wieder zugänglich gemacht worden. Unser, muss man schon sagen, geschichtsbegeisterter Finanzminister hat in eine kleine Baumaßnahme – da sind eine Million Euro drin – investiert. Wir haben auch vieles aus den staatlichen Kunstsammlungen dort hingebracht und jetzt so etwas wie eine Verbindung zwischen einem Jagdmuseum und einem Museum, das eine Zeit darstellt, die so gut wie vergessen ist. Denn die Zeit August III., die wird überschattet sowohl von diesem schrecklichen Krieg, dem Siebenjährigen Krieg - von 1756 bis 63 ist der geführt worden -, als auch von seinem übermächtigen Vater, von August dem Starken, der in Dresden die ganze Kultur bestimmt – bis heute.

Novy: Jagdmuseum – das hört sich an, als ob da Trophäen und Trachtenleibchen ausgestellt würden. Aber ich nehme an, es geht um was anderes?

Syndram: Natürlich. Jagdmuseum – wir haben eine große Jagdabteilung. In der Rüstkammer sind das über 2200 Objekte. Davon haben wir 55 dort hingebracht. Da sehen Sie aber auch wirklich, wie die Jagd königlich gewesen ist. Das ist die Parforcejagd, da ist eine Jagd fast so teuer wie eine große Opernaufführung gewesen: mit 250 Hunden, mit 100 Reitern und dann aber auch mit der besten Ausstattung, die man hat. Und wenn Sie sich die Objekte dort anschauen, die wir dort aus der Zeit August des Starken, August III. zeigen, dann sind das nicht Waffen, sondern das sind Kunstwerke. Das sind Waidmesser zwar, die könnte man dafür benutzen, aber sie sind so schön gearbeitet, dass sie wirklich fast wie Schmuck aussehen. Diese Epoche wollen wir zeigen. Wir wollen kein Jagdmuseum machen, wir wollen die Epoche wieder erstehen lassen, wir wollen dem vergessenen Hubertusburg ein bisschen wieder seinen alten Geist geben und es wieder so beleben, wie es früher einmal gewesen ist.

Novy: … unter anderem auch durch Möblierung. Wo kamen die Möbel her?

Syndram: Wir haben mehrere Throne hier in unserem Kunstgewerbemuseum. Einen dieser Thronsessel August III. haben wir dort hingebracht, der früher mal in Dresden war. Es ist ja wenig, was heute noch in Dresden ist, was ursprünglich mal in Hubertusburg war, aber ein bisschen Porzellan findet sich dort, das extra für Hubertusburg gemacht wurde. Es gibt sehr schöne Gemälde, es gibt aber auch Möbel aus der Zeit August III. Der schönsten feinsten Rokoko, den man gar nicht mit Dresden verbinden würde, den sieht man dort. Am schwierigsten allerdings war dann noch, den Krieg darzustellen, denn der kostet am meisten und hinterlässt am wenigsten.

Novy: Das war Dirk Syndram. Nur bis zum 5. Oktober kann das Schloss Hubertusburg besichtigt werden, danach fällt es entweder zurück in den Dornröschenschlaf, oder aber, was alle hoffen, es wird zum Museum.


Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Deutschlandradio macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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